Agiles Management: 7 Methoden als Chef Entscheidungen zu treffen

Wie leben Führungskräfte agiles Management im Alltag? In jeder Situation flexibel und anpassungsfähig zu handeln und zu entscheiden, ist zwar eine korrekte Definition. Aber viel zu schwammig, um praktikabel zu sein. Ein Merksatz und eine siebenstufige Skala für die Entscheidungsfindung machen das Konzept greifbarer.

Was ist gutes Management? Diese Frage lässt sich wohl kaum sinnvoll beantworten, außer vielleicht so: Es kommt darauf an. Auf das Umfeld, die Geschäftslage, die Beteiligten. Wenn über etwas breiter Konsens herrscht, dann darüber, dass Führungskräfte situativ handeln und ihre Rolle je nach den aktuellen Erfordernissen ausfüllen müssen. In Zeiten agiler Teams, agiler Entwicklungsmethoden und agiler Märkte ist eben auch agiles Management gefordert.

Agilität darf nicht Unberechenbarkeit heißen

Aber was heißt agiles Management konkret im Alltag? Schwierig zu sagen, denn das Wesen der Agilität liegt ja per Definition im permanenten Wandel, in der “Nicht-Festgelegtheit”. Wohl kaum ist jedoch gemeint, mal so und mal anders zu entscheiden, je nach Belieben zwischen Führungsstilen zu wechseln, heute Patriarchat und morgen Partnerschaft, heute Autokratie und morgen Laissez-faire. Selbst wenn es heißt, erlernte Gewohnheitsmuster zu durchbrechen und Dinge auch “mal auf eine andere Art” anzugehen, darf Agilität bei den Mitarbeitern nicht als Unberechenbarkeit ankommen. So schlimm manche Macken eines Chefs sind, man kann sich wenigstens auf sie verlassen.

Das passende Level an Freiheit und Zwang

Um agiles Management zu verstehen, kann man dessen Bedeutung auf einen einfachen Satz herunterbrechen: Es bedeutet, seinem Team abhängig von der Situation ein bestimmtes Level an Freiheit zu gewähren, oder andersherum ausgedrückt, ein bestimmtes Level an Zwang auszuüben, um ein Ziel zu erreichen. Um es noch konkreter und praktisch umsetzbar zu machen, unterteilen wir die “Agilitäts-Skala” in sieben Stufen:

  1. Ansagen: Der Chef trifft seine Entscheidung alleine. Er erklärt zwar die Gründe, es gibt aber keine Diskussion.
  2. Verkaufen: Der Chef trifft seine Entscheidung und versucht, diese dem Team gut zu verkaufen. Im Endeffekt bleibt es aber seine persönliche Entscheidung.
  3. Beraten lassen: Der Chef fragt zuerst nach den Meinungen im Team und bezieht die unterschiedlichen Sichtweisen mit ein, wenn er die Entscheidung trifft.
  4. Konsens: Der Chef bespricht sich mit seinem Team und versucht, eine gemeinsam getragene Entscheidung herbeizuführen.
  5. Beraten: Der Chef teilt dem Team seine Meinung mit, lässt sie danach aber selbst eine Entscheidung treffen.
  6. Information: Der Chef lässt sein Team komplett selbst entscheiden, möchte nur über das Ergebnis informiert werden.
  7. Delegieren: Der Chef überlässt dem Team die vollständige Verantwortung, eine Entscheidung zu treffen und hält sich ganz raus.

So ein Baukasten, aus dem man sich je nach Bedarf die passende Entscheidungsfindung basteln kann, ist sehr hilfreich, wie ich finde. Selbst wenn man die verschiedenen Methoden beherrscht, bleibt die Herausforderung, zu erkennen, wann welche Methode zielführend ist. Soll man die Arbeitszeiten fest vorschreiben oder komplett den Mitarbeitern überlassen, solange die Ergebnisse stimmen? Muss man in kritischen Zeiten auf den Tisch hauen, klare Ansagen machen, oder doch gerade dann im Team entscheiden, damit auch wirklich alle an einem Strang ziehen können? Man weiß es nicht. Das muss jeder von uns für sich selbst herausfinden.

Kommunikation und Feedback sind die Schlüssel

Damit es klappen, ist vor allem eines wichtig: Offene Kommunikation, und zwar in beide Richtungen. Das Team muss wissen, auf welcher “Agilitäts-Stufe” eine Entscheidung getroffen wird. Es muss sich seiner Grenzen und Verantwortlichkeiten, aber auch seiner Freiheiten bewusst sein, wenn es diese nutzen soll. Regelmäßiges Feedback hilft ebenso dabei, Agilität als Wert auch wirklich zu leben und jeden Tag besser umzusetzen. Sonst bleibt Agilität nur ein schönes Schlagwort auf der “Über uns”-Seite, und am Ende entscheidet doch immer nur einer. Oder keiner.

Ihr Sascha Frank

Bild: Fotolia – 279photo

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