Das deutsche Google

Der mittelständische Softwareentwickler Itemis hat das innovative Arbeitszeitmodell 4+1 entwickelt. Jeder Mitarbeiter darf sich durchschnittlich einen Tag pro Woche auf Kosten des Unternehmens weiterbilden. Vom Fachseminar, über Soft-Skill-Training bis hin zum Schwimmkurs ist alles erlaubt und erwünscht. Auch eigene Projekte der Mitarbeiter werden gefördert.

Fast kommt es mir so vor, als ob ich mich auf der Webseite eines Sport- und Wellness-Hotels befinde. „Schwimmschule“ wird da angeboten, „Rückenschule“ und „Golf für die Gesundheit“, ein philosophischer Text erzählt mir etwas von „Freiräume schaffen“. Noch einmal der Blick hoch zum Firmenlogo – nein, ich bin wirklich auf der Webseite von Itemis, einem mittelständischen Softwareentwickler. Itemis wurde von der Initiative TOP JOB auf den zweiten Platz gewählt und hat den Deutschen Personalwirtschaftspreis 2010 erhalten. Grund dafür ist unter anderem das ungewöhnliche Arbeitszeitmodell 4+1.

Das Modell sieht vor, dass sich jeder Mitarbeiter ein Fünftel seiner Arbeitszeit auf Kosten des Arbeitnehmers weiterbilden darf. Die zeitliche und inhaltliche Gestaltung der Weiterbildung obliegt der Verantwortung eines jeden Mitarbeiters. Betriebliche Belange und Kundenprojekte nehmen natürlich Vorrang ein, aber dazwischen gibt es immer genug Freiräume. Die Team-Leiter behalten ein Auge auf die Aktivitäten ihres Teams und erarbeiten Ziele mit den einzelnen Kollegen. Hört sich gut an, aber noch nicht revolutionär. Ungewöhnlich wird es dann, wenn man auf die möglichen Aktivitäten schaut. Einschränkungen gibt es da nämlich (fast) keine.

Fachliche Kurse machen den Hauptteil der Weiterbildung aus. Schon deswegen, weil es die rasanten Entwicklungen in der IT erfordern. Daneben kann sich aber jeder um eigene Projekte kümmern, beispielsweise um die Entwicklung von Open-Source-Software. Wer gerne Fachartikel oder ein Buch schreiben will, darf das tun und sich dafür ins eigene Wohnzimmer oder in den Park setzen. Ebenso beliebt sind Sprachkurse und Soft-Skill-Trainings. Sogar Sporteinheiten sind erlaubt und werden inhouse angeboten. Denn mit geradem Rücken und ausreichender Fitness arbeitet es sich viel entspannter und besser. Die Mitarbeiter bespielen außerdem die ganze Klaviatur des Web2.0, produzieren eigene Podcasts, bloggen und managen ihr Wissen über Wikis. Hört sich ein bisschen wie das Arbeitsschlaraffenland an. Zumindest wie das deutsche Google, nur ein paar Nummern kleiner.

Wofür das Ganze? Für ein paar Auszeichnungen? Itemis hat die allgemein akzeptierte Wahrheit, dass Geld nur einen kleinen Teil der Mitarbeitermotivation ausmacht, in ein echtes Konzept umgesetzt. 4+1 ist praktisch die serienmäßige Mitarbeiterbindung. Wer einmal so hohes Vertrauen und so viele Freiräume besitzt, überlegt sich schon gut, ob er wegen ein paar Euros mehr zum Wettbewerber wechselt. Im Kampf um Talente ist das Konzept ein unschlagbares Argument. Ich kann mir vorstellen, dass Itemis keinen Mangel an Initiativbewerbungen von guten Leuten hat.

Was soll ich da noch groß hinzufügen? Viel besser kann man es nicht machen. Ach ja, für alle, die sich jetzt bewerben wollen: Hier geht’s zur Webseite von Itemis.

Ihr Sascha Frank

(Bild: fotolia – VanHart)

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