Die gute Seite der Macht

Wer entscheidet über die Zukunft der Menschheit? Die Antwort, dass es die Hacker sind, ist nicht von der Hand zu weisen. IT-Security-Spezialisten bewahren uns tagtäglich davor, dass unsere hochvernetzte Welt in die Hände von Kriminellen fällt. Was sind das für Leute, diese Hacker? Konvertierte Ex-Kriminelle? Ein paar, vielleicht. Doch manchmal sind es ganz normale Informatikstudenten.

„Cracker oder Hacker?“ ist keine Frage nach der Wahl des Knabbergebäcks sondern teilt die Welt der IT-Security-Spezialisten in gut und böse ein. Erstere nutzen Sicherheitslücken in IT-Systemen aus, um Firmen auszuspionieren, fernzusteuern oder sensible Daten zu klauen, letztere wollen genau das verhindern – wobei der Begriff Hacker meist umgangssprachlich für beide Seiten gebraucht wird. Der Cyberkrieg ist in vollem Gange und hat an Heftigkeit längst die offenen Konflikte dieser Welt abgelöst. Das deutsche Regierungsnetz wird täglich bis zu fünfmal angegriffen. Und seitdem das Stuxnet-Virus letztes Jahr iranische Atomanlagen befallen hatte wissen wir, dass IT-Attacken nicht mehr nur finanzielle Schäden anrichten können. Längst überfällig also, dass vor gut einer Woche das „Nationale Cyber-Abwehrzentrum“ in Bonn ans Netz ging. (Nur) zehn Spezialisten besetzen diese neue deutsche Bastion für IT-Sicherheit. Aber was sind das für Leute, diese Hacker? Sind das alles Ex-Kriminelle, die man mit horrenden Summen auf die gute Seite der Macht gelockt hat?

Nun, zumindest gibt es neben dem Selbststudium mittlerweile auch ganz anerkannte Wege, sich zum IT-Sicherheitsspezialisten, zum Hacker, ausbilden zu lassen. Renommierte Informatikstudiengänge in Darmstadt, Berlin, München und auch Bochum behandeln das Thema. In so genannten „Hacker Praktika“ können die Studenten in abgesicherten Umgebungen Angriffs- und Abwehrmethoden ausprobieren. Die erlernten Fähigkeiten werden in Contests auf die Probe gestellt. Für den Diebstahl von Bankdaten und hunderttausenden Euros von fremden Konten gibt’s keine Handschellen, sondern Applaus und eine Urkunde. Dass der Grat zwischen legaler und illegaler Nutzung dieser Fähigkeiten schmal ist, räumen die Beteiligten ein. Weshalb die Studenten über rechtliche Konsequenzen aufgeklärt werden und sich auf den Hacker-Ethos verpflichten müssen: Wer kriminell wird, schadet der ganzen Branche und wird geächtet.

Natürlich ist der anarchische Geist der Hacker-Subkultur trotz offizieller Ausbildungswege immer noch nicht tot. Dafür sorgt schon der Chaos Computer Club, mit 3.200 Mitgliedern das Sprachorgan der Branche und unerschütterlicher Bewahrer des Pferdeschwanzes und des Bekenner-T-Shirts. Und immer noch tummeln sich zahlreiche Hinterhof-Hacker-Clubs und Freiberufler auf dem Markt, die mal mehr und mal weniger von sich reden machen. Um auch diese Klientel für sich einzuspannen loben viele große Unternehmen Prämien aus, wenn jemand Sicherheitslücken in deren Systemen entdeckt und meldet. Oder sie geben Systeme während der Beta-Phase bewusst zum Angriff frei, um Lücken schon vor der Inbetriebnahme aufzudecken und zu schließen.

Als Laie verstehe ich von der Arbeit der Sicherheits-Experten zwar nicht viel mehr, als ich in den Medien darüber lesen kann. Dennoch kann ich mir vorstellen, dass diese Arbeit überaus spannend ist und noch spannender wird – nicht nur wegen der zunehmenden gesellschaftlichen Relevanz. Gleichzeitig denke ich mir, dass aber auch der Grat zwischen gut und böse für die Hacker immer schmaler wird, je heftiger der Cyberkrieg tobt und je größer die Summen sind, um die es geht.

Ihr Sascha Frank

(Bild: istockphoto – OStill)

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