Hallo, wir suchen einen CEO

Kandidatensuche über Social Media gehört für viele Unternehmen bereits fest zum Recruiting-Repertoire: Facebook-Seiten, Recruiting-Videos, Recherche auf XING. Den Personalberatern gehen dadurch viele Aufträge verloren, der Handel mit Profilen ist als Geschäftsmodell überholt. Einzig bei Führungspositionen und in schwierigen Bereichen sind Headhunter noch unverzichtbar.

Wissen Sie noch, 2000? In diesem Jahr, auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase, waren viele der festen Überzeugung, dass in wenigen Jahren alles nur noch übers Internet abgewickelt wird. Auch beim Recruiting: Online-Bewerbung, Online-Assessment-Center, Vorstellungsgespräch per Videokonferenz. Jetzt, 10 Jahre später, wissen wir, es kam doch ein wenig anders. Doch auch wenn stark verzögert, hat das Internet große Teile des Recruiting-Prozesses verändert und stellt uns Headhunter vor einige drängende Fragen.

Immer mehr Unternehmen nehmen das Recruiting in die eigene Hand und nutzen verstärkt Social Media für die Suche nach geeigneten Kandidaten. Die Otto Group hat kürzlich ein eigenes Karriere-Portal gelauncht, auf dem man deren Social Media Aktivitäten im Überblick hat: Facebook, Twitter, Youtube, Blogs. Zudem sind zwei Mitarbeiter nur damit beschäftigt, Netzwerke wie XING und LinkedIn zu durchforsten und geeignete Kandidaten anzusprechen. Jede fünfte Stelle kann auf diese Weise besetzt werden, sagt Otto-Personaldirektor Michael Picard. Laut BITKOM ist die IT-Branche führend bei diesem Trend und immerhin setzen 20% aller Unternehmen beim Recruiting auf Social Media. Auch der Mittelstand, sonst eher abwartend, hat die Zeichen der Zeit erkannt und experimentiert mit dem Social Web.

Verlierer dieser Entwicklung sind neben den Stellenbörsen der Zeitungen auf jeden Fall die klassischen Personalberater. Ihr Geschäftsmodell ist teilweise obsolet geworden. Warum für eine Handvoll Kandidatenprofile zahlen, wenn man bei XING und LinkedIn davon Millionen bekommt? Fein säuberlich nach Kriterien sortierbar und von den Kandidaten selbst aktuell gehalten? Diesen “Self-Service” kann kein Headhunter leisten, schon gar nicht für einen niedrigen monatlichen Pauschalbetrag. Die Zeit der Lebenslauf-Händler und Stellenanzeiger-Designer ist definitiv vorbei.

Ausnahmen gibt es: Bei Stellen im oberen Management und in schwierig zu besetzenden Bereichen führt meist kein Weg am klassischen Recruiting vorbei und dazu gehört auch die Beauftragung von Headhuntern. Hoch qualifizierte Zielgruppen sind eher selten in sozialen Netzwerken aktiv oder blocken Lockversuche der Unternehmen ab. Es klänge auch ein wenig befremdlich: „Hallo, wir suchen einen CEO und sind auf Ihr XING-Profil gestoßen. Hätten Sie Interesse?“ Außerdem sind Social Media Aktivitäten eher auf langfristiges Employer Branding ausgerichtet. Um zeitkritische Vakanzen zu besetzen, müssen immer noch bewährte Wege beschritten werden. Außerdem stehen dem Honorar für den Personalberater die immensen Schäden gegenüber, die durch eine falsch besetzte Führungsposition entstehen können.

Ein Freibrief für Executive Search Beratungen, wie uns, ist das aber nicht. In der Geschwindigkeit, wie sich die Möglichkeiten des Online-Recruiting verbessern, müssen wir unser Geschäftsmodell weiterentwickeln und unsere Dienstleistungskompetenz ausbauen. Ansätze dazu gibt es sicherlich genügend. Es gibt noch viel zu tun, in einer Zeit, in der die Menschen als Erfolgsfaktor gerade erst (wieder) entdeckt werden.

Ihr Sascha Frank

(Bild: fotolia – Rob Bouwman)

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