Ideen sind wertlos – solange Sie sie nicht umsetzen

Würden Sie sich selbst als kreativ bezeichnen? Kreativität oder kreative Ideen gelten allgemein als Voraussetzung schlechthin, um neue erfolgreiche Produkte zu entwickeln. Dabei gibt es gute Ideen wie Sand am Meer – was fehlt, ist jemand, der sie umsetzt.

Eigentlich würden Sie auch mal gerne ein erfolgreiches Produkt entwickeln oder vielleicht nur eine neue tolle Funktion für ein bestehendes Produkt. Sie wären sogar schon zufrieden, wenn Sie den Anstoß für eine interne Prozessoptimierung geben könnten, mit der Geld und Zeit gespart werden kann. Aber irgendwie sind Sie einfach nicht kreativ genug, die perfekten Ideen fallen immer nur anderen ein und an Ihren eigenen Ideen müssen Sie erst noch feilen, bevor Sie damit an die Öffentlichkeit gehen können. Klingt Ihnen das ein bisschen vertraut?

Ideen werden überschätzt

Dabei wird “Ideen haben” in unserer Welt grandios überschätzt. Mit Ideen ist es wie mit der Arbeit: Es ist genug für alle da. Was fehlt, sind Ideen, die spitzenmäßig oder auch nur praktikabel umgesetzt werden. Nehmen Sie mal – ich weiß, nicht sehr kreativ – die digitalen Big Player wie Google, Apple, Uber, Amazon als Beispiel. Weder verdankt einer von diesen seinen Erfolg einer revolutionären Idee, noch waren sie mit ihren Ideen jeweils die ersten am Markt. Selbst das so bahnbrechende iPhone ist im Grunde nur ein kleiner Computer mit berührungssensitivem Bildschirm, Telefonfunktion und integriertem Downloadbereich für kleine Programme. Uaaaah, gähn! Aber eben verdammt gut gemacht. Und selbst wenn man die weiter zurückliegenden Erfindungen der analogen Welt unter die Lupe nimmt, waren diese auch meist kein Produkt eines Geistesblitzes, sondern von jahrelanger Tüftelei gepaart mit gutem Gespür und einer Prise Zufall.

Einfach mal anfangen

Sie sind also nicht kreativ genug – oder zumindest das, was Sie als kreativ definieren? Ich wette mit Ihnen, dass Sie permanent Ideen im Kopf haben und aus dem Stehgreif drei Vorschläge für neue Produkte oder Projekte machen könnten. Stimmt´s? Oftmals behalten wir solche Ideen aber lieber erstmal für uns, denn “vielleicht ist meine Idee ja blöd” oder “wenn die Sache kein Erfolg wird, dann bin ich schuld”. Das ist schade, denn was ist eine Idee schon wert, solange sie nur in unserem Kopf bleibt? Und keine Idee ist so gut, dass sie nicht durch Gespräche, einen Probelauf und durch das Feedback echter Kunden oder Nutzern Stück für Stück perfektioniert werden kann.

Wenn Sie also eine Idee umsetzen wollen, müssen Sie als ersten Schritt eine aus Ihren vielen Ideen herauspicken, die Sie umsetzen wollen. Klingt selbstverständlich, mag aber gar nicht so einfach sein. Dann sollten Sie, wie bei jedem Projekt, eine grobe Planung aufstellen: Welche Ressourcen brauchen Sie, um das Konzept zu erstellen, einen Prototypen oder ein Minimum Viable Product zu bauen und diesen bzw. dieses zu testen? Wie kann eine realistische Timeline aussehen? Wen müssen Sie dafür mit ins Boot holen? Dieser Plan ist nicht nur wichtig, um im Kopf den wichtigen Schritt von der Idee zum Projekt zu gehen und sich davon zu vergewissern, dass die Idee auch echte Chancen auf die Realisierung hat. (Wenn Ihr Plan ein 100-köpfiges Team und einen Marktstart in drei Jahren vorsieht, sollten Sie vielleicht doch eine andere Idee auswählen oder gleich Investoren für Ihr neues Startup suchen.) Mit Ihrem Projektplan bereiten Sie auch Schritt zwei vor, der für den Erfolg Ihrer Idee entscheidend ist: Sie werben bei anderen um Unterstützung.

Holen Sie sich Unterstützung

Solange Sie kein Solo-Unternehmer sind – und wahrscheinlich selbst dann – werden Sie Ihre Idee wohl kaum ohne ein Team auf die Straße bringen können. Sie müssen bei Ihren Vorgesetzten oder Geschäftspartnern für Ihr Projekt werben, um die Freigabe und Ressourcen dafür zu bekommen. Sie müssen Ihre Kollegen für die Mitarbeit am Projekt begeistern und eine gemeinsame Vision erschaffen. Viele Ideen scheitern daran, dass die entscheidenden Personen nicht davon überzeugt werden können. Mit vagen Vorstellungen und warmen Worten werden Sie wohl kaum einen Vertrauensvorschuss bekommen. Mit einem konkreten Plan, wie Sie Ihre Idee umsetzen und bis wann realistischerweise mit einem ersten Produkt gerechnet werden kann, dagegen schon.

Machen Sie Ihre Idee so früh wie möglich bekannt und binden Sie alle Beteiligten in den Kommunikationsprozess ein. Auch auf die Gefahr hin, dass sofort Widerstände und Hindernisse auftreten? Natürlich. So können Sie Ihre Idee frühzeitig anpassen und verschiedene Interessen berücksichtigen. Viel schlimmer wäre doch, wenn die Idee später an internen Widerständen scheitert, weil sich die Stakeholder übergangen fühlen. Und nicht zuletzt wird jede Idee erst durch ein tolles Team, durch verschiedene Sichtweisen und Kompetenzen, zu einem Erfolg.

Brüten Sie nicht länger über der perfekten, total kreativen Idee – sie existiert nicht. Und machen Sie sich erst recht keine Gedanken darüber, ob Sie kreativ sind. Setzen Sie das um, was Sie oder Ihre Kollegen im Kopf haben. Erwecken Sie Ihre Idee zum Leben, stellen Sie ein Team zusammen, gehen Sie mit geringem Aufwand an den Markt (Stichwort “Lean Startup”) und nutzen Sie echtes Feedback, um zu optimieren, zu optimieren, zu optimieren. Denn auch für Ideen gilt: Am besten Sie testen!

Ihr Sascha Frank

Bild: Fotolia – bounlow-pic

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