Lassen Sie es flutschen: So bringen Sie sich in den Arbeitsrausch

„Heute flutscht es einfach“ oder neudeutsch „Heute bin ich voll im Flow“ – an wie vielen Arbeitstagen empfinden Sie genau so? Wahrscheinlich an viel zu wenigen. Der Flow ist ein höchst individuelles Phänomen und nicht jede Aufgabe taugt dazu, sich in den Arbeitsrausch zu bringen. Aber ganz dem Zufall überlassen müssen Sie ihn auch nicht.

Es gibt solche und solche Tage. Und solche. Manchmal kommst du ins Büro, holst Kaffee, checkst die Mails, checkst Facebook, beginnst das erste ToDo, holst noch mehr Kaffee, checkst wieder Mails… es geht einfach gar nichts. Dann gibts da die ganz normalen Tage: Mails, Anrufe, ein paar Dokumente, Meetings, noch mehr Mails. Und dann gibts da die Tage – eher selten, zugegebenermaßen –, da kommst du ins Büro, weißt schon genau, was du heute tun wirst, holst einen Kaffee, setzt dich hin und beginnst zu arbeiten. Und es flutscht einfach. Und irgendwann ist es 18 Uhr, es dämmert draußen, der Kaffee ist kalt, dein Magen knurrt und du fragst dich, wo die Zeit geblieben ist und wo eigentlich die Kollegen sind. Und würdest am liebsten durchmachen.

Das ist das, was man landläufig den Flow nennt, einen Rausch ganz ohne Drogen. Obwohl sich (unter anderem) der Glücksforscher Mihály Csíkszentmihályi intensiv mit dem Flow-Erleben auseinandersetzte, ist der Flow bei weitem kein exaktes Phänomen. Jeder erlebt und beschreibt ihn anders – oder auch überhaupt nicht. Am ehesten lassen sich noch seine äußeren Symptome auf einen gemeinsamen Nenner bringen, wie den Verlust des Zeitgefühls, die Nicht-Wahrnehmung der Außenwelt. Im Flow ist die Aufmerksamkeit auf ein sehr begrenztes „Blickfeld“ beschränkt, man geht komplett in seiner Tätigkeit auf, Sein und Tun verbindet sich quasi zu einer Einheit. Um mal philosophisch zu werden.

Wie schon angeklungen, beim gemeinen Schreibtischmenschen (Homo desctopicus) stellt sich dieser Zustand leider selten ein. Das mag an der meist kleinteiligen Arbeit liegen, dem ständigen Wechsel zwischen Excel, E-Mail, Telefon, Meeting, usw., den vielen Ablenkungen, aber oft auch an der fehlenden Sinnstiftung der Tätigkeiten. Den Flow verbinden wir eher mit dem Künstler, der ganz in seinem Motiv versinkt. Mit dem Wissenschaftler, der stundenlang wimmelnde Mikroben beobachtet. Mit dem Sportler, der einfach immer weiterläuft. Oder aber mit dem Programmierer, der sich per Kopfhörer mit Heavy Metal beschallt, links Cola, rechts Pizza, und im „Tunnel“ bis in den frühen Morgen tausende Codezeilen schreibt.

Es gibt zwar Jobs, die eher zum Flow-Erlebnis führen als andere, aber es hängt nicht allein davon ab. Der erwähnte Forscher Csíkszentmihályi beobachtete in einer Fabrik, in der am Fließband Lachse filetiert wurden, einen Arbeiter, der auffällig glücklicher und zufriedener war als seine Kollegen. Das Geheimnis? Der Arbeiter setzte sich täglich Ziele, die leicht über den Vorgaben des Arbeitgebers lagen und versuchte ständig, seine Schnitttechnik zu verbessern und die Gräten so perfekt wie möglich vom Fleisch zu lösen.

Es gibt durchaus ein paar gute Tipps, die jedem helfen, nicht nur beim Wort „Feierabend“ in den Flow zu kommen:

  • Werden Sie sich über Ihre Stärken und Schwächen klar, über Ihre Vorlieben und Abneigungen. Dauerhaft Sachen zu tun, die einem weder liegen noch gefallen, ist nicht wirklich hilfreich.
  • Suchen Sie sich Aufgaben, die Sie fordern, aber nicht überfordern. Ein bisschen oberhalb der Komfortzone, sozusagen. Das ist der Bereich, wo der Flow zuhause ist.
  • Setzen Sie sich eigene, sehr kurzfristige Etappenziele, auch wenn sich ein Projekt noch Monate hinziehen sollte. Ständige kleine Erfolgserlebnisse sind der Treibstoff des Flows.
  • Verleihen Sie Ihrem Tun selbst einen tieferen Sinn. Bei Routineaufgaben lassen sich zum Beispiel Fähigkeiten oder Charaktermerkmale trainieren. Das motiviert zusätzlich.
  • Auch das richtige Umfeld kann helfen: Minimieren Sie Ablenkungen, ziehen Sie sich für eine Weile zurück. Ein Raum, in dem Sie sich wohlfühlen, eine Tasse guter Tee,…

Finden Sie doch selbst heraus, was Sie ganz individuell in den Flow versetzt. Oder einfach ausgedrückt, was Sie bei der Arbeit glücklich macht. Und dann tun Sie es einfach!

Ihr Sascha Frank

Bild: Fotolia – JanMika

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