“Lebe deinen Traum” – aber nicht bei der Karriereplanung

Wir verbringen rund 40 Jahre lang rund 40 Stunden pro Woche mit unserem Job. Da ist die Aussicht verlockend, unsere Leidenschaft zum Beruf zu machen und nur das zu tun, was wir am besten können. In Wahrheit sind das ziemlich schlechte Kriterien für die Karriereplanung, wenn Sie im Job langfristig erfolgreich und glücklich sein wollen.

„Mache deine Leidenschaft zum Beruf.“ – „Lebe deine Träume.“ – „Tu was du am besten kannst.“ So oder ähnlich klingen die Leitsätze zu Berufswahl und Karriereplanung auf den üblichen verdächtigen Karrierewebseiten, in Glücksratgebern und Motivationsseminaren. Warum nur? Sie klingen einfach gut. Sie lassen uns Karrierewebseiten anklicken, Glücksratgeber kaufen und Motivationsseminare buchen. „Überleg´dir gut, was du machen willst“ ist als Buchtitel wirklich nicht gerade ein Reißer.

Der Beweis dafür, dass Träume, Leidenschaften oder das, was man gerade am besten kann, die richtige Basis für eine erfolgreiche und erfüllende Karriere sind, steht jedoch noch aus. In Wahrheit sind es (für 99% von uns) ziemlich schlechte Kriterien. Warum das so ist? Drei Gründe:

Drei Gründe, warum wir bei der Karriereplanung nicht unseren Träumen folgen sollten

  1. Die klassischen „Traumberufe“ sind hoch kompetitiv. Wir kennen Topmodels, Rockstars, Schriftsteller, Hollywood-Schauspieler, Profifußballer… oder auch Erfinder und Archäologen. Hinter jeder Erfolgsgeschichte steht ein Heer von Niemanden, die es in den Berufen nicht weit genug gebracht haben und sich bestenfalls mit schlecht bezahlten Jobs über Wasser halten. In allen „Traumberufen“ kämpfen Massen um extrem wenige Stellen und es ist extrem unwahrscheinlich, in solchen Berufen auch nur sein sicheres Auskommen zu finden.
  2. Leidenschaften und Träume wechseln schneller, als wir uns bewusst sind. Wenn ich bis gestern gerne fotografiert habe, ab heute aber lieber malen will, ist das kein Problem. Außer, ich habe mich schon für eine Karriere als Fotograf entschieden und sehr viel investiert. Das schöne an Leidenschaften – oder Hobbys – ist doch, dass ich sie frei ausüben kann, solange ich Spaß daran habe, ohne Druck, perfekt sein zu müssen. Für eine Entscheidung über meine berufliche Zukunft, die die nächsten 20, 30, 40 oder vielleicht mehr Jahre meines Lebens beeinflusst, sind Hobbys also nicht unbedingt die passende Grundlage.
  3. Unsere wahren Talente sind oftmals noch unentdeckt. Sie haben Klavierspielen gelernt weil Ihre Mutter musisch interessiert ist. Weil Ihr Vater ein Technikfreak ist können Sie gut mit Computern. Weil Tennis in Ihrer Jugend total hip war, sind Sie in den Verein eingetreten. Doch selbst wenn Sie in diesen Bereichen jetzt relativ gut sind, heißt das nicht, dass auch Ihre wahren Talente in diesen Bereichen liegen. Vielleicht gibt es ein Feld, auf dem Sie noch wesentlich erfolgreicher sein könnten.

Aber woran orientieren? Der Berufswahltest im Berufsinformationszentrum des Arbeitsamtes ist ja auch nicht gerade der Hit. Diese zwei Fragen sollten Sie sich statt dessen stellen:

Zwei Fragen, mit denen Sie Ihren wahren „Traumjob“ finden können

  1. In welchem Bereich könnte ich richtig gut und erfolgreich werden? Das kann etwas ganz anderes sein als das, was Sie momentan schon gut können. Sicher ist das nicht einfach herauszufinden. Sie müssen sich mit ihren Stärken und Schwächen beschäftigen und vor allem ganz viel über Ihr potentielles zukünftiges Berufsfeld erfahren. Reden Sie mit Leuten, die Ihnen ähnlich sind und den Weg gegangen sind. Was hat deren Entscheidung beeinflusst, was macht sie erfolgreich?
  2. Was macht für mich langfristig einen guten, befriedigenden Job aus? Es ist meist gar nicht die Arbeit an sich, die für unser Glück entscheidend ist, sondern eher die „weichen“ Faktoren. Der eine braucht viel Abwechslung und möchte ständig Neues lernen. Dem nächsten ist wichtig, dass er mit seiner Arbeit etwas bewegen kann und die Welt ein bisschen besser macht. Und mit einem netten Chef und super Kollegen lässt sich (fast) jede Arbeit gut ertragen. Wenn Sie gerne mit Menschen zu tun haben, können Sie Arzt werden – oder Personalreferent. Wenn Sie die Umwelt schützen möchten, können Sie das als Aktivist tun – oder als Systemadministrator bei einem Hersteller von biologisch abbaubaren Kunststoffen.

Diese Fragen sind übrigens nicht nur für Berufseinsteiger interessant. In vielen Berufen sind die Chancen für Quereinsteiger so gut wie nie, und viele wählen diesen Weg. Sollten Sie also bereits ein erfolgreiches Topmodel oder berühmter Rockstar sein: Keine Sorge! Auch aus Ihnen kann noch etwas werden.

Ihr Sascha Frank

Bild: Fotolia – DWP

…inspiriert von diesem Artikel auf 99u.com.

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