Macht haben und gemocht werden muss für Führungskräfte kein Widerspruch sein

Macht ausüben und gleichzeitig beliebt sein, das geht für Führungskräfte oftmals nicht zusammen. Und sie entscheiden sich für ersteres, schließlich hat man eine Karriere zu machen. Doch ohne echte Verbündete kann die schneller zu Ende sein, als man denkt. Besser also, Sie interessieren sich für die Menschen, die für Sie arbeiten.

Wollen Sie als Chef oder Führungskraft von allen geliebt werden? Sicher nicht, sonst wären Sie wohl eher Feelgood-Manager geworden. Wollen Sie, dass das ganze Unternehmen willenlos nach Ihrer Pfeife tanzt und alle Mitarbeiter in Ehrfurcht vor Ihnen erstarren? Nun, vielleicht. Philantropie ist ja nicht unbedingt eine Voraussetzung für die Chefetage, Machtbewusstsein dagegen schon. Macht ist aber ein zweischneidiges Schwert. Sie verleitet dazu, sich trügerischerweise allein auf sie zu verlassen.

Wer Furcht und Schrecken verbreitet und Macht ausübt “weil ich es kann”, hat damit wahrscheinlich Erfolg. Eine Zeit lang. Aber dieser Führungsstil nutzt sich ab. Die offene Revolution lässt zwar auf sich warten. Die Mitarbeiter reagieren erst einmal mit Dienst nach Vorschrift, innerer Kündigung und Boykott. Und lauern auf den einen Fehler des Chefs. Genau dann, wenn es schlecht läuft, das Pech zuschlägt, rächt sich die Fehleinschätzung. „Sometimes it’s lonely at the top“ und vor lauter Machtbesessenheit hat man es versäumt, Netzwerke zu knüpfen und Verbündete zu suchen, die zu einem halten und sich einsetzen. In allen Hierarchieebenen.

Ja, die Notwendigkeit zu erkennen, dass man auch vom Wohlwollen seiner Mitarbeiter abhängig ist, deren Wertschätzung zu gewinnen, deren Bedürfnisse ernst zu nehmen und – uiuiui! – sich menschlich mit ihnen auf eine Stufe zu stellen, das erfordert schon ein wenig Demut. Und Empathie. Denn eine Managementmethode für gemocht werden ohne anbiedern, ohne Manipulation nach Zuckerbrot-und-Peitsche-Art, gibt es nicht. Führungskräfte müssen sich schon für ihre Leute interessieren. Rausfinden, wodurch sie sich gewinnen lassen. Und vor allem dürfen die „Machties“ runterkommen von ihrem hohen Ross, dass sie ja so viel Wichtigeres zu tun haben, als sich mit Schnickschnack untereinander zu beschäftigen – oder?

Den jungen Mitarbeiter machen Sie vielleicht zum treuen Gefolgsmann, indem Sie ihn gezielt bei seiner Weiterentwicklung fördern. Der Familienvater wird Sie lieben, wenn er sich zuhause um seinen kranken Sohn kümmern darf, ohne gleich ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Und wieder ein anderer ist einfach froh, dass Sie ihm kürzlich in der Mittagspause fünf Minuten bei seinen privaten Problemen zugehört haben. Oder ihm vor versammelter Mannschaft für seinen Einsatz im letzten Projekt gedankt haben. (Auch wenn die Ergebnisse mäßig waren.)

Nur ein paar Beispiele. Wie viele Zacken würden den zu machtverliebten Führungskräften dabei aus der Krone brechen? In Wahrheit schmälern sie ihre Macht durch solches Verhalten nicht, nein, sie bauen sie aus. Denn – so schmalzig das auch klingt – sie gewinnen Herzen und sie werden wieder öfters Manager des Monats. Man wird es den Führungskräften verzeihen, wenn sie mal auf den Tisch hauen, unangenehme Maßnahmen durchsetzen müssen. Und wenn sie Fehler machen, werden alle hinter ihnen stehen: Nicht, um ihnen in den Rücken zu fallen, sondern um ihnen denselben zu stärken. Und nun? Auf die Plätze, fertig, los. 😉

Ihr Sascha Frank

Bild: Fotolia, Gina Sanders

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