Manchmal ist ein Job einfach nur ein Job. Und das ist ok

Wir fühlen uns schlecht, weil wir unseren Job nicht über alles lieben, sondern einfach nur machen. Motivationsexperten streuen uns Salz in diese Wunde und erzählen uns von Menschen, die ihre Leidenschaft zum Beruf machen. Wir sollten nicht darauf hören. Denn zu viel Leidenschaft im Job ist nicht erstrebenswert, ja oftmals sogar kontraproduktiv.

„Love it, change it or leave it“ heißt das Mantra des aufgeklärten Arbeiters. Wenn du deinen Job nicht liebst, dann versuche etwas daran zu ändern, was sich meist als Ding der Unmöglichkeit herausstellt. Also bleibt nur eins: kündigen und was ganz Neues machen. Unterfüttert wird dieses Mantra mit Beispielen wie dem Geschäftsführer, der nach dem dritten Burnout hinschmeißt und eine Surfschule auf Bora-Bora eröffnet oder der Beraterin, die keine 70-Stunden-Wochen bei der internationalen Top-Consulting-Group mehr schieben will und fortan handgeklöppelte Topflappen aus der Wolle selbstgezüchteter Angoraziegen herstellt.

Was uns diese Beispiele sagen wollen: Wenn du einfach nur einen Job hast, der dir Miete und Brötchen und Auto zahlt, dann bist du ein Verlierer. Wenn du nicht jeden Tag frühmorgens voller Leidenschaft ins Büro gehst und den ganzen Tag über dein Glück kaum fassen kannst, dass du diese Arbeit tun darfst, dann läuft in deinem Leben etwas ganz gehörig falsch. Das ist, mit Verlaub liebe Motivationsexperten, völliger Blödsinn. Aus drei Gründen.

Erstens sind die oben erwähnten Beispiele lediglich Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Die betreffenden Personen, so unterschiedlich sie sein mögen, haben ganz bestimmte Voraussetzungen. Sie sind überdurchschnittlich gebildet und/oder talentiert, familiär ungebunden, und haben vor allem Jahre lang in einem überbezahlten Job ihre Seele verkauft und ein sechs- oder siebenstelliges Vermögen angehäuft, dass ihnen nun ihr Maß an Freiheit und Verrücktheit erlaubt. Was ihnen aufrichtig gegönnt sei. Doch hätten diese Personen Schulkinder gehabt oder ein Häuschen, das abbezahlt werden muss, oder eine Sachbearbeiterposition – und das alles soll ja durchaus vorkommen – die Geschichte wäre höchstwahrscheinlich anders verlaufen.

Zweitens sind Leidenschaft und grenzenlose Begeisterung in vielen Jobs überhaupt nicht hilfreich. Selbst ein Designer, der mit viel Hingabe ein neues Produkt entwirft, muss akzeptieren, dass sein Entwurf wegen Kosteneinsparungen im Cent-Bereich abrasiert wird. Der Vollblut-Anwalt muss seine Fälle mit Distanz beurteilen, kühl die Chancen abwägen und wird wohl kaum einen aussichtslosen Prozess führen nur weil er sich im Gerichtssaal wie zuhause fühlt. Wie lange würde wohl ein Controller seinen Job behalten, wenn er permanent neue Reports und Kalkulationsmodelle erfindet, nur weil er ein absoluter Zahlenfreak ist? Wer zu sehr liebt, was er tut, wird ineffizient, er verliert sich in Details, vergisst das große Ganze. Große Erfindungen der Menschheit sind hauptsächlich unserer Faulheit zu verdanken. Irgendjemand dachte sich: Diese (lästige) Aufgabe muss doch auch einfacher und schneller erledigt werden können. Dass wir Arbeit hinter uns bringen und Feierabend haben wollen, lässt uns rationell arbeiten, neue Lösungen suchen und Prioritäten setzen.

Last, but überhaupt nicht least impliziert der Zwang des unbedingten Glücks im Beruf die Annahme, dass Glück nur im Job zu finden wäre. Jedoch bleiben erstaunlicherweise von unseren 168 verfügbaren Stunden pro Woche, abzüglich 40 Stunden Arbeit und 56 Stunden Schlaf noch ganze 72 Stunden übrig, in denen wir unser Glück finden können. Und sollten. Denn so sehr wir unseren Job lieben, er liebt uns nicht zurück. Er sagt morgens wenn wir ins Büro kommen nicht „Schön, dass du da bist“. Er führt keine tief gehenden Gespräche mit uns, erklärt uns nicht den Sinn des Lebens. Er backt keinen Kuchen für uns. Und er muntert uns erst recht nicht auf, wenn unsere Abteilung wegrationalisiert wird.

Wenn Ihr Job also einfach nur Ihre Arbeit ist, dann ist das ok. Wichtig ist nicht, dass Sie in Ihrem Job glücklich werden. Wichtig ist, dass Sie glücklich werden.

Ihr Sascha Frank

Bild: Fotolia – stanciuc

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