Nur Dummköpfe in meiner Abteilung!

Chefs haben es schwer. Sind sie doch meist die einzigen in ihrer Abteilung, die selbständig denken, Verantwortung übernehmen und zum Erfolg beitragen. Die Untergebenen sind weder mit Zuckerbrot noch mit der Peitsche zu motivieren. Werfen wir einen – ironischen – Blick auf die Unfähigkeit der meisten Mitarbeiter.

Ohne den Chef läuft nichts. Der Chef muss alles entscheiden, alles haarklein vorgeben, ständig kontrollieren und den Feuerwehrmann spielen, wenn die Mitarbeiter wieder einmal Mist gebaut haben. Nach 20 Jahren als Führungskraft ist er ausgebrannt und würde so gerne etwas kürzer treten, Verantwortung abgeben? Aber an wen? Auf die ganzen Dummköpfe in der Abteilung kann man sich einfach nicht verlassen. Es gibt da ein paar ganz gewaltige Defizite.

Kaum ist der Chef außer Haus, arbeitet niemand mehr etwas.
Es ist ja nicht so, als müssten sich die Mitarbeiter von der Anwesenheit des Chefs erholen. Ihnen fehlt einfach die Motivation. Sie denken nicht an den Unternehmenserfolg, nicht an ihre Karriere. Selbst der dezente Hinweis auf die unsicheren Arbeitsplätze bewirkt keine Einsicht. Ständige Überwachung ist die einzige Möglichkeit, sie zum Arbeiten zu bewegen.

Wenn der Chef nicht alles genau vorgibt, klappt einfach nichts.
Den Mitarbeitern muss man alles detailliert vorschreiben. Sie denken nicht selbständig und wollen keine Verantwortung für Aufgaben übernehmen. Zielvereinbarungen – kann man gerade vergessen. Das wird nichts. Und wenn der Chef mal Raum für eigene Lösungsansätze gibt, muss er garantiert die Ergebnisse komplett überarbeiten. Die Mitarbeiter verstehen einfach nicht, worauf es ankommt.

Die Mitarbeiter lernen nicht aus ihren Fehlern.
Obwohl der Chef jeden Fehler seiner Untergebenen analysiert und anspricht, wollen diese nicht daraus lernen. Weder das einmal im Jahr stattfindende Wochenendseminar zur Weiterqualifizierung noch die Mitarbeitergespräche ändern daran etwas.

Die Mitarbeiter bringen sich nicht ein.
Der Chef bittet ausdrücklich um Vorschläge zur Optimierung der Prozesse. In den monatlichen Meetings stellt er sich in einer Feedbackrunde der Kritik der Mitarbeiter. Doch es kommt fast nichts. Dabei betont der Chef laufend seine Bereitschaft, gute Ideen aufzunehmen und umzusetzen. Und wenn die Vorschläge – wie leider meistens – nicht realisierbar sind, nimmt sich der Chef gerne Zeit, die Gründe ausführlich zu erklären.

Wir könnten die Liste fortführen. Das eigentlich Schlimme daran ist, dass man da absolut nichts machen kann. Chefs ziehen das komplette Register der Erziehungsmethoden: von Abmahnung bis hin zu finanziellen Anreizen. Doch der Effekt ist höchstens kurzfristig. Danach fallen die Untergebenen wieder in ihre Lethargie zurück. Also haben sich die meisten Chefs irgendwann darauf verlegt, alles so zu machen wie immer. Verständlich. Mann möchte ja kein Dummkopf sein.

Ihr Sascha Frank

(Bild: istockphoto – sdominik)

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