Setzen, sechs! In interkultureller Kommunikation haben die Deutschen noch Nachholbedarf

Interkulturelle Kommunikation ist genauso schwierig wie der Begriff lang ist. Vor allem wir Deutschen regen uns gerne darüber auf, dass die anderen nicht sagen, was sie denken, zu viele Worte machen und um den heißen Brei herumreden. Dabei zeigt ein Blick von außen auf unsere Art zu kommunizieren, dass wir selbst noch genug zu lernen haben.

Wir Deutsche sind ja Weltmeister auf so gut wie allen Gebieten: Fußball, Reisen, Exportieren, Autos bauen und fahren, Sparen, Jammern. Und wir sind auch Weltmeister im effizienten Kommunizieren. Fast als einzige Nation überhaupt haben wir das Kunststück vollbracht, unsere Kommunikation von jedem unnötigen Schnickschnack zu befreien, immer direkt zum Punkt zu kommen und ohne Hemmungen jedem deutlich unsere Meinung zu sagen.

Mit dieser Leistung haben wir uns auch das gute Recht verdient, uns über alle aufzuregen, die noch nicht so weit sind: Über die Chinesen, die in Geschäftsverhandlungen „ja“ sagen, aber eigentlich „nein“ meinen. Über die Amerikaner, die unser Produkt in den höchsten Tönen loben, am nächsten Tag aber beim Konkurrenten bestellen. Über die Araber, die uns beim Geschäftsessen stundenlang mit Privatem vollquatschen.

Erzählungen über Geschäftskontakte ins Ausland sind gespickt mit Anekdoten dieser Art. Liebe Leute, wir sollten uns mal locker machen. Nicht allein deshalb, weil wir westliche Nationen langsam aber sicher unsere kulturelle Vormachtstellung in der Welt verlieren und uns darauf einstellen müssen, uns anzupassen. Die anderen kommunizieren nicht falsch, sie kommunizieren nur anders. In manchen Bereichen deutlich besser. Es ist nämlich recht unwahrscheinlich, dass wir vom Rest der Welt nichts lernen können.

In großen Teilen der Welt wäre es schlicht brüskierend, einen Vorschlag offen abzulehnen und als inakzeptabel zu erklären. In großen Teilen der Welt gebietet es die Höflichkeit, in den höchsten Tönen zu loben, ganz unabhängig von der eigenen Meinung. Und fast überall steht die persönliche Beziehung vor der geschäftlichen. In Deutschland muss man erstmal beweisen, dass man als erfolgreicher Geschäftspartner taugt, bevor eine freundschaftliche Bindung – wenn überhaupt – erst in Betracht gezogen wird. Spätestens nach dem dritten Satz zum Wetter oder zur Anreise empfinden wir Smalltalk als pure Zeitverschwendung. Von asiatischen Verbeugungsritualen ganz zu schweigen. Bei höchster Zufriedenheit ringen wir uns ein „gut“ oder „sehr interessant“ ab, (wir eingefleischten Schwaben bringen gerade noch ein „ned schlecht“ zustande) während wir uns beim Ausdruck unseres Missfallens dagegen wesentlich mehr Mühe geben. Wir nutzen ohne Nachdenken Formulierungen wie „Ich will…“, „Wir erwarten…“, „Sie müssen…“ – eine Direktheit, die selbst Schweizern die Gesichtszüge entgleisen lässt. Mal in aller Deutlichkeit gesagt: Eigentlich ist das keine Art, auf die man stolz sein kann oder die man als Maßstab für die ganze Welt anlegen sollte.

Eine Trainerin für interkulturelle Kommunikation berichtet von einer tschechischem Firma, in der es permanent Missverständnisse mit den deutschen Partnern gab. Sie coachte die Tschechen also dahingehend, direkter zu kommunizieren und klare Ansagen zu machen, wie es so schön heißt. Die Kommunikation klappte daraufhin zwar besser. Ein Mitarbeiter meinte jedoch, wenn er mit seiner Mutter auf diese Art redete, würde er eine Ohrfeige bekommen. Andere schließen bei Telefonaten mit Deutschland ihre Bürotüre, weil sie befürchten, dass mithörende Kollegen einen schlechten Eindruck von ihnen bekommen würden.

Klar, wir sind´s gewohnt, das fällt uns nicht auf. Es sollte uns allerdings schon ein wenig zu denken geben, wie unser Art zu reden außerhalb ankommt, bzw. nicht ankommt. Ein bisschen weniger German Engineering – Präzision und Effizienz – in der Kommunikation würde uns sicher guttun. Nicht nur im Umgang mit Ausländern, auch untereinander. Ein bisschen Nettigkeit und eine freundschaftliche, persönliche Ebene können so manches Problem entschärfen und unser eigenes (Geschäfts-)Leben etwas schöner und etwas weniger stressig machen. Und wenn wir uns ganz viel Mühe geben, schaffen wir es vielleicht zu einem Titel, bei dem wir bisher stets schon in der Vorrunde ausgeschieden sind: Weltmeister der Herzen.

Ihr Sascha Frank

Bild: Fotolia – studiostoks

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