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Warum Pep Guardiola keine Titel gewinnen will, sondern Herzen

Wenn Pep Guardiola ein gefühlskalter Ehrgeizling wäre, für den nur Erfolge zählen, würden ihm das wohl die wenigsten übel nehmen. Aber so ist er gar nicht. In einem Interview enthüllte er jüngst, dass ihn ganz andere, sentimentale Beweggründe antreiben. Zur Nachahmung empfohlen?

Pep Guardiola ist ein äußerst erfolgreicher Trainer, daran lässt sich nicht rütteln. Daran ändert auch das nicht gewonnene Triple der Bayern in der letzten Saison nichts. Wie muss man eigentlich sein, um so ein Trainer zu werden? Ein smarter Stratege, absoluter Perfektionist, charismatischer Menschenkenner, Taktikfuchs, Psychologe, Papa von 26 Kindern, nein, warte, ich meine Spielern?…? Alles Quatsch. Es braucht nur eins: Liebe!

Das hat Herr Guardiola kürzlich in einem Interview verraten. „Alles, was ich in meinem Leben tue, tue ich, um geliebt zu werden“, sagt er. Und auch seinen Spielern versuche er einfach das Gefühl zu vermitteln, dass er sie liebt. Jetzt habe ich ja erst kürzlich darüber geschrieben, dass Führungskräfte sich bis zu einem gewissen Grad anstrengen müssen, auch beliebt zu sein, mit Empathie und persönlichem Interesse Beziehungen zu Mitarbeitern aufzubauen. Dass mich Pep Guardiola nur wenig später so bestätigt, ehrt mich ja schon ein bisschen. 😉

Nun könnte man es auf sein spanisches Temperament schieben oder auf die Tatsache, dass das Interview auf einer Veranstaltung der Behinderten-Hilfsorganisation Ampans in Manresa bei Barcelona stattfand, wo ein wenig Menschlichkeit sicher gut ankam. Doch mal ehrlich, jemandem der so gut aussieht und immer so adrett angezogen ist (finden meine Kolleginnen auch!), dem muss man das einfach zu 100% abnehmen.

Es passt ganz gut ins Bild, dass sich Pep Guardiola sonst eher bedeckt hält, wenig Interviews und sich sehr verschlossen gibt, wenn es um sein Privatleben geht. Beim Thema Fußball muss er reden, aber auch da verklausuliert er gerne: er erzählt Geschichten, offenbart selten seine wahren Gedanken. Denn wer alles tut, um geliebt zu werden, macht sich verwundbar. Und Liebe ist nun wirklich nicht das, was ein Fußballtrainer so allgemein erwarten darf. Ausgenommen vielleicht, wenn er einem Traditionsklub seit einem Jahrzehnt die Treue gehalten hat oder kurzfristig im Siegestaumel nach dem Spiel, wenn der Abstieg geradeso nochmal abgewendet wurde.

Auch dem Bayerntrainer schlug in letzter Zeit so manches Mal nicht gerade Liebe entgegen. Respekt, ja. Vertrauen, ja. Verehrung, sowieso. Aber wer nur Liebe sucht, dem reicht das ja alles nicht. Bedeutungslos. „In meinem Leben und mit meiner Arbeit strebe ich in Wirklichkeit keine Titel an, ich suche Liebe, nichts mehr.“ Das kann ja fast nur tragisch enden. Erst recht, wenn alles unterhalb des Maximalziels (wir erinnern uns: das Triple) eigentlich inakzeptabel ist.

Trotzdem die Frage: Ist Geliebt-werden-wollen das Geheimrezept? Ich muss also nur liebesbedürftig genug sein und mir wird auch eine große Karriere beschieden sein? Zu dieser Schlussfolgerung will ich mich dann doch nicht hinreißen lassen. Denn wissen Sie was? Ich glaube, ein bisschen arbeitet er auch für Meistertitel, für Pokale, die er küssen darf, für am Ende der Saison im Konfetti-Regen stehen und die geliebte 3-Liter-Weizenbier-Dusche. Über den Kauf eines neuen Lieblingsspielers für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag freut er sich sicher wie ein kleines Kind. Und die Millionen, die mutmaßlich regelmäßig auf seinem Konto landen, trösten ihn sicher über die ein oder andere Lieblosigkeit hinweg. Ginge mir genauso. Und Ihnen?

Ihr Sascha Frank

 

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