Was hat Goethes Faust mit erfolgreichem Management zu tun?

Bücher erweitern unseren Horizont, regen unsere Fantasie an. Und seitdem Experten immer vor vollen Bücherregalen interviewt werden, wissen wir auch, dass Lesen unheimlich schlau macht. Man sollte doch meinen, dass sich unsere Manager das zunutze machen und besonders viel lesen. Weit gefehlt?

Wer lesen kann ist klar im Vorteil. Und wer ab und zu ein sinnvolles Buch liest, erst recht. Spätestens seit Goethe und Schiller gehört gute Literatur zum Must-Have des bildungsbürgerlichen Deutschen, zum kompletten Menschen. Steve Jobs sagt man nach, er sei eine richtige Leseratte gewesen, hätte insbesondere ein unerschöpfliches Interesse am englischen Dichter William Blake gehabt. Sicherlich wären seinem Hirn ohne diesen literarischen Input nur deutlich weniger geniale Funken entsprungen. Was uns wieder zum Ursprung dieses Artikels zurückführt: Lesen bildet. Lesen regt die Fantasie an, hilft den Charakter zu formen, fördert Selbstreflexion, erweitert den Horizont. Kurzum, Lesen macht einfach schlau. Ja, wir schließen sogar von der Auswahl der Lektüre auf die Persönlichkeit der Menschen. Anders ist es nicht zu erklären, dass in Bewerbungsgesprächen oft die Frage gestellt wird, welches Buch der Bewerber denn gerade angelesen auf dem Nachttisch liegen hat und was ihm denn besonders gut daran gefallen hat. Jetzt wollen wir uns einmal den gewitzten und unerschrockenen Bewerber vorstellen, der diese Frage unbeantwortet an den Personaler oder den Abteilungsleiter zurückgibt: „Welche Bücher haben SIE denn in letzter Zeit gelesen?“

Man möchte doch meinen, dass sich Führungskräfte und Manager nicht nur auf Zahlen und Fakten verstehen, sondern auch permanent an ihrer ganzheitlich humanistischen Bildung arbeiten. Dass sie lesen, sei es nun Näherliegendes wie Peter Drucker und Adam Smith, oder ob sie sich lieber in die Gefilde klassischer Dramen und Dichtungen begeben. Es muss ja nicht gleich der Nobelpreis für Literatur sein, wie 1953 bei Winston Churchill. Jedoch, wenn man der Statistik glaubt, wird peinliches Schweigen die wahrscheinlichste aller Reaktionen auf die Rückfrage des Bewerbers sein. In einer Führungskräftestudie von Egon Zehnder aus dem Jahr 2007 meinten nur 33% der befragten Manager in Deutschland, dass Lesen dazu geeignet sei, seinen Horizont zu erweitern und Tunnelblick zu vermeiden. Manager aus Frankreich, UK und USA waren übrigens deutlich häufiger dieser Ansicht. Soviel also zum Land der Dichter und Denker. Die Studie ist über acht Jahre alt, seither wird sich das Bild kaum verbessert haben. Lesen, das bedeutet für Manager heutzutage E-Mails, Memos, Tabellen, Geschäftsberichte, Angebote, Newsletter, Blogs, Whitepaper, ein paar Vorträge im Jahr und ein paar abonnierte Fachzeitschriften auf Firmenkosten. 60% der Befragten nannten „Gespräche mit interessanten Menschen“ als beste Methode, den Horizont zu erweitern. Dass sich die Menschen, die wir treffen, höchstwahrscheinlich in der gleichen Blase bewegen wie wir selbst, dürfte dabei nicht immer hilfreich sein.

Könnten Sie dem Bewerber guten Gewissens von Ihrer Bettlektüre erzählen? Nein. Dann los, ab zu Amazon oder in die Stadtbibliothek. Sonst wird kein Steve Jobs aus Ihnen. Aber womit anfangen? Nahezu völlig egal. Hauptsache, es hat nichts mit Ihrem aktuellen Arbeitsgebiet zu tun. Ich verspreche Ihnen, Sie werden ganz neue Welten entdecken. Wussten Sie zum Beispiel, dass sogar Goethes Faust als Business-Ratgeber taugt? Mit nur wenigen Zitaten aus dem Klassiker lernen Sie Ihren Arbeitsalltag ganz neu verstehen: Warum sich Ihre Mitarbeiter Ihnen gegenüber so merkwürdig verhalten („Von Zeit zu Zeit seh´ich den Alten gern und hüte mich, mit ihm zu brechen.“), warum Meetings meist eher suboptimal verlaufen („Da steh’ ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor!“), was von Zielvereinbarungen zu halten ist („Die Botschaft hör´ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“) und warum einfach nichts voran geht („Es irrt der Mensch, solang er strebt.“). Ist doch interessanter als so ein Quartalsbericht, nicht?

Ihr Sascha Frank

Bild: Fotolia – ah_fotobox

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