5 Euro ins Phrasenschwein

Wenn man eigentlich keine Lust auf ein Gespräch hat oder eine unangenehme Pause entsteht, müssen sie als Lückenbüßer herhalten: die Phrasen. Speziell im Jargon großer Unternehmen findet sich ein ganzes Bündel an deutschen und englischen Redewendungen, die in jeder Situation gedankenlos angebracht werden. Die Folge: lange Reden, kurzer oder gar kein Sinn. Ein Appell für das Schweigen.

Eigentlich fällt mir zur aktuellen Kolumne gar nichts ein, was ich schreiben könnte. Aber was muss, das muss halt. Das Leben ist kein Ponyhof, ich muss da jetzt ran. Auch wenn es zum Mäusemelken ist. Weil der frühe Vogel den Wurm fängt, setze ich mich gleich morgens an diese Kolumne. Wäre ja schlimm, wenn dieses Blatt am Ende des Tages immer noch leer wäre. Wobei, doch, da kommt mir eine Idee für ein Thema: Gedankenlos daher gesagte Phrasen und Redewendungen, die eigentlich nur Pausen mit peinlichem Schweigen verhindern sollen. Obwohl wir eigentlich gar nichts zu sagen haben. Wie komme ich da jetzt bloß so spontan drauf?

Kennen Sie solche Phrasendrescher auch? Oder sind Sie gar selbst einer? Eine Phrase kommt selten allein und am allerliebsten scheinen sie sich unter Mitarbeitern von Konzernen auszubreiten. Schon nach wenigen Monaten hat sich ein unverdorbener Berufseinsteiger zum nichtssagenden Wortakrobaten entwickelt, der den Firmenjargon perfekt beherrscht. Am populärsten sind Phrasen, die dem Redner durch Zugabe von Anglizismen höchste Fachkenntnis attestieren: „Am Jour fixe müssen wir die Bullet Points auf unserem Factsheet ganz neu clustern und alle im Team darauf comitten. Das wird die Challenge sein. Seid ihr d´accord?“

Nein, liebe Leser, das ist kein Appell zur Rettung der deutschen Sprache. Ich als Recruiter (Rekrutierer) und Consultant (Berater) kann hier wahrlich nicht den Zeigefinger erheben. Das ist ein Appell, den ich mit den Worten des Kabarettisten Dieter Nuhr formulieren will: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal…“, Sie wissen schon. Erweitern möchte ich die Empfehlung um den Halbsatz „…oder wenn man nichts zu sagen hat…“. Anglizismen kriegen wir nicht mehr aus der deutschen Sprache weg. Es geht mir vielmehr darum, dass eine ganze Menge Leute viel reden und nichts sagen. Dass man gedankenlos mit Wörtern und Redewendungen um sich wirft, ohne sich je genau über deren Bedeutung im Klaren zu sein.

Genauso nervig wie die zwanghaft Denglischen sind nämlich die, die in jeder Situation ein traditionell deutsches Sprichwort anbringen können. Und man fragt sich jedes Mal: Was wollte der eigentlich damit sagen? Besonders prädestiniert für Phrasendrescherei sind Situationen, in denen sich zwei Bekannte treffen, die sich eigentlich nichts zu sagen haben, aber die Höflichkeit es gebietet, ein Gespräch anzufangen. Sobald das Wetter nichts mehr hergibt, werden Plattitüden ausgetauscht.

Deshalb fordere ich hiermit zu mehr Mut zum Schweigen auf! Nicht jede Gesprächslücke muss gefüllt werden. Man kann auch am Kaffee nippen, auf seinen Zeichenblock kritzeln oder aus dem Fenster starren. Hat man sich erst einmal daran gewöhnt ist das wesentlich entspannter als verkrampfte nichtssagende Dialoge. Aber was macht man mit den angewöhnten Phrasen, mit dem Firmenjargon und den überflüssigen Anglizismen? Schwierig. Vielleicht können wir dieses Problem nur über den Geldbeutel der Menschen lösen. Für jede überflüssige Phrase werden 5 Euro ins Phrasenschwein fällig. Vom Geld kauft die Abteilung dann am Jahresende den neuen Duden oder sie spendet an die Gesellschaft zur Rettung der deutschen Sprache. Ende gut, alles gut.

Ihr Sascha Frank

(Bild: fotolia – eyewave)

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