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Aldi Süd lässt seine Kunden kostenlos Strom tanken und macht vor, wie Kundenbindung geht

Bunte, hochglänzende Image-Kampagnen sind die Sache von Aldi nicht. Stattdessen hat der Lebensmitteldiscounter jetzt eine Initiative vorgestellt, die ihm wesentlich mehr Aufmerksamkeit und gleichzeitig treue Kunden bescheren dürfte. An 50 Filialen von Aldi Süd können E-Autofahrer ihre Batterien kostenlos aufladen – einfach so.

Wenn der Discounter Aldi bisher für irgendwas bekannt war, dann dafür, immer der Billigste sein zu wollen und zu diesem Zweck auf jede noch so kleine Extrawurst zu verzichten. Ein Ladengeschäft, Parkplätze, ein Pfandautomat und ein paar Prospekte. Das war’s. Bisher. Und jetzt das.

Aldi Süd baut vor 50 Filialen Ladesäulen auf, an denen sich die Ökotrendsetter unter den Kunden kostenlos die Batterien ihrer Elektroautos füllen können. (Quelle) Ich wiederhole nochmal die wichtigsten Wörter: Aldi, Elektroautos, kostenlos. Im Klartext heißt das, Aldi gibt einen Haufen Geld (nämlich 2,2 Millionen Euro) aus, um damit einem noch verschwindend geringen Anteil der deutschen Bevölkerung etwas zu schenken. Was ist denn bitteschön hier los?

Dass Aldi unter die Altruisten gegangen ist und nur einen Beitrag zur Weltverbesserung leisten will, wäre zu weit hergeholt. Denn die Initiative macht für Aldi durchaus Sinn. Warum? So viel positive mediale Aufmerksamkeit und Imagewerbung hat Aldi lange nicht bekommen. Während der Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos in Deutschland stockt, präsentiert sich Aldi als Macher und Innovator. Und sie machen das richtig gut. Die Ladesäulen bieten alle marktüblichen Anschlüsse und die Kunden müssen sich weder registrieren noch identifizieren. Einfach einstöpseln und maximal eine Stunde lang Strom ziehen. Wer schon mal mit einem E-Auto unterwegs war weiß, wie schwierig die Systeme anderer Anbieter dagegen oftmals sind.

Aldi Süd wird in Zukunft garantiert zur ersten Einkaufsadresse für E-Auto-Besitzer. Zwar gibt es von diesen erst wenige, mehr werden es auf jeden Fall. Nichts fürs Tanken zahlen und die Zeit während des Einkaufs ausnutzen, wenn der Wagen sowieso steht, das sind gewichtige Argumente zur Kundenbindung. Gerade in Zeiten, wo die Verbraucher für Qualität und Produktionsbedingungen von Lebensmitteln sensibilisiert sind und der Preis als USP allein nicht mehr funktioniert.

Während Aldi bisher eher als Beispiel für die Ausbeutung von Mitarbeitern und Lieferanten herhalten musste, katapultiert sich der Discounter mit seinen Plänen nun in die Best-Practice-Broschüren des Zukunftsthemas Elektromobilität. Gut, Aldi wird zwar nicht auf einen Schlag megahip, aber auf jeden Fall hipper als bisher. Und auch Sie haben etwas davon: Vielleicht bald kostenlose Batterieladungen, aber jetzt schon wertvolle Learnings:

Erstens: Wenn Sie auffallen wollen, müssen Sie schon etwas tun, was vor Ihnen noch keiner getan hat und was von Ihnen auch niemand erwarten würde. Etwas, wofür man sie als verrückt bezeichnen könnte.

Zweitens: Legen Sie die Hemmschwelle für Ihre Angebote so niedrig wie möglich. Keine technischen Hürden, keine komplizierten Zahlungsverfahren, kein Kleingedrucktes, keine lange Vertragsbindung.

Drittens: Nicht jeder hat super innovative Produkte. Wenn Ihr Angebot austauschbar ist, lässt sich da leider oft nichts auf die Schnelle ändern. Statt Preiskämpfe auszufechten entwickeln Sie lieber gute Argumente, warum Ihre Kunden trotzdem nur bei Ihnen kaufen sollten.

Übrigens, noch etwas: Auf immer mehr Aldi-Filialen sind Fotovoltaik-Anlagen installiert; der Strom für die Ladesäulen kostet also (fast) nichts, was das Verschenken natürlich ungemein erleichtert. Aldi bleibt sich auch in dieser Sache treu.

Ihr Sascha Frank

 

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