Allein unter Männern

Trotz jahrelanger Bemühungen um Gleichstellung und trotz Fachkräftemangel gibt es in Top-Positionen großer IT-Unternehmen kaum Frauen. Wenn Sie es doch bis dahin geschafft haben, verdienen sie rund ein Viertel weniger als ihre männlichen Kollegen. Hauptgrund ist eine immer noch rein männlich geprägte, starre Kultur.

Gäbe es eine Liste bedrohter Menschenarten, weibliche CEOs würden wohl mit ganz oben stehen. Zwar wird in der Presse immer wieder groß über die Einsetzung eines weiblichen Top-Managers berichtet. Manchmal ist der Ton so überschwänglich, dass sich der Eindruck geradezu aufdrängt, hier wolle ein Vertreter der Männerdomäne sein Gewissen beruhigen: Schaut her, wie weltoffen und tolerant wir doch sind! Trotz einzelner Positivbeispiele und einer ständig steigenden Frauenquote, sieht es in der Breite und in absoluten Zahlen jedoch düster aus.

Das ist nicht nur eine Frage der Emanzipation, sondern kostet die Wirtschaft richtig Geld. IT-Unternehmen suchen händeringend nach Fachkräften und vergraulen gleichzeitig top ausgebildete Kandidatinnen. IT-Unternehmen stehen unter ständigem Innovationsdruck, unterbinden durch ihre starren Strukturen aber alles, was frischen Wind ins Unternehmen bringen könnte. Und Frauen können das. Vor allem Konzerne erkranken oftmals an intoleranten Kulturen, wohingegen im Mittelstand die Chancen für weibliche Führungskräfte um einiges besser sind.

AGG-Gesetz und ambitionierte Unternehmensleitbilder? Geschenkt. Es ist ja nicht so, dass Frauen offiziell benachteiligt werden. Die vorherrschenden Kulturen machen es ihnen schlicht unmöglich, sich auf ihre Weise zu entfalten. Oftmals sind es antiquierte Rollenbilder: Frauen ohne Kinder sind potenzielle Mütter. Schwangere Frauen sind quasi „krank“. Frauen mit Kindern müssen sich um die Familie kümmern. Nach diesen Ansichten zu urteilen, ist die perfekte weibliche Führungskraft also ledig und zwischen 18 und 25 oder über 50, die Kinder aus dem Haus. Zwanzig Jahre Führungserfahrung gehören natürlich trotzdem dazu. Aha.

Man mag Frauen ja vorwerfen, dass sie sich nicht gut genug vernetzen, um gegen die männlichen Seilschaften anzukommen. Aber mal ehrlich: Hätten Sie Lust, permanent gegen eine Übermacht aus grauhaarigen Anzugträgern in anthrazit anzukämpfen? Sich entweder als zu weich oder als Mannsweib schimpfen zu lassen, je nachdem wie man sich gibt? So ist es auch zu erklären, dass weibliche Führungskräfte häufig nach einigen Jahren kündigen – viele Mitte dreißig – und dahin gehen, wo man sie schätzt. Selbst wenn das auf der Karriereleiter einen Rückschritt bedeutet.

In der Gefahr mich zu wiederholen: Das ist äußerst dumm. Menschlich, aber auch rein wirtschaftlich gesehen. Wir kennen alle die zukünftige demographische Entwicklung in Deutschland, Fachkräfte wachsen auch in Zukunft nicht an den Bäumen. Es gibt einige Initiativen, die mehr Frauen in die Ingenieur-Berufe und in Führungspositionen bringen sollen. Eine davon ist Komm, mach MINT, der sich auch zahlreiche Konzerne angeschlossen haben. Eine Charta wurde schon auf der CeBit 2009 unterzeichnet. Hoffen wir, dass Taten folgen.

Ihr Sascha Frank

(Bild: istockphoto – olandesina)

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