Angst fördert die Karriere

Angst ist ein natürliches Signal unseres Gehirns, um uns vor Gefahren und negativen Folgen unseres Handelns zu warnen. Richtig dosiert und kanalisiert macht uns Angst sogar erfolgreich. Unbegründete Ängste im Alltag, vor allem im Bereich sozialer Beziehungen, sind dagegen hinderlich. Doch wer sich seines Problems bewusst ist, kann gut damit umgehen.

Haben Sie Angst, Ihren Arbeitsplatz zu verlieren, krank zu werden, ein wichtiges Projekt in den Sand zu setzen, eine Präsentation vor Publikum zu halten? Macht nix. Das ist normal. Das Angstsystem ist der Gegenpart zum Belohnungssystem und sorgt dafür, dass wir auf dem Boden bleiben und uns in Stresssituationen oder bei wichtigen Aufgaben anstrengen. Oder auch bestimmten Situationen ausweichen. Erfolgserlebnisse und damit verbundene Endorphin-Ausschüttungen sind toll, doch ist jedem klar, dass ein permanenter Höhenflug nicht lange gutgehen würde. Übermut kommt ja bekanntlich vor dem Fall.

Angst fördert die Karriere. Wenn nicht die Gefahr bestünde, den Job zu verlieren oder sozial abzusteigen, würden sich wohl die wenigsten richtig reinhängen. Je besser wir unsere Ängste in Tatkraft umsetzen, desto mehr werden sie uns motivieren. Dieser Mechanismus funktioniert nicht mehr, wenn Ängste unbegründet und krankhaft werden. Laut einer Studie der Uni Köln leiden 7% der Menschen an einer so genannten sozialen Phobie. Sie haben panische Angst davor, Fehler zu machen, kritisiert zu werden oder an anderen Kritik zu üben. Sie halten sich für nutzlos bzw. wertlos. Betroffene leben unter ständigem Stress. Sie versuchen ihre (gefühlte) Unzulänglichkeit wettzumachen, indem sie mehr arbeiten und alles perfekt machen wollen. Bis hin zum Burn-Out.

Es muss nicht immer ganz so schlimm sein. Oftmals beschränken sich Ängste auf gewisse Bereiche, in denen wir schlechte Erfahrungen gemacht haben oder zu hohe Erwartungen an uns stellen. Dagegen lässt sich etwas unternehmen. Zuerst muss man sich allerdings bewusst werden, dass gewisse Ängste „nicht normal“ sind. Diese Erkenntnis hört sich einfacher an, als sie ist. Ein großer Schritt in die richtige Richtung ist, mit einer Vertrauensperson über die Angst zu sprechen. Anschließend kann man folgendes tun, um seine Ängste in die richtigen Bahnen zu lenken:

  • Feedback einholen: Meist schätzen einen die anderen viel besser ein, als man sich selbst beurteilt.
  • Übung bekommen: Sich bewusst in Situationen begeben, vor denen man Angst hat. Mit der Zeit gewinnt man Sicherheit und die Situationen verlieren ihren Schrecken.
  • Realistisch bleiben: Keine unfairen Vergleiche mit anderen anstellen. Niemand erwartet von Anfängern das Gleiche wie von Routiniers.

Bekämpfen Sie Ihre Ängste auf keinen Fall mit Alkohol oder Medikamenten. Selbst wenn Sie dadurch gewisse Situationen überstehen können, stellt sich kein Lerneffekt ein. Die Ängste bleiben. Zum Schluss noch eine sehr gute Nachricht: Etwa ab dem 30. Lebensjahr werden Ängste meist langsam schwächer. Lebenserfahrung und viele bereits durchlebte Angstsituationen machen sicherer. Falls also jemand zu Ihnen „Du alter Angsthase“ sagen sollte: Nehmen Sie´s als Kompliment!

Ihr Sascha Frank

(Bild: istockphoto – tioloco)

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