Aufgeputscht: Doping in der Arbeitswelt

Wenn der Leistungsdruck zunimmt, greifen immer mehr Berufstätige zu Suchtmitteln und Medikamenten. Während sich die einen künstlich aufputschen, können die anderen nur unter Einfluss von Beruhigungs- und Schlafmitteln abschalten. Wer davon betroffen ist, muss wieder lernen auf die Signale seines Körpers zu hören und auf die eigene Person Rücksicht zu nehmen. Nur dann wird er dem Teufelskreis entkommen können.

Morgens mehrere Tassen Kaffee, zum Mittagessen ein Bier, nachmittags wieder Kaffee und abends zur Entspannung ein paar Drinks mit Freunden. Gegen gelegentliche Kopfschmerzen gibt es Tabletten und auch sonst sind bei Beschwerden schnell Medikamente zur Hand. Das hört sich alles ganz normal an. Doch wenn wir ehrlich sind, ist der beschriebene Tagesablauf nur so von Suchtmitteln geprägt. Schlimm wird es dann, wenn man nicht mehr anders kann.

Der moderne Top-Manager muss 16 Stunden am Tag fit sein, 6 Tage die Woche, morgens bis abends. Er muss flexibel sein, Stärke zeigen, Mitarbeiter führen, herumreisen und immer gut aussehen. Auf Dauer hält das niemand durch. Und so flüchten sich die Betroffenen oftmals in die Sucht. Neben Alkohol und Medikamenten ist auch Kokain auf dem Vormarsch, gerade bei den Besserverdienenden.

Die Studie Gesundheitsreport 2009 der DAK widmet sich unter anderem dem Thema „Doping am Arbeitsplatz“. Rund 3.000 Arbeitnehmer zwischen 20 und 50 Jahren wurden dafür befragt. Geschätzte 1,4 bis 1,9 Mio. Menschen in Deutschland sind medikamentenabhängig, davon 1 Mio. von Schlaf- und Beruhigungsmitteln. Letztere sind vor allem für Frauen von Interesse, während Männer meist zu leistungs- und konzentrationsfördernden Mitteln greifen. Neuro-Enhancement heißt das auf Neudeutsch. Ritalin ist eines der bekannteren Medikamente. Ursprünglich wurden „hyperaktive“ Kinder damit ruhiggestellt, mittlerweile wird es gezielt zur Leistungssteigerung eingenommen. Laut DAK-Studie putschen sich immerhin 400.000 bis 800.000 Berufstätige künstlich auf.

Müssen sie jetzt an Radsport, Leichtathletik & Co. denken? Das liegt nahe. Wie im Sport nimmt auch im Beruf der Druck zu perfekt zu sein und laufend Rekorde zu brechen. Im Beruf brauchen Sie zwar keine Angst vor einer offiziellen Dopingsperre zu haben, doch Ihren Körper können Sie nicht umgehen. Der zeigt Ihnen, wann die natürliche Dopingsperre erreicht ist. Es ist ein Gesetz, dass sich der Körper früher oder später alles zurückholt, was ihm verwehrt wurde. Wenn er sich zu viel auf einmal zurückholen muss, kann das tödlich enden.

So weit muss es nicht kommen. Wir reden hier zwar über ein gesellschaftliches Problem, aber jeder kann zumindest auf sich selbst achten. Hören Sie auf Ihre Körpersignale, gönnen Sie sich genügend Ruhe, Freizeit, Bewegung und gesunde Ernährung. Bei psychischen Problemen kann eine Therapie helfen. Wenn Ihr Job Sie auffrisst, dann wechseln Sie ihn. Und wenn Sie Führungskraft sind, achten Sie außer auf sich selbst bitte auch auf Ihre Mitarbeiter. Freuen Sie sich nicht, wenn diese buchstäblich ihr Leben für die Firma geben. Soweit es in Ihrer Macht liegt, sorgen Sie für „Druckausgleich“ und für ein menschenwürdiges Arbeitsklima.

Ihr Sascha Frank

(Bild: istockphoto – blueclue)

Diese Artikel gefallen Ihnen sicher auch