Bissige Chefinnen und zischende Chefs

Gleichberechtigung ist im Gesetz verankert. Studien ergeben regelmäßig, dass Teams aus Männern und Frauen erfolgreicher arbeiten und höhere Gewinne erzielen. Wie kommt es dann, dass die Führungsetagen deutscher Konzerne nur zu 4% weiblich sind? Und woher sollen auf einmal die vielen neuen Top-Frauen kommen? Knackpunkt ist nach wie vor die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Da haben wir nun seit Jahren eine deutsche Regierungschefin und noch immer ergeben Statistiken: je höher die Position, desto weniger Frau. In Unternehmen sind es weiterhin vor allem Männer, die Geschäfte und Karrieren unter sich ausmachen. Von den zehn größten deutschen Konzernen haben nur zwei weibliche Vorstandsmitglieder. Führungsstile und Aufstiegsrituale sind von Männern für Männer bestimmt. Nach oben kommt das Alphatier, das sich selbst vermarktet, das kämpferisch und stets präsent ist – nicht unbedingt die Kerndisziplinen von Frauen.

Lautet die Konsequenz: aus Frauen die besseren Männer machen? Wohl kaum! Denn es bringt Vorteile mit sich, wenn Produkte und Dienstleistungen von denen mitgestaltet werden, die auch im privaten Haushalt Investitionen beeinflussen: Nicht nur bei Kleidung und Seife auch beim Bausparen oder dem neuem Auto redet „sie“ mit. Weltweit werden heute 80% der Konsumentscheidungen von Frauen getroffen. Gut für den, der weiß wie seine Zielgruppe tickt. Außerdem arbeiten gemischte Teams nachweislich erfolgreicher, kalkulieren Risiken besser und erzielen höhere Gewinne.

Doch wie finden sich ambitionierte Managerinnen und Arbeitgeber, die ernsthaftes Interesse am Wandel hin zu mehr Weiblichkeit haben? Schließlich lassen sich geeignete Kandidatinnen für die erste und zweite Führungsebene nicht aus dem Hut zaubern. Auch bei unserer Arbeit stellen wir fest: Je höher die Positionen, desto weniger Bewerberinnen bekommen wir. Sollten unsere Mandanten demnächst auf einmal mehr weibliche Kandidaten fordern, würden wir vor einem großen Problem stehen. Mal ganz davon abgesehen, dass sicher keine selbstbewusste Kandidatin Lust hätte, für unsere Mandanten die Quotenfrau zu spielen.

Thematisieren Sie doch mal in Ihrem Unternehmen „Superfrauen versus Rabenmütter“. Ist es allen Mitarbeitern – also Frauen und Männern – möglich, Familie und Karriere stressfrei zu koordinieren? Wie lassen sich Prozesse gestalten, bei denen Töchterlein und Sohnemann mittags vom Kindergarten abgeholt werden können? Könnten Konzeptionen und Korrespondenz nicht genauso gut (oder gar besser) am Abend erledigt werden, wenn das Kind selig schläft? Ob Teilzeitmodelle, Jobsharing, ein unternehmenseigener Kindergarten oder doch der bis ein Jahr nach der Geburt gesicherte Arbeitsplatz geeignete Mittel sind, sollten Sie zusammen mit Ihren Mitarbeitern herausfinden. Vielleicht findet dabei ja auch manch männlicher Mitarbeiter heraus, dass er gar nicht der Hauptverdiener der Familie sein muss und lieber die Männerquote in der Kindererziehung erhöhen will. Ja, warum eigentlich nicht?

Es kann also nicht darum gehen, Männer schlicht durch Frauen zu ersetzen. Es geht darum, ein sinnvolles Miteinander zu ermöglichen bei dem jeder seine individuellen Stärken einsetzen kann, sich beide Seiten wohlfühlen und ergänzen können. Dazu gehört auch, Vorurteile aufzudecken und aufzulösen. Ein Miteinander, bei dem Frauen sich an Männern reiben und andersherum – da kommt eben das Beste dabei heraus: Dynamik!

Ihr Sascha Frank

(Bild: fotolia – ArTo)

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