Born to be Chef?

Persönlichkeitsstrukturen gehen oftmals auf die Kindheit zurück. Das älteste von mehreren Kindern lernt früh Verantwortung für die anderen zu übernehmen. Jüngere Geschwister müssen sich dagegen erst einen Platz in der Familie suchen, flexibler sein. Diese Rollen spiegeln sich oft im Berufsleben wider. Überbewerten sollte man die Kindheitserfahrungen aber nicht.

„Du bekommst jetzt ein neues Geschwisterchen. Jetzt bist du der/die Große, musst vernünftig sein und dich gut um dein Geschwisterchen kümmern.“ Na, kennen Sie das? Höchstwahrscheinlich ja, wenn Sie das älteste von mehreren Kindern sind oder selbst mehrere Kinder haben. Feste Rollenbilder gibt es nicht nur im Leben von Erwachsenen, schon Kinder werden stark durch die Erwartungen ihres Umfeldes geprägt. So stark, dass sie erlernte Verhaltensmuster ihr ganzes Leben beibehalten.

Der/die Erstgeborene hat die Eltern erst einmal für sich allein, gewöhnt sich an die ungeteilte Aufmerksamkeit. Das erste Kind ist der Mittelpunkt der Familie und wird meist von überängstlichen Eltern liebevoll umsorgt. Kommt weiterer Nachwuchs, ändert sich die Situation von einem Tag auf den anderen. Das Große muss die Kindrolle ablegen und fortan pflichtbewusst sein, damit sich die Eltern um das Geschwisterchen kümmern können. Ab einem gewissen Alter sollen die Großen dann auf die Kleinen aufpassen, Verantwortung übernehmen. Die geringere Fürsorge kompensieren Eltern gerne mit größeren Privilegien – länger aufbleiben, alleine weggehen, mehr Taschengeld. Geschwisterforscher (ja, gibt es wirklich) sehen in diesem Rollenbild den Grund dafür, dass Erstgeborene im Beruf eher einflussreiche Führungspositionen anstreben, sich gut durchsetzen können und Wert auf gewissen Status legen.

Mittlere Kinder erleben ihre Eltern wesentlich entspannter, müssen sich aber ihren Platz in der Familie erkämpfen, sozusagen eine Nische suchen. Viele Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale sind ja bereits durch das große Geschwister belegt. Außerdem sind sie eher ausgleichend und sichern sich nach allen Seiten ab, spielen den Moderator. Die Jüngsten müssen noch anpassungsfähiger sein und orientieren sich an den anderen Familienmitgliedern. Allerdings ist die Erwartungshaltung der Eltern an sie meist niedrig, sie können sich ausprobieren. Später geborene streben daher gerne kreative oder wissenschaftliche Positionen im Beruf an, Einfluss und Status ist ihnen nicht so wichtig. Sie legen den Schwerpunkt eher auf Akzeptanz in ihrem Umfeld.

Allerdings ist die Geschwisterforschung nicht dafür geeignet bei der Beurteilung von Menschen eins zu eins Rückschlüsse zu ziehen – beispielsweise zur Bewerberauswahl. Jeder Einzelfall liegt anders. Ebenso sollten Sie sich nicht davon abhalten, Herausforderungen anzunehmen, nur weil Sie scheinbar durch Ihre Kindheitserfahrungen nicht prädestiniert sind. Auch Eltern sollten vorsichtig sein, wenn es darum geht, Kinder in bestimmte Rollen zu drängen, um sie auf Karriere zu trimmen (siehe Coaching Zone #27).

Doch zur Selbstanalyse sei ein solcher Rückblick sehr hilfreich, sagen Psychologen. Machen Sie doch einmal zum Spaß den Selbsttest: Vergleichen Sie Ihre heutigen Verhaltensmuster mit Ihrer Situation in Ihrer Kindheit. Vielleicht entdecken Sie ja Parallelen, die Ihnen zu ganz neuen Erkenntnissen verhelfen.

Ihr Sascha Frank

(Bild: fotolia – Nicole Effinger)

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