Braindrain mit Migrationshintergrund

Nicht die Einwanderung ist unser Problem, das Gegenteil ist der Fall. Seit über 15 Jahren wandern mehr Menschen aus Deutschland aus als ein. Die meisten davon sind bestens ausgebildet, qualifiziert und leistungsbereit, sehen hier aber keine Zukunft oder werden regelrecht aus unserem Land hinausgeworfen. Unsere globalen Wettbewerber nehmen die verschmähten Talente dankbar an.

Seit 1. Mai sieht sich Deutschland einer neuen Bedrohung gegenüber. Die Arbeitnehmerfreizügigkeit wurde auf einige Ostländer erweitert und bald werden Millionen von polnischen Fliesenlegern und tschechischen Krankenpflegern über uns hereinbrechen. Die Löhne in den gering qualifizierten Jobs werden weiter sinken… naja, Sie kennen selbst diese Plattitüden. Die wahre Bedrohung für unseren Standort dagegen gibt es schon länger, sie hat keinen Stichtag und wird in der Allgemeinheit auch nicht wahrgenommen: Die Abwanderung von gut ausgebildeten Arbeitskräften. Braindrain mit Migrationshintergrund quasi.

Auch wenn dies gerne verleugnet wird, es ist Fakt. Der Sachverständigenrat der deutschen Stiftungen für Integration und Migration (SVR) hat am 13.04.2011 sein Jahresgutachten „Migrationsland 2011“ herausgebracht. Deutliches Ergebnis: Seit über 15 Jahren wandern mehr Deutsche aus als ins Land zurück kommen. Es sind vor allem hoch Qualifizierte im besten Erwerbsalter, die Deutschland verlassen. Mehr als 75% sind 18 bis 65 Jahre alt. Über 50% der deutschen Abwanderer liegen mit 25 bis 50 Jahren sogar im Kernbereich ihrer Erwerbszeit. Vieles spricht dafür, dass diese 180.000 Menschen gut qualifiziert, flexibel, risiko- und leistungsbereit sind – aber eben nicht mehr bei uns.

Wir rühmen uns gerne unseres guten Bildungssystems und unseres hohen Ausbildungsniveaus in der Breite. Nützen tut uns das wenig, wenn sich die Studienabgänger artig für ihren Abschluss bedanken und dann eine gut dotierte Stelle im Ausland annehmen. Wir helfen sogar per Gesetz noch nach: Studenten von außerhalb der EU müssen ein Jahr nach Studienabschluss das Land verlassen. Egal, wie qualifiziert und wie motiviert sie sind. Egal, wie dringend ein deutsches Unternehmen diese Menschen brauchen könnte. Im Gegenzug machen wir es bereits ausgebildeten EU-Ausländern fast unmöglich, bei uns zu arbeiten. Wir erkennen ihre Abschlüsse nicht an, gängeln sie mit Bürokratie und verweigern die langfristige Anerkennung. Steckt da irgendeine Logik, irgendein ökonomischer Sinn dahinter?

Die Konkurrenz im weltweiten Wettbewerb weiß dieses exzellente Personalangebot zu schätzen und nimmt unsere verschmähten Talente gerne an. Deutschland liegt nach China, den USA und Indien auf Rang vier der Talentschmieden der Zukunft, so die Einschätzung von 1.200 weltweit durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young befragten Führungskräften. Schön wäre, wenn auch ein paar dieser Talente der Zukunft hier bei uns blieben. Natürlich verlieren in einer globalisierten Welt Landesgrenzen auch für Arbeitssuchende immer mehr an Bedeutung. Eine dauerhafte Netto-Abwanderung von guten Leuten kann sich jedoch kein Land leisten, schon gar nicht Deutschland. Unser wichtigster Rohstoff – Knowhow – droht auszugehen, und Nachschub durch Zuwanderung ist nicht in Sicht. Es muss dringend etwas passieren!

Ihr Sascha Frank

(Bild: istockphoto -PeskyMonkey)

Diese Artikel gefallen Ihnen sicher auch