Swarm statt storm: Warum Brainstorming keine guten Ideen hervorbringt

Wenn Sie die Stimmung in Ihrer Abteilung Richtung Nullpunkt senken möchten, gibt es eine sichere Methode: Setzen Sie ein Brainstorming-Meeting an. Pferchen Sie ein Dutzend gelangweilte, eingeschüchterte und profilierungssüchtige Kollegen in einen Raum und befehlen Sie Ihnen, jetzt sofort kreativ zu sein und eine Idee nach der anderen rauszuhauen…da geht was, oder?

Brainstorming klingt vom Namen und vom Konzept her gut, aber ist es wirklich effektiv? Die Erfahrung lehrt etwas anderes. Eine unternehmerische Erfolgsgeschichte, die mit dem Satz beginnt: „Zuerst haben wir ein Brainstorming gemacht…“, habe ich noch nie gehört. Wir kennen Geistesblitze beim Waldspaziergang, im Schlaf, auf dem Klo, versunken in ein Buch oder ein Laborexperiment… eher weniger in einem Meetingraum. Studien und selbst der gesunde Menschenverstand sagen: Wir sind origineller und kreativer, wenn wir alleine oder in kleinen Gruppe nachdenken. Da sind wir einfach freier.

Brainstormings schaffen eine künstliche Situation. Die einen fühlen sich unter Druck gesetzt, kriegen den Mund, aus Angst „was Dummes“ zu sagen, nicht auf. Die anderen wiederum ergreifen die Gelegenheit, endlich mal wieder allen zu zeigen, was für schlaue Kerlchen sie doch sind. Brainstorming beruht auf der Vorgabe, dass Ideen zunächst nicht bewertet oder kritisiert werden. Sofern die Regel überhaupt eingehalten wird, führt sie jedoch meist dazu, dass jeder noch so abstruse Einfall, jedes als Idee getarnte Störfeuer ernst genommen werden muss. Ich kann mich an kaum ein Brainstorming erinnern, das nicht in einer Diskussion und einer Vertagung – „Da müssen wir nochmal drüber reden“ – geendet hat.

Die zweite Schwäche des Brainstormings ist, dass das Ziel meist sehr hoch hängt und wenig konkret formuliert ist. „Wir wollen ein neues Produkt entwickeln“ oder „Wir brauchen eine Lösung für dieses Problem“ sind Vorgaben, die eine strukturierte und analytische Herangehensweise benötigen, die meist nur in vielen kleinen, iterativen Schritten zu meistern sind. Große Probleme kommen uns unlösbar vor, solange wir sie als Ganzes betrachten. Aufgeteilt in viele Teilproblemchen sehen wir auf einmal einen Lösungsweg vor uns, der vielleicht ganz simpel ist. Beim Brainstorming sollen wir aber auf einmal den großen Wurf landen, aus dem Nichts, dem Bauch heraus. Das kann nicht klappen.

Was ist die Alternative? Es muss ja nicht immer kompliziert sein. Kommunizieren Sie einfach mal, welche Ideen oder Lösungen Sie suchen. Vielleicht sind sie längst gefunden und der Mitarbeiter hatte bisher nur nicht den Mut, sich zu äußern. Geben Sie Ihren Mitarbeiter Freiräume, allein oder in kleinen Teams an den Themen zu arbeiten. Social Collaboration Tools machen es extrem einfach, Ideen zu sammeln und zu strukturieren. Nach einiger Zeit treffen Sie sich miteinander und diskutieren die Ideen.

Manchmal soll es aber doch ein Meeting sein, in dem Sie die gesammelte Intelligenz Ihrer Mitarbeiter zusammenbringen können. Dazu haben zwei Innovationsexperten eine neue Methode namens Brainswarming entwickelt. Dabei wird nicht auf einem weißen Blatt gearbeitet, wie beim Brainstorming, sondern vorher eine Struktur zur Erarbeitung der Lösungen festgelegt. Zum Beispiel wird das zu erreichende Ziel den vorhandenen Ressourcen gegenübergestellt. Auf der einen Seite muss das Ziel konkretisiert, auf Teilziele heruntergebrochen oder verschiedene Ansätze zur Zielerreichung erarbeitet werden. Auf der anderen Seite wird erarbeitet, welche Aktivitäten oder Maßnahmen mit den vorhandenen Ressourcen durchgeführt werden können. Die Teilnehmer arbeiten in Schleifen allein oder in kleinen Gruppen an einzelnen dieser Aufgaben, solange bis man sich „in der Mitte trifft“, also bis eine Aktivität direkt zu einem der gewünschten Ziele führt. Klingt ein bisschen abstrakt, die Methode erschließt sich allerdings sehr schnell, wenn man sie mal live gesehen hat. Schauen Sie sich das Video an. Ob Brainswarming funktioniert? Das müssen schon Sie mir sagen, nachdem Sie es ausprobiert haben!

Ihr Sascha Frank

Bild: Fotolia – fotogestoeber

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