CEOs auf der Abschussliste

In Europa leben CEOs so unsicher wie nie zuvor. Im vergangenen Jahr mussten fast 20% ihren Posten räumen, besonders häufig in den Branchen Telekommunikation und IT. Das stellt die Spitzenmanager vor größere Probleme. Denn wer wegen mieser Zahlen gefeuert wird, ist in Krisenzeiten bestimmt nicht sonderlich begehrt.

Wenn die Herren Manager mal wieder unfähig sind, müssen wir das ausbaden‘ – ein gängiger Satz in den Reihen der Arbeitnehmer, wenn die Entlassungswelle durch Deutschland rollt. Sicherlich ist da etwas Wahres dran. Aber es ist eben nur die halbe Wahrheit. Auch CEOs, also Vorstandsvorsitzende, haben einen unsicheren Job, wenn die Wirtschaft lahmt. Laut der veröffentlichten „CEO-Succession“-Studie von Booz & Company trifft das mehr zu als je zuvor. 2007 mussten 17,6% der europäischen CEOs ihren Posten räumen, in Deutschland sogar 19,7%. Das sind fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Rund ein Drittel davon waren erzwungene Abgänge.

Bemerkenswert sind die Branchen, in denen CEOs häufig kommen und gehen. Auf dem ersten Platz liegt seit Jahren die Telekommunikationsbranche (40% Fluktuation), auf dem dritten Platz die IT-Branche (28%). Ursachen nennt die Studie nicht, aber viel Phantasie ist nicht gefragt: Der technische Fortschritt in diesem Branchen ist immens, die Marktsättigung steigt und die Kunden sind anspruchsvoll. Viele traditionelle Geschäftsmodelle sind obsolet geworden. Offensichtlich haben CEOs auf diese Herausforderungen nicht immer die richtigen Antworten gefunden. Sie stehen schneller auf der Abschussliste als gedacht. Aufsichtsräte und Shareholder nehmen ihre Aufgabe ernst. Viel Zeit zum Ausprobieren bekommt heute niemand mehr. Die Konkurrenz schläft schließlich nicht.

Und was machen die arbeitslosen Manager? Immer wieder liest man Berichte darüber, dass Top-Leute in Krisenzeiten nur schwer einen neuen Job finden. Was bei anderen oftmals eher Häme oder Schadenfreude auslöst, ist für die Betreffenden kein Zuckerschlecken. Der soziale Abstieg ist immens, wenn man vorher ganz oben war. Für die meisten Positionen ist man überqualifiziert. Offene CEO-Posten sind nicht gerade im Überfluss da und das Image des gefeuerten Managers ist nicht gerade hilfreich. Auch nicht, wenn man bei seinem alten Arbeitgeber ein paar Milliarden an Börsenwert vernichtet hat.

Für viele heißt es also auf bessere Zeiten warten. Die, die noch mehr oder weniger fest im CEO-Stuhl sitzen, sollten sich aktiv um ihre Jobsicherheit kümmern. Auf die ehrlichen Fragen „Was bringe ich meinem Unternehmen effektiv?“ und „Würde meinem Unternehmen ohne mich etwas fehlen?“ sollte man gute Antworten geben können. Neben dem betriebswirtschaftlichen Erfolg trägt auch die enge Zusammenarbeit mit Share- und Stakeholdern dazu bei. Leadership ist gefragt; das heißt vor allem Führen und Motivieren von Menschen. Wer klar und verbindlich ist, sich solidarisch verhält, dem verzeiht man (hoffentlich) eher Fehler. Das gilt auch in technologieorientierten Branchen.

Ihr Sascha Frank

(Bild: istockphoto – SchulteProductions)

Diese Artikel gefallen Ihnen sicher auch

Schreiben Sie einen Kommentar

Abonnieren Sie unseren Newsletter mit spannenden Themen zu HR und Management

Sie stimmen zu, regelmäßige E-Mail-Newsletter von der espiridon GmbH zu erhalten. Sie können diese Zustimmung jederzeit widerrufen. Näheres entnehmen Sie unserer Datenschutzerklärung.

Sie haben sich erfolgreich eingetragen. Bitte bestätigen Sie nun Ihre E-Mail-Adresse.