Corporate Weblogs: „Ich“ statt „wir“

Mit Weblogs geben Unternehmen tiefe Einblicke in ihren Arbeitsalltag und zeigen die Menschen hinter den Produkten. Das kann die Kommunikation ungemein bereichern. Daimler zeigt mit seinem 2007 gestarteten Blog, wie es geht. Zahlreiche Mitarbeiter schreiben über ihre persönlichen Erfahrungen. Eine öffentliche Blogging Policy gibt den Rahmen vor.

In der Kolumne #34 habe ich darüber geschrieben, wie Unternehmen mit dem Web 2.0 die Kontrolle über ihr Marketing abgeben – und wie dieser Kontrollverlust ganz neue Chancen mit sich bringt. Daimler ist einer der großen Konzerne, die diesen Trend früh erkannten und aufsprangen. Der Autobauer mit dem Stern ist sonst nicht gerade für Marketing-Innovation bekannt. Doch bereits 2007 startete Daimler mit einem eigenen Unternehmensweblog, der allerseits gelobt und als Best Practice genannt wird.

Blogs, die ursprünglich nur Web-Tagebücher waren, sind gerade im Personalmarketing ein wertvolles Werkzeug. Bei der Auswahl seines Arbeitgebers setzt man am liebsten auf Insiderinformationen: „Du sag mal, du arbeitest doch bei Unternehmen X. Wie ist es denn da wirklich?“ Blogs besitzen das Prädikat „authentisch, ungefiltert, persönlich“ und können quasi die Rolle des Insiders übernehmen. Daimler versteht es mit seinem Blog perfekt diese Rolle auszufüllen, ohne damit die zentrale Kommunikationsstrategie des Konzerns („One-Voice-Policy“) zu unterwandern. Im Daimler-Blog schreiben Mitarbeiter aus den verschiedensten Abteilungen über ihre Erfahrungen im Konzern, über soziale Projekte, neue Produkte und andere Themen, die sie beschäftigen. Dabei steht immer die persönliche Sicht im Vordergrund, Marketingtexte und PR-Meldungen haben dort nichts zu suchen. Hauptbestandteil des Erfolgs ist die öffentliche Blogging Policy, die den Rahmen fürs Bloggen und den Umgang mit den Lesern vorgibt. Darin stehen unter anderem Dinge wie:

  • Wir vermeiden jede „wir“-Formulierung und schreiben „ich“, wenn wir eine Meinung vertreten. Meinungen sind ausdrücklich erwünscht.
  • Wir schreiben nicht negativ über Wettbewerber oder ihre Produkte.
  • Wenn wir uns unsicher sind, wie wir Beiträge oder Kommentare formulieren sollen, fragen wir einen Kollegen, oder lassen es vor Veröffentlichung gegenlesen.
  • Bloggen heißt Dialog […]. Kommentare können sowohl nett als auch rüde ausfallen – aber sie sind immer erwünscht. Ermuntere deine Leser auch ruhig zu Kommentaren.
  • Bei inhaltlicher und höflicher Kritik nehmen wir das Feedback ernst […]. Wenn wir antworten, so tun wir das spätestens am Vormittag des folgenden Arbeitstages.

Lesen Sie die Daimler Blogging Policy doch einmal komplett. Meines Erachtens steht dort alles drin, was man beim Corporate Blogging beachten sollte. Kein Wunder, dass sich der Daimler-Blog großer Beliebtheit erfreut. Übrigens sind 50% der Blog-Leser eigene Mitarbeiter. Ein Blog kann also auch den internen Informationsfluss stark fördern und somit die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen erhöhen. Voraussetzung ist aber, dass man wirklich offene Kommunikation zulässt, den Mitarbeitern Spielräume gibt und sie nicht durch restriktive zentralistische Vorgaben einschränkt. Noch viele weitere positive Effekte sind übrigens nicht ausgeschlossen.

Bloggt Ihr Unternehmen? Bloggen Sie mit? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Ich freue mich über Erfahrungsberichte.

Ihr Sascha Frank

(Bild: istockphoto)

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