Das eierlegende Wollmilchbüro

Mitarbeiterbindung funktioniert längst nicht mehr nur über interessante Aufgaben und gutes Gehalt. Gerade der Nachwuchs stellt auch an den Arbeitsplatz an sich hohe Ansprüche: Moderne, helle Räume, Entspannungsbereiche, zentrale Lage, attraktives Umfeld, ökologisch korrekt. Auch die Technik muss stimmen und flexibles Arbeiten überall und zu jeder Zeit zu ermöglichen.

Wir hatten schon Aufträge, bei denen es extrem schwierig war, wechselwillige Kandidaten für einen Job zu finden. Grund war nicht, dass der Arbeitgeber unbekannt oder die Position uninteressant gewesen wäre – ganz im Gegenteil. Hauptgrund war schlicht und einfach, dass der Firmensitz des Mandanten ab vom Schuss lag. Der Standortnachteil solcher Unternehmen wird sich weiter verschärfen und besonders beim Recruiting von Nachwuchs für Probleme sorgen. Denn die aktuell 18-25-jährigen, die so genannte Generation Y, haben bei der Wahl ihres (physikalischen) Arbeitsplatzes höchste Ansprüche. Das ergab eine Studie unter 3.000 Menschen dieser Altersgruppe aus China, Indien, USA, Großbritannien und Deutschland.

Muffelige Großraumbüros mit lichtgrauen Standardschreibtischen in Bürobunkern am Stadtrand: In so einem Umfeld will wirklich keiner mehr arbeiten. Ebenso so hoch wie die Anforderungen der Unternehmen an die jungen Fachkräfte sind auch deren Vorstellungen an ihren perfekten Arbeitsplatz: Zentral soll er vor allem liegen, gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Nicht nur um Zeit beim täglichen Pendeln zu sparen. Dank flexibler Arbeitszeiten wollen viele tagsüber zwischendurch Erledigungen machen oder das Kind nachmittags vom Kindergarten abholen. Dazu sind Freizeit- und Sportangebote in der nahen Umgebung gefragt ebenso wie Cafés, Bars und Kinos, in denen man sich mittags oder nach Feierabend mit Kollegen und Freunden treffen kann.

Was das Büro selbst angeht wünscht sich der Nachwuchs ein modernes Ambiente mit viel natürlichem Licht und natürlichen Materialien. Ein kleines eigenes Büro ist nach wie vor wichtig, aber je nach Bedarf sollten Meetingräume oder Kreativzonen zur Verfügung stehen, ausgestattet mit modernster Technik. Die Energie dafür sollte möglichst aus regenerativen Quellen stammen. Das Büro allein macht es aber nicht. Die Unternehmenskultur muss dazu passen. Was hilft der schönste Kreativraum, wenn man den ganzen Tag mit operativen Arbeiten zugeschüttet wird? Wozu habe ich die neuste Technik, mit der ich von überall aus arbeiten kann, wenn meine Arbeitszeiten das gar nicht erlauben?

Klar, alle diese Erwartungen in einem eierlegenden Wollmilchbüro unter einen Hut zu bringen, ist fast unmöglich. Aber auch gar nicht nötig. Oft macht schon wenig sehr viel aus. Analysieren Sie doch einmal die Vor- und Nachteile Ihres Standorts und stellen Sie sie den Anforderungen Ihrer Mitarbeiter gegenüber. Wenn Sie die nicht kennen, führen Sie eine Befragung durch. Könnten die Büros heller und freundlicher sein? Wie wär´s mit einer Chill-Out-Area oder einem Tischkicker auf dem Flur? Oder eine etwas hippere Speisekarte in der Kantine? Ich weiß noch, als ich als Jungspund bei Bewerbungsgesprächen war, haben solche Kleinigkeiten großen Eindruck auf mich gemacht. Denn wo ich den Großteil meines Tages verbringe, da will ich mich wohlfühlen und – ja – auch Spaß haben. Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal über einem Recruiting-Konzept für Young Potentials brüten.

Ihr Sascha Frank

(Bild: fotolia – Tomasz Trojanowski)

Diese Artikel gefallen Ihnen sicher auch