Das Märchen vom Multi-Tasking

Multi-Tasking spart weder Zeit noch verbessert es unsere Arbeitsqualität. Stattdessen sollten wir mehr priorisieren: Das heißt, Wichtiges zuerst und voll konzentriert erledigen, Unwichtiges am besten gar nicht. Die Priorität einer Aufgabe sollte nicht davon abhängen, wie dringend sie in den Augen anderer ist. Sondern davon, wie stark sich die Ergebnisse auf unser Leben auswirken.

Von unseren Eltern haben wir gelernt: „Junge (oder Mädchen), mach nicht alles auf einmal sondern schön eins nach dem anderen. Sonst wird das nix.“ Später haben wir dann den Begriff Multi-Tasking kennen gelernt. Und man sagte uns, das wäre der Schlüssel zum Erfolg, weil wir dann viel mehr in viel kürzerer Zeit schaffen können. Die Kommunikationstechnik tut ihr übriges dazu: Wir telefonieren und mailen gleichzeitig, arbeiten in Meetings Berichte am Laptop aus, surfen während Gesprächen auf dem Smartphone.

Dieses Verhalten hat sich bei uns dermaßen eingefleischt, dass wir nicht davon lassen können, obwohl Multi-Tasking aus wissenschaftlicher Sicht längst widerlegt ist. Denn multi-taskende Menschen beweisen eigentlich nur eines: Dass sie nicht priorisieren können. Sie sind nicht in der Lage Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden. Sie lassen sich Ihren Tagesablauf von anderen (oder von der Kommunikationstechnik) diktieren, statt selbst festzulegen, welche Tätigkeiten ihre volle Aufmerksamkeit benötigen. Eigentlich kein Merkmal des Erfolgreichen, oder?

Experten für Zeitmanagement und Selbstorganisation sind sich einig: Das Erfolgsgeheimnis liegt im Priorisieren. Wichtige Arbeiten, die die relevantesten Ergebnisse bringen, sollten sofort und mit ungeteilter Aufmerksamkeit erledigt werden. Weniger Wichtiges kommt anschließend – oder am besten gar nicht. Wem es schwerfällt, Prioritäten festzulegen, kann sich fragen: Wenn ich jeden Tag nur eine Stunde Zeit zum Arbeiten hätte, was würde ich in dieser einen Stunde tun?

Priorität müssen dabei nicht immer die aufwendigen, scheinbar großen Aufgaben haben. Es geht, wie bereits angeklungen, um die Ergebnisse. Welche Aufgabe bringt mich auf lange Sicht gesehen am weitesten voran, wenn ich sie erledige? Welche unerledigte Aufgabe hätte für mich die schlechtesten Auswirkungen? Das sind die Prioritäten. Gibt es Aufgaben, bei denen es wenig Unterschied macht, ob und wann ich sie erledige? Diese Arbeiten können Sie sich getrost sparen.

Wer auf Prioritäten statt Multi-Tasking setzt wird nicht nur mehr Zeit haben sondern auch wesentlich bessere Arbeitsergebnisse erzielen. Und erfolgreicher sein. Denken Sie nur einmal an das letzte Mal, als Sie von der Geschäftsführung gelobt oder gar befördert wurden. War Ihren Chefs aufgefallen, dass Sie so viele Mails in kürzester Zeit beantworten können? Dass Sie immer sofort ans Telefon gehen, wenn man Sie anruft? Oder lag es nicht eher an den hervorragenden Ergebnissen in wichtigen Projekten? Sie können sich die Antwort selbst geben. Erobern Sie also die Macht über Ihren Zeitplan zurück. Bestimmen Sie selbst, was für sie wichtig ist und widmen Sie sich diesen Aufgaben mit voller Konzentration. Alles andere kommt später, oder eben gar nicht. Und das ist nicht schlimm, denn im Gegensatz zur Zeit gibt es immer genug Arbeit. Selbst wenn Sie wollten könnten Sie nie alles schaffen.

Ihr Sascha Frank

(Bild: fotolia – Mirko Raatz)

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