Der Eid des Ehrbaren Kaufmanns

Christopher Jahns, Präsident der European Business School und Experte für Einkauf und Logistik, forderte in einem Interview auf wiwo.de mehr Ethik im Wirtschaftsleben. Jahns ist bisher nicht besonders durch hohe ethische Ansprüche aufgefallen. Kein Wunder, dass die Reaktionen mehr polemisch als begeistert sind. Ein kurzes Schauspiel über die Unglaubwürdigkeit.

Szene 1: Die Menge tobt und wettert, sie will mehr Geld, einen größeren Anteil am Gewinn. Es ist Hauptversammlung einer großen Investmentbank. Doch den Vorstandsvorsitzenden ficht das nicht an. Seelenruhig erklärt er immer und immer wieder, dass er die Gewinne nutzen will, um mehr Personal einzustellen und soziale Projekte zu unterstützen. Eine Dividendenerhöhung käme nicht infrage, schließlich hätten die Aktionäre in den letzten Jahren genug Geld bekommen. Und davon unabhängig habe er den Davoser Eid geleistet und sich ein Leben lang zu ethischem Handeln verpflichtet.

Szene 2: Solch eine Situation könne bald Wirklichkeit werden, meint Christoph Jahns in einem Interview mit wiwo.de. Ethik und Fairness sei in den letzten Jahren in der Wirtschaft stark vernachlässigt worden, die Vollkasko-Raffgier vieler Manager sei nicht in Ordnung. Deshalb führe seine Business-School jetzt das Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns ein, das im erwähnten Eidschwur der Absolventen verankert werde. Nein, das sei kein Marketing-Gag, sondern die Begründung einer ganz neuen Manager-Generation.

Szene 3: Wieder eine aufgebrachte Menge, diesmal sind es Kommentatoren des Interviews. Christopher Jahns, der seine pseudo-private Business-School mit Steuermillionen über Wasser hielte und seinen Schülern fürstliche Summen abknöpfe, sei wohl der letzte der die Forderung nach mehr Ethik ernst meine. Es ginge alles weiter wie bisher, nur dass die Manager-Elite mittlerweile gemerkt habe, dass etwas mehr Heuchelei angebracht sei. Der Eid auf die Prinzipien des Ehrbaren Kaufmanns sei genau das, was er angeblich nicht sein soll: Ein Marketing-Gag. Soweit meine Zusammenfassung des Schauspiels, über das ich kürzlich gestolpert bin. Was sich erst anhörte wie ein ganz normaler Artikel wuchs sich zu einem Online-Kleinkrieg auf wiwo.de aus – die Lektüre der Langfassung „Wir brauchen mehr Fairness“ samt den Kommentaren lohnt sich übrigens.

Das Interview ist ein klassisches Beispiel für Unglaubwürdigkeit. Nun glaube ich kaum, dass sich Jahns, dass sich überhaupt ein Top-Manager, für eine Horde Online-Kommentatoren schert. Trotzdem. Der gewünschte Effekt des Interviews ging komplett nach hinten los, was sich Jahns eigentlich hätte denken können. Ein wenig Selbstkritik und das Eingeständnis, dass er selbst Teil des Systems ist und war, hätte den Kommentatoren schon viel Wind aus den Segeln genommen. Einen reuigen Sünder will man nicht noch zusätzlich bestrafen. Wenn das Schlamassel schon angerichtet ist, so kann man das wenigstens noch hinterher eingestehen. Und in die Debatte mit den Kritikern einsteigen, was vielleicht zu richtig guten Ergebnissen führen könnte. Also merke: Wer im Glashaus sitzt… na, Sie wissen schon.

Ihr Sascha Frank

(Bild: istockphoto)

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