Der kleine lustige Unterschied

Humor gehört zu den Eigenschaften, die man bei anderen Menschen am meisten schätzt. Doch Art und Funktion des Humors sind von Mensch zu Mensch verschieden. Eklatant sind vor allem geschlechterspezifische Unterschiede. Männer grenzen sich mit Humor gegenseitig ab, Frauen betonen eher das verbindende Element. Wer das berücksichtigt, kann seinen Witz gewinnend einsetzen. Welche Comedians finden Sie denn am lustigsten?

Doch sicher auch die, bei denen man schon lachen muss, wenn sie die Bühne betreten. Weil sie watscheln wie eine Ente, spärlich behaarte Eierköpfe sind oder eingegangene ärmellose Pullover tragen. Kaum zu glauben, dass Frauen als erstes den Humor erwähnen, wenn Sie danach gefragt werden, was sie bei einem Mann besonders schätzen. Und das ist wirklich so – empirisch nachgewiesen. Denn Humor heißt nicht nur einen Schenkelklopfer nach dem anderen rauszuhauen, sondern zeigt eine positive Lebenseinstellung, dass man über sich und andere lachen kann und schwierige Situationen nicht so ernst nimmt. Übrigens schätzen auch Männer an Frauen den Humor sehr. Allerdings meint Humor in diesem Fall eher, dass die Frauen über deren Scherze lachen.

Humor ist also durchaus geschlechterspezifisch. Nicht nur die Art des Humors, auch die Funktion. Unter Männern dient Humor eher der Abgrenzung. Über kleine Sticheleien und Provokationen definiert sich eine Hackordnung in einer Gruppe. Man schaut, wie weit man gehen kann, wer sich was bei wem leisten kann. Unter dem Deckmantel der Ironie wirft man(n) sich sogar Sachen an den Kopf, bei denen man ohne die lustige Komponente ein blaues Auge riskieren würde. Männer stehen deshalb auch eher auf bissigen und schwarzen Humor.

Frauen dagegen mögen das gar nicht. Will man(n) sich vor der Weiblichkeit profilieren, indem er sich über seine Geschlechtsgenossen lustig macht, schießt er sich damit ein Eigentor. Für Frauen zählt beim Humor eher das verbindende Element. Sie schaffen über Scherze Gemeinsamkeit und stärken das Gruppengefühl.

Eine Funktion des Humors ist aber allen gemeinsam. Ein Witz entschärft Auseinandersetzungen, wirkt entkrampfend und erhöht die Stimmung. Übertreiben ist aber auch nicht gut. Permanente Scherze in ernsten Situationen werden von vielen nicht als Aufheiterung verstanden, sondern als Herunterspielen, sie fühlen sich nicht ernst genommen. Die attraktivste Form des Humors ist übrigens die Selbstironie. Wer über sich selbst lachen kann zeigt Souveränität und Kreativität.

Warum erzähle ich Ihnen das alles? Wahrscheinlich sind die wenigsten von uns heimliche Comedians und fanatische Optimisten, die mit einem permanenten Grinsen durch die Welt laufen und Witzfeuerwerke abbrennen. Wir setzen Humor oft in bestimmten Situationen mit bestimmten Zielen ein, im zwischenmenschlichen Bereich oder auch bei formellen Gesprächen und Präsentationen. Humor als rhetorisches Mittel sozusagen. Wer sich über die Wirkung des Humors bei seiner Zielgruppe Gedanken macht kann seine „lustigen“ Fähigkeiten sehr verbessern und andere gewinnen. Gerade beim anderen Geschlecht kann sich der intelligente Einsatz des Humors bezahlt machen. Denn, Ihr lieben männlichen Kollegen, bekanntermaßen müssen wir ja gegenüber den Frauen noch einiges aufholen, was unsere kommunikativen Fähigkeiten betrifft. Vielleicht sollten wir uns ein paar Dinge abschauen.

Ihr Sascha Frank

(Bild: fotolia – Zina Seletskaya)

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