Die selbsterfüllende Prophezeiung

Perfektionisten haben es schwer. Sie bemühen sich nach Leibeskräften, Fehler zu vermeiden, denken an alle möglichen Gefahren und Schwierigkeiten. Nur um festzustellen, dass genau die Missgeschicke, vor denen sie Angst haben, eingetreten sind. Da hilft nur: Entspannen, sich selbst vertrauen, Mut haben und das Beste hoffen! Und plötzlich läuft alles wie geschmiert.

Spielen wir heute mal Mäuschen in einem Büro. Der Chef im Kick-off eines neuen Projektes: „Nehmen Sie keine Pappe. Wenn wir in den Regen kämen, sähe alles schlampig aus. Wir müssen in jedem Fall verhindern, dass das Modell bei der kleinsten Berührung unter den Händen des Kunden zusammenbricht. Und denken Sie daran, dass der Prototyp nicht zu spät fertig wird.“ — Drei Tage später: Der Chef schaut über die Schulter auf die Arbeit seines Mitarbeiters: „Schmidt, jetzt nicht zittern. Sonst wird es schief.“ — Zwei Wochen später, kurz vor der Präsentation des Entwurfs beim Kunden: „Versuchen Sie nachher mal nicht so zu Stottern. Das wirkt immer so unsicher.“

Was glauben Sie was passiert? Genau! Selbsterfüllte Prophezeiung nennt man das. Die Ironie an der Geschichte ist: wer überall Gefahren sieht, tappt zwangsläufig in die Falle. Die Überzeugungen werden zum Fluch. Ihre Macht ist so groß, dass die negative Voraussage Wirklichkeit werden muss. Dann geschehen genau die Missgeschicke und unglückseligen Ereignisse, die man auf jeden Fall zu verhindern trachtet. Psychologen nennen es den Ironie-Effekt. Den gibt es auch in der umgekehrten Variante. Das wäre, wenn die Mitarbeiter so zaghaft an die Arbeit gehen, dass fast gar nichts passiert. Aus Angst, besagte Fehler zu machen. Das nennt man dann Überkompensation.

Ob Ironie-Effekt oder Überkompensation, am Ende kommt nicht das heraus, was eigentlich beabsichtigt war, sondern das Gegenteil tritt ein. Perfektionismus und Kontrollwahn führen in den wenigsten Fällen zu etwas Produktivem. Hinzu kommt noch, dass Verhaltensmuster wie diese meist unterbewusst sind. Man fühlt sich erfolglos, frustriert und unzufrieden, ohne genau zu wissen, was eigentlich dahinter steckt. Ein Teufelskreis aus Erfahrungen und negativen Glaubenssätzen, die sich gegenseitig bestätigen. Wir werden mutloser und unzufriedener. Beim nächsten Mal nehmen wir uns noch mehr vor, alles genau zu planen und Fehler von vornherein verhindern zu wollen. Und wieder schnappt die Falle zu.

Das einzige was hilft, ist Entspannen. (Wenn´s denn so einfach wäre!) Der Rheinländer würde sagen: Es kütt wie es kütt. Fehler passieren so oder so, da können Sie noch so viel warnen und mahnen. Sie werden jedoch überrascht sein, was Sie und Ihre Mitarbeiter mit Mut und einem gesunden Maß an Risikofreude leisten können. Und wie viele Fehler dadurch verhindert werden, dass man einfach gar nicht an sie denkt. Denn die selbsterfüllende Prophezeiung funktioniert auch im positiven Sinne. Wenn Sie anderen vertrauen und das Beste von ihnen denken, werden Sie auch das Beste dieser Menschen zurück bekommen: Höchstleistungen, Begeisterung und ebenfalls größtes Vertrauen.

Ihr Sascha Frank

(Bild: istockphoto – cosmonaut)

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