Ein bisschen Weichei ist ok

Führungskräfte müssen Führungskompetenz beweisen. Dabei tritt die fachliche Komponente immer weiter in den Hintergrund. Menschenführung und Charakterstärke werden immer mehr zum KO-Kriterium bei der Auswahl von Managern. Wer sich auf diesem Gebiet verbessern will, muss zuallererst eines tun: sich kritisieren lassen.

Fachlich starke Chefs sind toll. Man kann sie alles fragen, sie können immer helfen. Doch der Chef, der alles kann und alles weiß, ist nicht mehr gefragt. Persönlichkeit, die so genannte Emotionale Intelligenz (EQ), ist das maßgebende Auswahlkriterium und verdrängt die Fachkompetenz als solches immer mehr. Das ist auch gut so, wie der Alltag in vielen Unternehmen zeigt.

Mitarbeiter beklagen häufig die fehlenden Führungsqualitäten ihrer Vorgesetzten. Diese würden es nicht schaffen, für Motivation und gutes Arbeitsklima zu sorgen, die strategischen Weichen zu stellen und die Abteilung gegenüber der Geschäftsführung angemessen zu vertreten. Oft sind die Klagen berechtigt. Als Führungskraft wissen Sie sicher, wie schwierig es ist, den verschiedenen Interessen und Menschen in Ihrer Firma gerecht zu werden – gerade wenn Sie schon länger im Geschäft sind und Mitarbeiterführung nie wirklich gelernt haben oder wenn Sie vom Naturell her eher der Typ Einzelkämpfer sind. Wollen Sie sich weiterentwickeln? Sehr gut. Die größte Hürde beim Veränderungsprozess steht ganz am Anfang: die Selbsterkenntnis.

Vielleicht wissen Sie nicht genau, wo Ihre Schwächen liegen. Ihre Mitarbeiter trauen sich nicht, Sie zu kritisieren. Oder aber Sie empfinden die Kritik anderer oft als Angriff, neigen dazu sie schnell abzutun. Fehler – die machen andere. Deshalb heißt der erste Schritt, ehrlich mit sich selbst zu sein und Kritik offen gegenüber zu stehen. Fragen Sie Ihre Mitarbeiter. Hängen Sie eine anonyme Meckerbox in der Abteilung auf. Bitten Sie in Mitarbeitergesprächen um persönliches Feedback. Ihre Mitarbeiter sollten natürlich keine Nachteile fürchten, wenn sie ehrlich sind. Haben Sie Angst, müssen Sie sich erst an Kritik gewöhnen? Dann beginnen Sie doch einfach mal bei der Familie und bei Freunden. Je besser Sie sich selbst kennen, desto gezielter können Sie an sich arbeiten.

Bei der persönlichen Veränderung können Coaching und Seminare helfen. Angebote gibt es immer mehr. Fragen Sie doch mal Ihre Personalabteilung, was die Ihnen empfiehlt. Aber es braucht nicht immer fremde Hilfe. Manchmal reicht es, bewusst mehr Menschlichkeit zu zeigen, mehr mit den Mitarbeitern zu kommunizieren – dazu gehört vor allem das Zuhören! und nicht mehr auf der eigenen Unfehlbarkeit zu beharren.

Hört sich das für Sie nach Weichei an? Macht nichts. Ein bisschen Weichei ist heutzutage ok. Emotionale Intelligenz gehört zum Manager dazu. Und Ihrer Karriere wird sie sicher nicht im Wege stehen.

Ihr Sascha Frank

(Bild: istockphoto – aristotoo)

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