Ein Freund, ein guter Freund

Freundschaften unter Kollegen sind ganz normal. Sie haben oft ähnliche Ziele, Interessen, Persönlichkeiten. Und wer für seinen Beruf lebt und den größten Teil der Woche im Büro verbringt, hat Schwierigkeiten, anderswo Leute kennen zu lernen. Doch es lohnt sich, auch außerhalb der Firma Freundschaften zu pflegen.

Es war einmal vor langer, langer Zeit, da gingen die Menschen fünf Tage die Woche von neun bis siebzehn Uhr arbeiten. Pünktlich zur vollen Stunde räumten sie ihren Schreibtisch. Die Abende und die Wochenenden verbrachten sie im Kreise ihrer Familien und Freunde, gingen Hobbies nach und taten alles, um ja keinen Gedanken an die nächste Arbeitswoche verschwenden zu müssen. Die Arbeit war zum Geldverdienen da, die Kollegen waren eine Zweckgemeinschaft.

Zurück in 2009. Nine-to-five-Jobs sind weitestgehend Geschichte. Man lebt für seine Arbeit, hat sein Hobby zum Beruf gemacht, betrachtet sein Büro als zweites Zuhause. Ein Freund, ein guter Freund, ist immer noch das Beste auf der Welt. Ein paar Freunde sind noch besser. Aber ein paar gute Kollegen sind auch nicht zu verachten. Und darauf läuft’s meistens hinaus. Warum auch nicht? Freundschaften unter Kollegen sind längst das Normalste der Welt.

In einem Unternehmen arbeiten meist ähnliche Charaktere, Unternehmenskulturen ziehen Gleichgesinnte an. Kollegen wollen auch Karriere machen. Sie beschäftigen sich mit den gleichen Themen. Es findet sich immer Gesprächsstoff und man muss nicht jedes Mal aufs Neue erklären, was man denn beruflich genau „mit Computern“ macht. Um sich für das Feierabendbier zu verabreden, wird nicht extra telefoniert, da einem der Freund ja sowieso den ganzen Tag am Schreibtisch gegenüber hockt. Und fürs Betriebsklima gibt es nichts Besseres, als dass sich die Kollegen prächtig verstehen. Kollegenfreundschaften liegen also buchstäblich nahe, sind bequem und passen zu unserem Lebensstil.

Genau diese Vorteile tragen aber auch Gefahren in sich. Unternehmen brauchen von Zeit zu Zeit frisches Blut, sagt man. Sonst verkrusten die Strukturen, die eingefahrenen Bahnen vertiefen sich. So ist es auch mit der Freundschaft. Freunde aus einem anderen Umfeld, mit anderen Sichtweisen bereichern das Leben ungemein und erweitern den Horizont. Sich neue Freunde zu suchen ist das beste Trainingsprogramm für Social Skills. Und mal ehrlich: Nervt es nicht, wenn man selbst Sonntag mittag auf die dringende Deadline in der kommenden Woche angesprochen wird?!

Manchmal können Freundschaften unter Kollegen sogar ziemlich belastend sein: Wenn einer befördert wird, wenn einer gekündigt wird, ganz besonders wenn es persönliche Konflikte gibt und man sich nicht aus dem Weg gehen kann. In solchen Situationen ist man ganz froh über „externe“ Freunde, mit denen man am Wochenende die beruflichen Probleme vergessen kann.

Dies ist weder ein Plädoyer für noch gegen die Freundschaft unter Kollegen. Was ich sagen will: Wie so oft macht’s auch beim Thema Freundschaft die gesunde Mischung.

Ihr Sascha Frank

(Bild: istockphoto – pappamaart)

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