Eine Urkunde und ein Taschengeld

Sind Auszeichnungen ein effizientes Mittel der Mitarbeitermotivation? Oder verleihen nur saftige Geldprämien Flügel? Oder weder noch? Die Meinungen darüber gehen auseinander. Ein Forscherteam aus Zürich hat diese Frage empirisch untersucht und ist zu interessanten Ergebnissen gekommen.

Er ist fast schon sprichwörtlich, der Mitarbeiter des Monats, dessen Portrait in jeder McDonald´s-Filiale an der Wand hängt. Für die einen ist es ein amerikanischer Spleen. Für die anderen ist es regelrechter Hohn, wenn unterbezahlte Burgerbrater durch Papierurkunden bei Laune gehalten werden sollen. Doch allgemein bekannt ist, dass für viele Beschäftigte Anerkennung für besondere Leistungen wichtiger ist als damit verbundene Geldprämien. Sehr umstritten ist aber, ob solche Auszeichnungen Motivation und Leistung positiv tatsächlich dauerhaft beeinflussen können.

Der Schweizer Ökonom Bruno Frey und zwei Kollegen haben diese Frage empirisch untersucht. Die Fallstudie „What is an Award Worth?“ bestätigt die positiven Auswirkungen von Auszeichnungen – wenn auch mit Einschränkungen. Über vier Jahre hat Frey in einem Call-Center die Leistungsbewertungen der Beschäftigten ausgewertet. Diese Bewertungen basieren auf einem ausgeklügelten System, in welches zahlreiche Leistungsdaten der Mitarbeiter einfließen. Daneben vergibt der Call-Center regelmäßig einen sogenannten „Gold Reward“ für Leistungen, die über die regulären Aufgaben hinausgehen. Dazu gehören bspw. freiwillige Krankheitsvertretungen oder die Organisation von Ausflügen. Als Belohnung gibt es eine Urkunde und 100 bis 250 Schweizer Franken: gemessen am Durchschnittsgehalt von 4.500 Franken eher ein Taschengeld. Welcher Effekt auf die Leistungen der Ausgezeichneten konnte gemessen werden?

Die Arbeitsleistung des ‚geehrten‘ Mitarbeiters war in den Folgemonaten um 7,5% höher im Vergleich zu den Kollegen. Auch gegenüber der eigenen bisherigen Leistung war bei dem Betreffenden ein Anstieg zu verzeichnen. Dabei ist zu bemerken, dass der Leistungsanstieg nicht durch einen Leistungsabfall bei den leer ausgegangenen Mitarbeitern begründet ist. Bei sonst unterdurchschnittlichen Mitarbeitern stieg die Leistung nach der Auszeichnung besonders stark an. Daraus schließen die Forscher auf einen inneren und äußeren Druck, sich der Auszeichnung würdig zu erweisen – selbst wenn die Auszeichnung mit der eigentlichen Arbeit gar nichts zu tun hat.

Allerdings verschwand der beobachtete Effekt der Auszeichnungen nach wenigen Monaten wieder, die Arbeitsleistung sank wieder auf Normalmaß. Was sagt uns das? Auszeichnungen und Bewertungssysteme sind wichtig und berechtigt. Aber ein günstiges Patentrezept für die dauerhafte Mitarbeitermotivation gibt es nicht. Da müssen viel mehr und komplexere Faktoren berücksichtigt werden.

Trotzdem, ich finde solche Auszeichnungen und kleine Dankesgesten „nett“. Und wenn ich das nächste Mal in der Mc-Filiale meines Vertrauens besonders freundlich bedient werde: Vielleicht steht ja der aktuelle, besonders motivierte Mitarbeiter des Monats vor mir!

Ihr Sascha Frank

(Bild: istockphoto – DoxaDigital)

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