Erst überprüfen, dann unterschreiben

Endlich, die Beförderung zum leitenden Angestellten ist da! Im Überschwang der Gefühle unterschreibt man gerne den neuen Arbeitsvertrag, ohne ihn wirklich zu prüfen. Das ist ein großer Fehler, denn das Arbeitsrecht schützt Führungskräfte nur wenig. Im Falle einer Kündigung sind nur die vertraglichen Regelungen maßgeblich. Und hier lauern einige Fallstricke, die bedacht sein wollen.

Nichts unterschreiben, was man nicht vorher bis ins Kleingedruckte gelesen und gegebenenfalls seinem Anwalt zur Prüfung gegeben hat: Das ist ein guter Grundsatz, den man gerne übergeht, wenn man den Vertragsabschluss herbeisehnt und das lästige Paragraphenreiten doch nur Nebensache ist. Übersieht man beim Vertrag mit dem Fitnessstudio die 2-jährige Laufzeit, ist das ärgerlich und kostet viel Geld. An anderer Stelle kann es jedoch die Existenz kosten: Beim Arbeitsvertrag eines leitenden Angestellten.

Daran hätten Sie jetzt nicht als erstes gedacht, oder? Ich auch nicht. Doch die Ansicht, dass Geschäftsführerverträge doch mehr oder weniger Standardtexte mit ein paar individuellen Regelungen sind, die man abnicken kann, ist ein großer Irrtum. Das Arbeitsrecht schützt Geschäftsführer – leitende Angestellte allgemein – nicht besonders. Es lässt genügend Spielraum für Unternehmen, die sich mit juristischer Hilfe nur ihren eigenen Vorteil sichern wollen. Das heißt, dass sie den Geschäftsführer im Ernstfall schnell, geräuschlos und kostengünstig wieder loswerden können. So mancher Arbeitgeber missbraucht rechtliche Lücken für zweifelhafte Zwecke. Zum Beispiel: Bei der Beförderung eines Angestellten zum Geschäftsführer verliert dieser seinen gesetzlichen Kündigungsschutz und kann anschließend relativ leicht in den Arbeitsmarkt überführt (neudeutsch: „sich neuen Aufgaben widmen“) werden.

Verhindern lassen sich solche Tricks nur, indem der Arbeitnehmer seinen Vertrag eingehend prüft und sich ebenfalls juristisch beraten lässt. Anschließend wird nichts an einer harten Verhandlung vorbeiführen, in der man auf bestimmte Regelungen pochen sollte. Zeigt sich der Arbeitgeber nicht kompromissbereit, ist es vielleicht besser, das Angebot nochmals zu überdenken.

Worauf sollten Sie nun konkret in Ihrem Arbeitsvertrag achten? Der Artikel „Arbeitsrecht: Zehn Irrtümer von Führungskräften“ auf manager-magazin.de zählt Fallstricke auf, die man besser im Voraus kennt. Erwarten Sie eine baldige Beförderung zum leitenden Angestellten oder übernehmen die Leitung eines Unternehmens, gehört der Artikel für Sie zur Pflichtlektüre. Besonders sensible Bereiche im Geschäftsführervertrag sind:

• Kündigungsschutz, Wettbewerbsverbot nach Kündigung
• Variable Gehaltsbestandteile im Falle des vorzeitigen Ausscheidens
• Absicherung gegen Haftungsansprüche

Nehmen Sie sich vor Ihrer Unterschrift also genug Zeit, um Ihren Vertrag zu prüfen und ihn in Ihrem Sinne mitzugestalten. Nicht nur, weil dann bei einer Kündigung Ihre Existenz gesichert ist und Sie unter Umständen aufreibende Prozesse vermeiden können. Mit dem guten Gefühl, dass von Anfang an alles sauber geregelt ist, können Sie sich einfach viel besser auf Ihren Job konzentrieren!

Ihr Sascha Frank

(Bild: fotolia – Wilm Ihlenfeld)

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