Gegen den Strom

Abwarten und hoffen, dass und bis es wieder besser wird. Wenn man den Arbeitsmarkt betrachtet scheint das die passende Devise für das Jahr 2010 zu sein. Aber ist sie das wirklich? Wer jetzt gegen den Strom und die allgemeine Stimmung schwimmt hat beste Chancen auf einen Karrieresprung. Viele Unternehmen suchen neue, unverbrauchte Köpfe für den Weg aus der Krise.

Die Ratten verlassen das sinkende Schiff, die Lemminge stürzen sich in Eintracht die Klippe hinunter und die toten Fische schwimmen allesamt mit dem Strom. Nein, das soll keine Tiergeschichte werden. Diese Bilder stehen für ein Verhalten, das auch uns Menschen oft zu Eigen ist: Wenn Gefahr droht, verfallen wir in Panik und ergreifen die Flucht. Wir lassen uns mit der negativen Stimmung treiben und hoffen, dass es schon irgendwann wieder besser wird. Manch anderer steckt den Kopf solange in den Sand, um auch noch den Vogel Strauß zu bemühen.

In der aktuellen Arbeitswelt lässt sich dieses Verhalten besonders gut beobachten. Rollt die Entlassungswelle durch ein Unternehmen, verfallen die Übriggebliebenen in eine Schockstarre, warten einfach ab. Ja nicht auffallen, ja nichts tun, was die Aufmerksamkeit auf sich lenken könnte. Vielleicht geht das Unheil tatsächlich auf diese Weise an einem vorüber …

In dieser Situation schlägt die Stunde der Macher. Die gegen den Strom schwimmen, selbst wenn alle anderen den Bach runtergehen. Für junge und mutige Führungskräfte ist das die Chance auf einen Karrieresprung. Während Hierarchien in florierenden Unternehmen zementiert sind – „never change a winning team“ – werden in der Krise oftmals ganze Führungsetagen durcheinandergewirbelt. Unternehmen stellen sich neu auf, suchen neue Köpfe und Konzepte. Den Leuten, die die Krise mit verursacht haben, traut man eher nicht zu, den Weg auch wieder heraus zu finden. Und Manager anderer Unternehmen, die dort wegen Erfolglosigkeit gefeuert wurden, sind auch keine besonders gute Alternative.

Also liegt es nahe, sich im eigenen Unternehmen nach Ersatz umzusehen. Führungskräfte der mittleren oder unteren Ebenen können sich nun besonders hervortun. Sie können sich jetzt mit frischen Ideen, Tatkraft und einem modernen Führungsstil für höhere Aufgaben bewerben. Personalentwickler schauen jetzt genau hin: Wer trotzt dem Pessimismus, zeigt Motivation und Eigeninitiative? Wer hat bessere Vorschläge als nur die Kosten zu senken und Personalabbau? Wer hat Visionen und auch die Fähigkeiten, diese umzusetzen? Besonders Jungmanager mit hoher Sozialkompetenz punkten; denn Krisenmanagement ist vor allem auch Arbeit mit Menschen, mit den Mitarbeitern.

Neben Young Professionals aus den eigenen Reihen stehen die Chancen übrigens auch für Quereinsteiger gut. Ihnen traut man unkonventionelle Lösungen zu.

Wer für 2010 „Abwarten“ als Devise gewählt hat, sollte schleunigst umdenken. Echte Gewinner und Gegen-den-Strom-Schwimmer zeigen sich in Krisenzeiten. Sind Sie einer?

Ihr Sascha Frank

(Bild: istockphoto – lisegagne)

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