Gehaltserhöhung: Fragen kostet nichts

In Krisenzeiten verkneift sich manch einer die Frage nach einer Gehaltserhöhung. Das zeigt sich auch in der allgemeinen Gehaltsentwicklung. Doch viele Führungskräfte arbeiten momentan mehr und härter als sonst und hätten einen finanziellen Ausgleich verdient. Gute Vorbereitung ist das A und O, wenn das Gehaltsgespräch erfolgreich verlaufen soll.

Vor wenigen Wochen hat die Regierung das Wirtschafts-Beschleunigungsgesetz auf den Weg gebracht. Ob und wie viel am Ende dadurch mehr in unseren Geldbeuteln landet – das weiß niemand so recht. Der einzig sichere Weg zu mehr Netto ist der direkte: Eine Gehaltserhöhung. Doch ist dafür die richtige Zeit, angesichts leerer Auftragsbücher und Kostendruck?

Eine Pauschalantwort dafür gib es nicht. Fakt ist, dass viele Unternehmen bereits wieder Aufwind spüren. Und nicht allen ging es schlecht, manche Branchen boomen regelrecht. Davon unabhängig spiegelt das Gehalt vor allem die persönliche Leistung wieder, nicht die Unternehmenssituation. Wenn sich Führungskräfte als hervorragende Krisenmanager erwiesen haben ist es sicher angebracht, dass sie finanziell von ihrem Engagement profitieren wollen.

Wenn schon bei Gehaltsverhandlungen unter „normalen Umständen“ gute Vorbereitung der Schlüssel zum Erfolg ist, dann erst recht jetzt. Wie hat das Unternehmen von mir profitiert? Was kann ich heute besser als früher? Wie sind die branchenüblichen Gehälter? Was verdienen die Kollegen? Welchen Spielraum hat mein Vorgesetzter? Welche Perspektiven hat das Unternehmen? Auch der richtige Zeitpunkt will gut ausgewählt sein. Zwischen Tür und Angel wird der Chef wohl kaum Geld verteilen; ebenso nicht unmittelbar nachdem er die miserablen Quartalszahlen bekommen hat.

Neben Mut und Durchsetzungsvermögen ist aber auch Realismus gefragt. Gehen Sie deshalb mit genug Spielraum in die Verhandlungen, seien Sie flexibel und üben Sie keinen Druck aus. Das wird nicht funktionieren. Mehr als ein paar Prozent sind in der aktuellen Situation wahrscheinlich nicht drin, von Ausnahmen abgesehen. Doch auch ein bisschen mehr Geld ist mehr Geld. Alternativ zu einer Erhöhung des Bruttolohns können Sie sich auf eine Verbesserung der Leistungen verständigen, bspw. einen Firmenwagen oder mehr Weiterbildungen.

Was, wenn es gar nicht klappt? Egal, Fragen kostet schließlich nichts, außer etwas Überwindung. Selbst scheinbar erfolglose Gehaltsverhandlungen haben ihren Nutzen: Sie können mit Ihrem Chef über Ihre Stärken und Ihre Leistungen für das Unternehmen sprechen. Sie können Ihren Marktwert besser bestimmen und entscheiden, ob Ihr Arbeitgeber noch der richtige für Sie ist. Sie können beim nächsten Gehaltsgespräch darauf verweisen, dass Sie bereits eine Nullrunde hinter sich haben.

Wer nicht nach einer Gehaltserhöhung fragt, der bekommt auch keine. So einfach ist das. Wenn Sie also in angemessenen Zeiträumen beim Chef anklopfen – gute Leistung natürlich vorausgesetzt – können Sie gar nichts falsch machen. Wenn Ihnen also bisher noch ein guter Vorsatz für 2010 gefehlt hat: Jetzt haben Sie einen!

Ihr Sascha Frank

(Bild: istockphoto – Neustockimages)

Diese Artikel gefallen Ihnen sicher auch