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Warum HR und Fachabteilung ein Recruiting-Team bilden müssen

Ist das zentrale Recruiting verzichtbar geworden? Sind die Fachbereiche nicht in Wirklichkeit die besseren Recruiter, die wissen, worauf es bei neuen Kandidaten ankommt? Lernen Sie sieben Gründe kennen, warum diese Debatte nicht weiterhilft, und sich HR und Fachabteilungen gegenseitig zwingend brauchen.

Mit dem Verhältnis zwischen Fachabteilungen und HR steht es nicht gerade zum besten, vorsichtig ausgedrückt. Erstere halten sich gerne für die besseren Recruiter – Stichwort “Hiring Manager” – und bemängeln die Qualität der Kandidaten, die die Recruiter liefern. Die Personaler wiederum beklagen sich über fehlende Unterstützung durch die Fachbereiche und unrealistische Erwartungen, die komplett am Markt vorbeigehen.

Beide haben ein Stück weit recht. Weiter bringt diese Debatte niemanden. Denn die Frage, wer von beiden für den Erfolg im Recruiting verantwortlich ist, ist schnell beantwortet: Beide! Aber nur, wenn Sie im Team arbeiten und Recruiting als gemeinsame Aufgabe sehen. Warum das so ist? Schauen wir uns die besten Argumente an, wie der Recruiting-Prozess von Fachabteilung und HR gleichermaßen und die beiden Beteiligten voneinander profitieren.

Warum HR die Fachabteilung in den Recruiting-Prozess einbeziehen muss

Ohne den Fachbereich geht Recruiting nicht, Punkt. Vier Gründe sprechen dafür:

Die Fachabteilung kennt die Anforderungen an die Position am besten

Recruiter, die für mehrere Fachabteilungen oder gar das ganze Unternehmen verantwortlich sind, können keine Spezialisten sein, das versteht sich von selbst. Die Fachabteilung sollte die Anforderungen, die an neue Mitarbeiter gestellt werden, am besten kennen. Sie muss deshalb mit HR eng bei der Ausarbeitung der Stellenprofile zusammenarbeiten.

Auch bei der Vorselektion der Kandidaten ist die Fachabteilung gefragt. Wenn Bewerber rar sind, findet sich kaum der perfekte, zu 100 Prozent passende Kandidat. Eine fachliche Führungskraft kann Erfahrungen und Fähigkeiten von Bewerbern eher beurteilen und so Kandidaten herausfiltern, die in vielen Fällen durchs Raster von HR gefallen wären.

Kandidaten wünschen sich Gesprächspartner auf Augenhöhe

Kandidaten interessieren sich für ihre zukünftige Aufgabe und das Team, in dem sie arbeiten werden. Sie wollen wissen, ob der Job sie herausfordert und weiterbringen kann. Sie wollen fachsimpeln. Dafür ist der Fachbereich der richtige Ansprechpartner. Deshalb sollten Bewerber möglichst früh im Prozess mit dem Fachbereich, mit dem zukünftigen Vorgesetzten in Kontakt gebracht werden.

Die Mitarbeiter im Fachbereich haben ein großes Netzwerk

Mitarbeiter in den Fachabteilungen sind meist gut vernetzt. Sie kennen Geschäftspartner, alte Kollegen, besuchen Messen und Kongresse. Sie kommen zwanglos mit vielen geeigneten Kandidaten ins Gespräch. Sozialen Medien vereinfachen direkte Kontakte und Weiterempfehlungen.

Anstatt dass die Fachabteilung solche Wege an HR vorbei nutzt, sollte diese das Netzwerk der Mitarbeiter aktiv mit einbinden und Weiterempfehlungen fördern.

Die Fachabteilung lernt die Arbeit von HR zu schätzen und übernimmt mehr Verantwortung

Es ist einfach, sich über zu wenige und zu schlechte Kandidaten zu beschweren, wenn man sie selbst nicht finden muss. Es liegt daher im ureigenen Interesse der Personalabteilung, den Fachbereich möglichst früh und eng ins Recruiting mit einzubeziehen.

Der Fachbereich wird schnell lernen, dass gute Kandidaten nicht auf Bäumen wachsen und die selektierten Bewerber zwar keine perfekten, aber doch die in der jeweiligen Situation bestmöglichen sind. Wer mitverantwortlich ist, meckert weniger, sondern muss mit anpacken.

Warum der Fachbereich im Recruiting-Prozess auf HR angewiesen ist

Kann der Fachbereich, der Hiring Manager, nicht gleich das komplette Recruiting übernehmen? Drei Gründe zeigen, warum das zentrale Recruiting unverzichtbar ist:

Recruiting braucht einen zentral Verantwortlichen

Man kann es Employer Branding nennen oder nicht: Ohne einen einheitlichen Auftritt als Arbeitgeber und optimierte Recruiting-Prozesse lassen sich kaum hochqualifizierte Mitarbeiter anlocken. Der Weg von der ersten Kontaktaufnahme bis zum unterschriebenen Vertrag besteht aus vielen kleinen Schritten. Ein “Mitarbeiter werben Mitarbeiter” Programm braucht Rahmenbedingungen.

Nur die Personalabteilung als Gesamtverantwortliche kann dafür sorgen, dass alle Recruiting-Prozesse korrekt (“compliant”) und im Sinne des Unternehmens ablaufen und Kandidaten die gebotene Betreuung erhalten.

Active Sourcing erfordert Zeit und Ressourcen

Die Zeiten des Post & Pray sind vorbei. Stellenanzeige veröffentlichen und warten, bis Bewerbungen eintrudeln, klappt nicht mehr. Zwar spielt die Fachabteilung bei der Besetzung von Positionen mit hohen Anforderungen eine wichtige Rolle. Doch Recruiting ist nichts, was sich mal nebenbei, on top erledigen lässt.

Nur HR besitzt die Ressourcen, um je nach Zielgruppe spezifische Recruiting-Konzepte auszuarbeiten, alle Kanäle zu bespielen und Kandidaten aktiv anzusprechen. Und genau dafür sind Recruiter ja da!

Neue Zielgruppen und Technologien erfordern ständige Anpassung

Fachbereiche sind selbst damit beschäftigt, auf ihren Fachgebieten am Ball zu bleiben, keinen Technologietrend zu verpassen und dem Wettbewerb zuvorzukommen. Im Recruiting ist das nicht anders. Im Gegenteil, der Arbeitsmarkt, die Erwartungen von und an Mitarbeiter wandeln sich permanent. Strategien zur Mitarbeitergewinnung und -bindung müssen angepasst, laufend neue Recruiting-Kanäle getestet und implementiert werden.

Als Know-how-Träger und Trendsetter im Recruiting kann sich die Personalabteilung als Partner der Fachbereiche unverzichtbar machen. Für HR ist das Chance und Auftrag zugleich.

Erfolgreiches Recruiting geht nur gemeinsam

Recruiting ist die Herausforderung unserer Zeit, da erzähle ich nichts Neues. Nicht nur für innovationsgetriebene Unternehmen mit Fachkräftebedarf, selbst die Deutsche Post findet zu wenige neue Zusteller. Fachbereich und HR müssen im Recruiting zusammenarbeiten, wenn sie sich im Wettbewerb durchsetzen wollen.

Mein Appell: Sie können sowieso nicht ohne einander, also vertragen Sie sich bitte und versuchen Sie es miteinander!

Beide Parteien sind verantwortlich und müssen ihren Teil beitragen. Die Initiative geht von HR aus – Recruiting ist schließlich einen Nebenthema im Fachbereich. Gehen Sie als Recruiter oder HR-Verantwortlicher auf die Fachabteilungen zu. Binden Sie sie von Anfang an ins Recruiting ein, schaffen Sie gemeinsame Prozesse, zapfen Sie gegenseitig ihr Know-how an. Bilden Sie ein Team. Sie beide werden profitieren und ihr Recruiting wird erfolgreicher!

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