In Folie verpackt

Ob ein Vortrag mitreißend oder langweilig ist, liegt selten am Inhalt. Viel wichtiger ist, dass der Redner hinter dem Gesagten steht und sein Anliegen mit Begeisterung vermitteln kann. Ein Hindernis auf dem Weg zu spannenden Vorträgen sind überladene Präsentationsfolien. Der Vortrag darf nicht um die Folien herum aufgebaut werden – das Gegenteil sollte der Fall sein.

Kennen Sie Powerpoint-Karaoke? Bei diesem Spiel müssen die Teilnehmer aus dem Stegreif einen Vortrag halten. Als Grundlage dazu dienen Powerpoint-Folien, die sie nie zuvor gesehen haben. Wer einmal auf einer Karaoke-Session war, weiß, dass die dort gebotenen Vorträge besser sind als das meiste, was man auf ernsthaften Veranstaltungen so zu hören bekommt. Zeigt das nicht, dass Präsentationsfolien mit ihren Zahlen, Daten und Fakten für einen guten Vortrag relativ unerheblich sind? Das Geheimnis toller, mitreißender Vorträge steckt nicht im Detailwissen. Was mitreißt, sind Begeisterung, Emotionen und gute Geschichten.

Diese bringt man am besten in freier Rede rüber. Redner, die sich von Folie zu Folie hangeln und ablesen, sind absolute Stimmungskiller. Aber auf Zahlen, Daten und Fakten darf man doch nicht verzichten – zugunsten einer schönen Geschichte?! Doch, darf man. Gute Inhalte werden nicht dadurch schlecht, dass man sie schön verpackt. Auch wenn uns Deutschen diese Denke in Fleisch und Blut übergegangen ist. Mal ehrlich, wie viel können Sie sich merken, wenn Sie eine Powerpoint-Folie mit 20 Kommazahlen für zwei Minuten anschauen? Oder mit 20 Fachbegriffen? Und wenn Sie sich die Mühe machen, die Inhalte wirklich zu behalten, wie viel bekommen Sie in dieser Zeit vom Redner selbst mit? Nichts. Gute Folien sind eine Gedächtnisstütze, schlechte Folien lenken ab. Die schlechten sind eindeutig in der Überzahl.

Bei der freien Rede waren wir schon. Wie lernt man, frei zu reden? Wie kriegt man einen wirklich tollen Vortrag hin? Zuerst sollten Sie sich gedanklich komplett vom Folienformat lösen. Ein Vortrag besteht nicht aus dem Kommentieren von Folien. Machen Sie sich Gedanken, was Sie erzählen möchten. Fragen Sie sich, wie Sie mit einer Einleitung Spannung erzeugen können, am Schluss zur Handlung motivieren können. Dazwischen bauen Sie logisch Ihre Argumente auf, wie einen roten Faden. Erst jetzt kümmern Sie sich um die visuelle Begleitung – nachdem der Vortrag ausgearbeitet ist. Erstellen Sie Folien mit möglichst wenig Inhalten, am besten mit Bildern, auch Videos, einzelnen Stichwörtern oder Aussagen. (Übrigens, ganz unter uns, man kann manchmal auch komplett auf Folien verzichten. So ungeheuerlich das klingt.) Danach heißt es: üben, was das Zeug hält.

Am wichtigsten ist aber, dass Sie selbst von der Materie überzeugt sind und voll dahinter stehen. Jede Facette Ihres Vortrages muss das ausdrücken. Dann werden Sie begeistert sein und Ihre Zuhörer mitreißen. Zugegeben, bei einigen Themen ist das nicht so einfach. Wenn es um technologische Themen geht, um die IT. Wenn Mathematik und Fachbegriffe nun mal dazugehören. Ein erster Schritt ist immer, sich zu vergegenwärtigen, welchen Nutzen die Zuhörer beispielsweise von der Einführung einer neuen Software haben. Wie das Arbeitsleben durch die neue Software beeinflusst wird. Was andere Anwender erzählen. Diese Dinge sind auf jeden Fall viel spannender als Spezifikationen. Diese Dinge lösen beim Publikum etwas aus.

Finden Sie also etwas, was Sie selbst bewegt und bringen Sie das frei und ganz natürlich rüber. Den Rest, rhetorische Kniffe und Techniken, können Sie erlernen. Zum Beispiel beim Powerpoint-Karaoke. Oder… verraten Sie uns Ihr Geheimrezept, Ihre Strategie für spannende Vorträge?

Ihr Sascha Frank

(Bild: Quelle: istockphoto – Kondor83)

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