Kampf der Generationen

Generationenkonflikte sind unvermeidbar, auch im Berufsleben. Besonders angespannt ist die Situation, wenn jüngere auf den Chefposten befördert werden. Statt sich zu bekämpfen und Vorurteile zu schüren, sollten sich Jung und Alt lieber zusammentun. Gegenseitiger Respekt und die Bereitschaft voneinander zu lernen sind die Schlüssel.

Ich glaube, ich war so Ende 20, als mir auffiel, dass ich mittlerweile laufend Leuten begegnete, die jünger waren als ich. Eine ganz neue Erfahrung. Man ging abends in die Location, in die man schon vor 10 Jahren gegangen war – und plötzlich war man am oberen Ende der Altersskala des Stammpublikums angelangt. Genauso läuft es im Job. Je älter man wird, desto wahrscheinlicher ist es, einen jüngeren Chef zu bekommen. Laut einer Careerbuilder-Umfrage haben 43% der über 35-jährigen einen jüngeren Vorgesetzten, bei den über 55-jährigen sind es 69%. Ein Automatismus.

Uns allen gut bekannt sind die Konflikte, die entstehen, wenn einem ein jüngerer Chef „vor die Nase gesetzt“ wird: ‚Ein totaler Grünschnabel, gerade geschlüpft und durch die Uni geschleust, zwar mit Diplom aber null Erfahrung. Der soll jetzt die Abteilung leiten und mir sagen, was ich zu tun habe. Werden wir doch mal sehen, wie lange der das durchhält.‘ Die Gegenseite: ‚Die ganze Abteilung ist total überaltert, verkrustet, unflexibel, ruht sich auf alten Lorbeeren aus, hat die letzten 20 Jahre verschlafen. Trotzdem wissen sie alles besser und halten sich für sonst wen.‘

Angesichts der demografischen Entwicklung können wir uns solche liebevoll gehegten Vorurteile eigentlich nicht mehr leisten. Es gibt zu wenig Nachwuchs, als dass man auf dessen Ideen und Fähigkeiten verzichten könnte. Und der Anteil der Ü40er ist zu groß, als dass man ihn zum alten Eisen abschieben könnte. Der Erfolg der Gesellschaft und auch eines Unternehmens hängt in hohem Maße davon ab, wie gut mehrere Generationen integriert werden. Wenn Alt und Jung ihre Stärken kombinieren, ergibt sich ein unschlagbares Team.

Das Geheimnis: miteinander reden statt übereinander, Verständnis zeigen, Respekt erweisen. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass der Jugend Kreativität, Tatendrang und Enthusiasmus nachgesagt wird. Dass die Tugenden des Alters Erfahrung, Besonnenheit und Geduld sind. Klischees haben einen wahren Kern. Es kommt jetzt darauf an, diese Eigenheiten als Stärken zu definieren. Den Kampf der Generationen miteinander zu führen.

Was können „die Alten“ tun? Sich daran erinnern, wie sie angefangen haben. Sich fragen, ob sie wirklich schon so alt sind, dass sie sich gegen die Jüngeren positionieren müssten. Die Jüngeren ihre eigenen Fehler machen lassen. Ihre Erfahrung einbringen aber nicht aufdrängen. Vorbild sein durch Taten, nicht durch Worte. Sich überlegen, was man noch von den Jüngeren lernen kann. Sich für die Arbeits- und Denkweise der Jüngeren interessieren.

Und was sollten „die Jungen“ tun? Daran denken, dass sie auch mal alt werden. Nicht meinen, sofort alles besser können zu müssen als die Älteren. Den Erfahrungsschatz der Älteren anzapfen, offen um Rat fragen. Wertschätzung ausdrücken. Nicht sofort alles umkrempeln wollen. Den anderen Arbeits- und Kommunikationsstil der Älteren respektieren.

Am besten wäre es natürlich, das Alter gar nicht als Faktor heranzuziehen, um andere zu beurteilen. Das fällt schwer. Die demografische Entwicklung dürfte uns aber hierbei zu Hilfe kommen. Wenn irgendwann alle alt sind, sind dann nicht alle auch irgendwie jung?

Ihr Sascha Frank

(Bild: istockphoto – Nahhan)

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