Kann Ihr Handy auch telefonieren?

Handys, Smartphones und jetzt die App-Phones: Die mobilen Helfer von Apple & Co. können immer mehr. Apps haben mittlerweile die Nutzung der Mobiltelefone revolutioniert und die Telefonie als Hauptfunktion verdrängt. Doch so nützlich die kleinen Programme sind, sie können ganz schnell zum Zeiträuber werden.

Kann Ihr Handy MP3s abspielen? Hat Ihr Handy eine Kamera? Einen Organizer? Kann man es über Touchscreen bedienen? Ja, das waren die guten alten Zeiten, als jede Handy-Funktion neben dem Telefonieren noch Luxus war. Als sich die Handy-Hersteller noch mit der Miniaturisierung der Geräte überboten. Der Trend hat sich seit langem umgekehrt. Die Bildschirme werden größer und größer. Und telefonieren, ach ja, das kann man natürlich auch noch. Aber die Telefonie ist zum Beiwerk verkümmert.

Heute lädt man möglichst viele Apps auf sein App-Phone und nutzt vielleicht auch ein paar davon. Apps, das sind kleine Softwareprogramme fürs Handy, die mit einem Klick zu installieren sind und meist auch eine bestimmte Funktion haben. Apple mit seinem iPhone war der Vorreiter dieses Konzepts. Aktuell sind Spiele die meistgenutzten Apps – Zeitvertreibe für unterwegs. Experten zufolge sollen Social Networks und standortbasierte Dienste (Location Based Services) in Zukunft am wichtigsten werden. Die Suche nach den Killer-Apps ist voll im Gange. Da zahlreiche Unternehmen das große Geschäft mit den Apps wittern, wird sich das Angebot wohl exponentiell vergrößern.

Apps sind praktisch, keine Frage. Internetseiten sind auf Mobiltelefonen ziemlich umständlich zu bedienen, da ist Fingerfertigkeit gefragt. Erst mit den Apps lassen sich viele Online-Dienste wirklich komfortabel nutzen. Das ist die eine Seite. Die andere ist: Apps sind Zeiträuber. Bis man sich erst einmal durch die tausenden angebotenen Apps hindurchgewühlt und die richtigen für sich herausgefiltert hat, können schon mal Tage vergehen. Und dann die ganzen Spiele, Spielereien und pseudo-praktischen Tools. Permanent sehe ich Menschen, über ihre schicken schwarzen Kästchen gebeugt mit ihren Fingern auf dem Bildschirm tippen und ziehen und streichen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Menschen alle hoch wichtige Dinge zu erledigen haben. Gut, wir beschäftigen uns auch sonst nicht permanent mit hoch wichtigen Dingen…was ich nur sagen will: App-Phones fordern uns neue Verhaltensmuster ab. Das Internet mit seinem Nutzen und seiner Ablenkung zugleich dringt noch weiter in unser Leben ein. Einerseits stehen Informationen noch schneller und ortsunabhängiger zur Verfügung, andererseits wird es immer schwieriger ohne Störungen, konzentriert an einer Sache zu arbeiten. Wie gehen wir damit um?

Brisant wird diese Frage vor allem, wenn App-Phones mehr und mehr ins Geschäftsleben eindringen. Sollen die Mitarbeiter mit solchen Dingern ausgestattet werden? Schon jetzt sagen Studien, dass Internetsurfen viel zu viel Arbeitszeit verschlingt. Schon jetzt ufert die E-Mail-Kommunikation in vielen Unternehmen aus. Schon jetzt fühlen sich viele von der permanenten Informationsflut überfordert. Besser wird das mit den App-Phones sicher nicht, solange wir keine adäquaten Lösungen finden.

Wie halten Sie das für sich und Ihre Mitarbeiter? Telefonieren Sie noch oder appen Sie schon?

Ihr Sascha Frank

(Bild: Holger Ellgard, Wikimedia)

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