Karriere in der Krise

Wirtschaftskrise und Entlassungswellen prägen die aktuellen Nachrichten vom Arbeitsmarkt. Doch wird auch eingestellt. Bei Restrukturierungen oder Fusionen werden Leitungsposten häufig neu besetzt. Führungskräften bieten sich also durchaus interessante Perspektiven in der Krise. Sie sollten allerdings noch genauer als sonst hinschauen, wo sie sich bewerben.

2009 war kein Jahr der großen Investitionen. Die Unternehmen haben abgewartet, gehofft und Ausgaben gestrichen. Viele geplante Projekte im IT- und TK-Umfeld wurden bis auf weiteres gecancelt. Irgendwann stehen sie an, aber wann, weiß keiner so genau. Zwar hat die Krise hier nicht wie anderswo zu Kurzarbeit und großen Entlassungen geführt. Aber ein wenig Zurückhaltung beim Thema Personal herrscht schon. Heißt das für Wechselwillige, dass momentan keine Chance auf einen neuen Job besteht? Nein, nicht unbedingt. Aus mehreren Gründen.

Erstens sind Krisenzeiten traditionell die Zeiten, in denen emsig umstrukturiert, rationalisiert, fusioniert und aufgekauft wird. Entweder um Kosten zu senken, um sich strategisch in Form zu bringen oder weil der Wettbewerber für einen Apfel und ein Ei zum Verkauf steht. Dabei fallen zwar viele Stellen weg, aber es werden auch neue geschaffen. Gerade in den Führungsbereichen, wo die bisherigen Manager nicht mehr ins Konzept passen oder ganz neue Bereiche entstehen. Das bietet Gelegenheit für Kandidaten, die noch unverbraucht sind und gerne eine Stufe hochklettern möchten.

Zweitens heißt die geringe Zahl an Stellenanzeigen nicht, dass keine Leute gesucht werden. Stellenanzeigen sind teuer, deshalb verzichten Unternehmen momentan gerne darauf, setzen lieber aufs Internet oder auf Empfehlungen von Mitarbeitern und Geschäftspartnern. Wieder andere suchen zwar nicht aktiv, sind aber grundsätzlich offen, wenn sich ein Top-Kandidat bei ihnen bewirbt. Im Klartext heißt das: gute Zeiten für Netzwerker und gewitzte Initiativbewerber.

Drittens gibt es auch in den krisengeschüttelten Branchen immer noch Perlen, die weiterhin stark wachsen und dementsprechend noch Leute einstellen. Das sind meistens kleine, dynamische und innovative Unternehmen. Diese gehören zwar (noch) nicht zu den TOP-100 Arbeitgebern und sind daher schwieriger auszumachen, bieten aber häufig hochinteressante Tätigkeitsfelder mit Zukunft.

Karriere in der Krise ist also durchaus drin. Man muss nur besser hinschauen und vielleicht andere Wege gehen, um die offenen Positionen zu finden. Besser hinschauen sollten Wechselwillige dann auch beim Unternehmen, bei dem sie sich bewerben wollen. Wie steht es finanziell da? Gibt es eine schlüssige Strategie? Ist es übernahmegefährdet? Ist das interne Klima angespannt? Schließlich will keiner in Zeiten wie diesen einen mehr oder weniger sicheren Job aufgeben, wenn er keine längerfristige Perspektive geboten bekommt.

Viele Unternehmen spüren schon wieder leichten Aufwind nach der Krise. Das Schlimmste am Arbeitsmarkt steht uns aber wohl noch bevor und die vollständige Erholung wird sich wohl noch Jahre hinziehen. Doch wer mutig ist, Zeit in die Suche investiert und sich gut präsentiert, der findet auch in der Krise seinen Traumjob. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!

Ihr Sascha Frank

(Bild: istockphoto – jeu)

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