Lieber doch einen Diktator?

50% der Deutschen sind mit ihrem Vorgesetzten unzufrieden. Darüber, was einen perfekten Chef ausmacht, herrscht jedoch keine Einigkeit. Während die einen Führungsstärke und Fachkompetenz fordern, wollen die anderen den Chef als Moderator und Motivator sehen. Da die Mitte nur schwer zu treffen ist, erhebt sich die Frage, mit was für einem Chef man im Zweifelsfall besser fährt.

In der Kolumne #16 habe ich festgehalten, dass Chefs auch ein bisschen Weichei sein dürfen. Social Skills und Emotionale Intelligenz seien bei Führungskräften durchaus gefragt – so meine Überzeugung. Nun muss ich in einem Artikel von Jochen Mai auf WiWo.de lesen, warum ein harter Hund als Chef oft besser ist. Und was glaubt man jetzt? Was mich tröstet – ich bin offensichtlich nicht der einzige Verwirrte. Die Deutschen scheinen eine recht zwiespältige Meinung darüber zu haben, was denn nun einen guten Chef auszumachen habe. Lieber einen Diktator oder doch einen Demokrat?

Die einen sagen, Chefs müssen nicht sympathisch sein, sie müssen eine Abteilung oder ein Unternehmen erfolgreich führen können. Dazu sind sie schließlich da. Mit welchen Mitteln sie das tun, ist dabei zweitrangig. Vorrangig und unverzichtbar ist, dass sie den Ton angeben und ihre Mitarbeiter zu Höchstleistungen antreiben können, dass sie absolute Fachkompetenz beweisen, und ihre Autorität von niemandem angezweifelt werden kann – frei nach dem Motto, dass der beste Sachbearbeiter irgendwann halt doch „Chef wird“.

Daneben gibt es eine Fraktion (übrigens auch stark vertreten in den Kommentaren zum oben erwähnten WiWo-Artikel), die diese Ansicht im Grunde als zutiefst deutsch entlarvt. Die Deutschen würden sich in Wirklichkeit noch immer hinter großen Führungspersönlichkeiten verstecken wollen. Zucht und Ordnung seien unverändert ihre höchsten Ideale. Das sei zwar nicht optimal, aber anders ginge es eben nicht. Naja…darüber kann ich höchstens schmunzeln. Es nervt, wenn 60 Jahre später immer noch alles von Nazi-Deutschland abgeleitet wird.

Und schließlich gibt es natürlich auch noch diejenigen, die sich wirklich den Kuschelchef wünschen. Der Chef als Gruppentherapeut, als Moderator. Schade nur, dass sich solche Führungskräfte meist nur sehr kurz halten können und alsbald von den harten Hunden abgesägt werden. Übrigens, so schreibt Jochen Mai, wer seinem Chef vorwirft, nicht genug zu motivieren, der gebe eigentlich zu, dass er selbst ein ‚antriebsloser Strolch’ sei. Hat was, diese Feststellung. Und wer schon öfter in endlosen Meetings saß, weil der Chef alles durchdiskutieren ließ statt mal ein Machtwort zu sprechen, der weiß, warum Unternehmen nicht unbedingt demokratisch geführt werden sollten.

Zu guter Letzt liefert Mai aber doch noch die Beschreibung des perfekten Chefs: „Der Chef soll uns fordern und fördern, uns viel bezahlen und im Büro für Spiel, Spaß und Spannung sorgen.“ Wer so einen Chef findet, bitte bei mir melden! Fehlt nur noch die Schokolade und dann hätten wir die perfekte (Kinder-) Überraschung. Niemand beherrscht die absolute Mitte. Und wer will schon Mittelmaß? Ob Ihr Wunsch-Chef nun lieber Richtung harter Hund oder lieber Richtung Kuschelchef tendiert, das müssen Sie selbst wissen.

Und was soll ich nun glauben? Am besten wird sein, ich bleibe bei meiner Meinung: Ein bisschen Weichei ist ok. Aber mehr auch nicht.

Ihr Sascha Frank

(Bild: istockphoto-PaoloGaetano)

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