Lieber zuerst bis zehn zählen

Emotionen – positive wie negative – beeinflussen unsere Entscheidungen mehr als wir denken. Nicht nur, dass wir uns im Gefühlsrausch zu unbedachten Taten hinreißen lassen. Oftmals wiederholen wir solche Fehler immer wieder, auch wenn sie jedes Mal böse Folgen zeitigen. Dagegen hilft nur: vor wichtigen Entscheidungen tief durchatmen und zur Ruhe kommen.

Sie haben es schon zigmal, er auch ständig, ich sowieso: in der Wut eine Äußerung gemacht, die man hinterher bitter bereut hat. Die man hinterher nur mit Müh und Not wieder aus der Welt schaffen konnte. Oder sich mal etwas geleistet, weil es im Job gerade so gut läuft und die Sonne scheint. Und schon am nächsten Tag gemerkt, dass man das Geld eigentlich sehr gut für Dringenderes hätte brauchen können. Ja, wir kennen es alle, starke Emotionen sind keine guten Ratgeber. Im Job schon gar nicht. Wichtige Entscheidungen sollten wir weder mit großem Ärger noch im Erfolgsrausch treffen, weil unser gesunder Menschenverstand und unser sonst so verlässliches Bauchgefühl in solchen Situationen hormonbedingt ausgeschaltet sind.

Wie lange uns Fehlentscheidungen im Eifer des Gefechts nachhängen können, beschreibt Dan Ariely in seinem neu aufgelegten Buch Denken hilft zwar, nützt aber nichts. Dort berichtet er von einer Studie, in der Probanden durch Filmszenen in fröhliche und ärgerliche Stimmung versetzt wurden. In den darauf folgenden Versuchssituationen ergab sich, dass ärgerlich gestimmte Probanden eher darauf bedacht waren, mit ihren Entscheidungen anderen zu schaden, selbst wenn das für sie selbst ebenso negative Folgen hatte. Jetzt kommt das Interessante: Das gleiche Verhalten war auch nach längerer Zeit noch zu beobachten, obwohl die Verstimmung längst abgeklungen war. Offensichtlich gehen Entscheidungen, die wir impulsiv treffen, genauso in unser Verhaltensmuster über, wie gut überlegte Entscheidungen. Selbst, wenn die Folgen der Entscheidung nachweislich und erkennbar negativ waren. Denn unser Gehirn ist ein Gewohnheitstier. Bestehende Synapsen lassen sich leichter wieder nutzen als sich neue bilden lassen. Alles Ungewohnte bedeutet Anstrengung und Risiko, selbst wenn es sich positiv auf unser Leben auswirken würde. Der rational denkende Mensch, der aus seinen Fehlern lernt, bleibt weiterhin eine Legende.

Doch es gibt Hoffnung. Wir müssen kein Spielball unserer Gefühle sein, müssen keine Kurzschlussentscheidungen treffen, die uns unser Leben lang verfolgen können. Zwar können wir unsere Gefühle nicht ausschalten. Wir können auch unsere Gefühle nicht aus unseren Entscheidungsprozessen raushalten. Offensichtlich können wir aus unseren Fehlern auch nur sehr begrenzt lernen. Aber wir können eines tun: Fehler erst gar nicht machen. In diesem Fall hieße das, keine wichtigen Entscheidungen zu treffen, wenn wir im Gefühlschaos stecken. Ob wir uns gerade mit Chef oder Familie gestritten oder ob wir gerade den Deal unseres Lebens abgeschlossen haben. Tief durchatmen und bis 10, 100 oder 10.000 zählen. Diese Regel hat noch immer Gültigkeit. Eine Nacht über eine Entscheidung zu schlafen ist auch eine gute Strategie. Wenn Sie sich vor Entscheidungen immer erst beruhigen, in sich gehen und sich mögliche Folgen vor Augen halten, werden Sie wahrscheinlich nichts tun, was Sie Ihr Leben lang bereuen könnten.

Ihr Sascha Frank

(Bild: fotolia – Kelpfish)

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