Manipulationskünstlerin Mimose

Die Mimose gehört zu den gefährlichsten Gattungen von Kollegen. Im Gegensatz zu anderen schwierigen Typen gibt es bei ihr keine erfolgreich erprobte Strategie für das Zusammenleben. Egal, wie man sie behandelt, sie ist immer tief gekränkt. Und das Schlimme daran ist: Wir fühlen uns schuldig. So geht die ausgeklügelte Manipulationstaktik der Mimose in den meisten Fällen auf.

Es ist Montagmorgen, kurz vor neun, Sie sind auf dem Weg zu Ihrem Büro. Kurz bevor Sie in den Gang einbiegen, auf dem Sie arbeiten, dämpfen Sie Ihre Schritte. An der EINEN Tür huschen Sie so schnell wie möglich vorbei, in der Hoffnung, dass ER (wahlweise auch SIE) sie nicht sieht. Denn Sie wollen IHM nicht begegnen, nicht mit IHM in ein Gespräch verwickelt werden. Schweißgebadet, aber glücklich erreichen Sie Ihren Schreibtisch. Schon jetzt überlegen Sie, ob Sie IHM heute auch in der Mittagspause entgehen können… Nein, es ist nicht Ihr cholerischer Chef, Ihr schlecht riechender Kollege oder der pedantische Controller, vor dem Sie Angst haben. Es ist: Die Büro-Mimose.

Die Büro-Mimose (lat.: Mimosa officii) lebt vorzugsweise in lichtgrauen, klimatisierten Umgebungen. Gegen solch hypersensible Kollegen ist kein Kraut gewachsen. Für die meisten, mit mangelhaften Charakteren ausgestatteten Kollegen haben wir Strategien entwickelt, die uns ein weitgehend friedliches Nebeneinander sichern. Bei der Mimose schlagen diese Strategien fehl. Denn, egal was wir tun, sie ist gekränkt. Tun wir nichts, fühlt sie sich ignoriert. Die Mimose jammert uns den lieben langen Tag vor, wie schlecht es ihr geht. Aber jeden Kommentar unsererseits verbittet sie sich als Einmischung in ihr Leben. Jede verantwortungsvolle Tätigkeit führt bei der Mimose unweigerlich zu Burn-Out-Symptomen. Wird sie dann von den Kollegen entlastet, beschwert sie sich, keiner würde ihr etwas zutrauen.

Kurzum: Mit der Mimose gibt es kein Auskommen. Das Schlimmste daran ist jedoch, dass wir uns permanent als Schuldige fühlen. Dabei leiden Mimosen eher selten an genetisch bedingter „Hypersensibilität“. Mitleid erzeugen und ein schlechtes Gewissen einreden ist schlicht Taktik, um andere nach der eigenen Pfeife tanzen zu lassen. Manche Mimose erweist sich als wahre Manipulationskünstlerin, kann ihr Gegenüber perfekt einschätzen und die passenden Knöpfe drücken. Oder in Sekundenschnelle umschalten, wenn die gewählte Taktik nicht zum Ziel führt. Und mal ehrlich: Würden Sie es wagen, einem Sensibelchen im Meeting vor versammelter Mannschaft Ihre Meinung zu sagen? Und wenn dieses dann tief gedemütigt aus dem Raum flüchtet, können Sie die empörten Blicke Ihrer Kollegen aushalten? Sehen Sie.

Irgendwie müssen Sie ja aber doch mit solchen Kollegen. Eine permanente Gratwanderung: Einerseits einfühlsam sein und Rücksicht nehmen, andererseits klare Grenzen setzen und sich nicht manipulieren lassen. Alles klar? Ziemlich schlecht wäre, wenn Sie vom Typ Choleriker oder Pedant sind und Fingerspitzengefühl ein Fremdwort für Sie ist. Dann gilt für Sie im Besonderen, was Wikipedia schreibt: „Alle Teile der Mimose sind gesundheitsschädlich und unverträglich.“ Und bis auf weiteres bleibt Ihnen nichts anderen übrig, als jeden Tag an SEINER Bürotür vorbei zu schleichen.

Ihr Sascha Frank

(Bild: H. Zell, Wikimedia)

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