Meckern, motzen, mies machen

Meckerei über den Job ist gang und gäbe, doch kaum so harmlos wie die meisten denken. Wer Betriebsinterna ausplaudert muss mit Konsequenzen rechnen. Lästermäuler disqualifizieren sich außerdem selbst. Wer Probleme lieber vor Dritten breittritt anstatt sie anzupacken gesteht nur seine eigene Machtlosigkeit oder Unfähigkeit ein.

Es ist eine der Standardfragen in Vorstellungsgesprächen: Warum mussten Sie bei Ihrem alten Job gehen? Warum haben Sie selbst gekündigt? Wenn man sich im Streit vom Arbeitgeber getrennt hat oder die Missstände nicht mehr mittragen wollte, dann sollte man bei solchen Fragen besonders aufpassen. Das schlechteste, was man machen kann: Über den alten Chef, die Kollegen, die Arbeit herziehen und sich selbst von aller Schuld reinwaschen. Selbst wenn es so war, verbaut man sich mit solchem Verhalten jede Chance auf den neuen Job. Warum? Meckerer werden als unzufriedene, passive Menschen wahrgenommen, die lieber reden statt handeln. Außerdem muss ja der neue Arbeitgeber davon ausgehen, dass sich der Kandidat auch bei anderen über ihn auslässt, wenn es mal Probleme gibt.

In lockerer Atmosphäre, mit Familie und Freunde, auf Partys nach ein paar Bierchen, wird gerne gelästert was das Zeug hält. Mit gelockerter Zunge hat schon so mancher Geschichten erzählt, die er lieber für sich behalten hätte. Über den unfähigen Chef, die faulen Kollegen, das komplett in die Hose gegangene Projekt. Wo heute jeder jeden kennt und alle permanent vernetzt sind ist schon manche dieser Geschichten auf direktem Wege bei denen gelandet, von denen sie handeln. Wenn rauskommt, dass Betriebsinterna ausgeplaudert wurden, droht Abmahnung und sogar fristlose Kündigung. Besonders dumm ist es, wenn sich Leute direkt im Internet auslassen und so für die weltweite, dauerhafte Verbreitung sorgen.

Auch privat tun sich Meckerer keinen Gefallen. Sicher, einmal richtig abzulästern streichelt die Seele und lenkt kurzfristig von den eigentlichen Problemen ab. Doch wer will schon mit Menschen zusammen sein, die den lieben langen Tag meckern, motzen und mies machen? Wer würde so einem Menschen wieder bei anderen positiv erwähnen oder ihn sogar empfehlen? Menschen, die sich permanent beklagen, kommen nicht voran. Lästerei dient hauptsächlich dazu, die Schuld bei anderen zu suchen und von sich selbst abzulenken. In Konflikten spielt aber jeder der Beteiligten eine Rolle. Nimmt man sich selbst völlig aus der Verantwortung wird es kaum gelingen, ein Problem wirklich zufriedenstellend zu lösen. Meckerer berauben sich selbst der Chance, sich weiterzuentwickeln. Kein Wunder, dass solche Leute anscheinend laufend vom Pech verfolgt werden, anscheinend immer an die falschen Leute geraten.

Aber wenn’s wirklich schlecht läuft im Job und man vielleicht schon alles Menschenmögliche versucht hat? Lassen Sie mich mit dem bekannten Gelassenheitsgebet von Reinhold Niebuhr antworten: „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Ihr Sascha Frank

(Bild: istockfoto – maxattenborough)

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