Reden lernen vom Feind

IT-Manager haben ausgeprägte Fachkompetenz, stecken in den Führungskompetenzen jedoch weit hinter Ihre Kollegen zurück. Laut Cheftest von XING und manager magazin liegen die Defizite in der sozialen Kompetenz und der Kommunikation. Lernen können die IT-ler diese Skills von den Marketern. Die sind äußerst teamfähig, kommunikativ und wissen sich gut zu verkaufen.

Erst vor wenigen Wochen habe ich in der Coaching Zone bemerkt, dass sich das Outfit der IT-Abteilungen in den letzten Jahren stark gewandelt hat: vom Schlabberlook hin zum salonfähigen Businesslook. Allerdings zeigt sich wieder, dass innere Veränderungen viel länger brauchen als die äußeren. Der Look war ja kein Stilbekenntnis, sondern ging einher mit dem zurückhaltendenden, fast menschenscheuen Wesen vieler IT-ler. Und hier hat sich noch nicht so viel getan, sagt der Cheftest 2010 von manager magazin und XING. In dieser Studie wurden Führungsqualitäten der Manager in den verschiedenen Abteilungen von Unternehmen untersucht. Man kann überrascht sein oder auch nicht, jedenfalls sind die Ergebnisse klischeehaft.

Wie würden Sie einen Durchschnitts-IT-ler beschreiben? Intelligent, kann abstrakt denken, findet schnell Lösungen für neue Probleme, redet wenig, arbeitet lieber alleine, zeigt keine Gefühle. Und genau so ist es. Im Cheftest landeten die IT-Führungskräfte weit vorne wenn es darum geht, in unsicheren Situationen zu entscheiden und mit volatilen Geschäftsfeldern umzugehen. Kein Wunder, ist doch die IT eine der Branchen, die sich permanent auf den Kopf steht. Gleichzeitig sind die IT-Manager weit abgeschlagen, wenn es um allgemeine Führungs- und Umsetzungskompetenz sowie Management von Diversität geht. Auch kein Wunder, denn das – vereinfacht – sind die Bereiche, in denen es auf Teamfähigkeit, soziale Intelligenz und gute Kommunikation ankommt. Hinter dem Monitor verkriechen und sich in Code-Zeilen verbeißen hilft hier nicht weiter. Nur die ganz obere Riege der IT-Manager punktet bei der Sozialen Intelligenz.

Von wem könnten die IT-ler lernen? Vom Feind, sozusagen. Von den Schlipsträgern im Gucci-Anzug, die permanent heiße Luft von sich geben, sich bei der Geschäftsführung einschleimen und dafür Millionen Euros für so vage Begriffe wie „Image“ oder „Marktanteil“ verbrennen dürfen. Die Mitarbeiter von strategischen Marketingabteilungen belegen Spitzenplätze in den Kategorien Strategie, allgemeine Führungskompetenz, Umsetzungskompetenz und im Management von Diversität. Offensichtlich kann man als Marketer einige Soft-Skills trainieren. Zum Beispiel Stimmungen einschätzen oder sich in gänzlich verschiedene Menschen einfühlen. Schließlich muss man Entscheidungen treffen, die die Außenwirkung des Unternehmens nachhaltig beeinflussen. Bei einem Marktumfeld, das sich täglich drehen kann und das von Millionen Menschen abhängt, die man nicht kennt. Die äußerst anspruchsvoll und launisch sind.

Zudem muss man als Marketer per Definition auch eines können: Sich gut verkaufen. An Fachkompetenz stehen die IT-Manager Ihren Kollegen ja in nichts nach. Doch vielleicht hoffen Sie noch zu sehr, dass die anderen ihre Erfolge schon zwischen den (Code-)Zeilen lesen und würdigen werden. Der Marketer weiß gleichzeitig um die Macht der Worte und Bilder, setzt seine Verdienste gebührend in Szene und holt die anderen kommunikativ ins Boot. Und hat die Nase vorne. Denn, wie es so schön heißt: It´s People Business.

Ihr Sascha Frank

(Bild: fotolia – TOM)

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