Reden Sie noch oder zwitschern Sie schon?

Der Microblogging-Dienst Twitter ist aus der englischsprachigen Medienlandschaft nicht mehr wegzudenken. Auch in Deutschland twittern schon zahlreiche Privatleute und Institutionen. Doch Großunternehmen tun sich bisher schwer. Die Kommunikation in 140 Zeichen passt nicht ganz in die gewohnten Strategien. Ignorieren lässt sich Twitter allerdings nicht mehr.

Weder die Finanzkrise noch die Schweinegrippe noch die Obamania haben es geschafft: Twitter ist der bereits gekrönte Sieger der Wahl zum englischen Wort des Jahres 2009. Obwohl dieses Jahr an außergewöhnlichen Ereignissen viel zu bieten hatte, bleibt hauptsächlich der Aufstieg einer Internetseite in Erinnerung. Ach was, Internetseite … der Aufstieg einer neuen Kommunikationsform! Es muss etwas dran sein an Twitter.

In den USA gehört Twitter bereits fest zum Kommunikationsgeflecht vieler Konzerne. In 140 Zeichen veröffentlichen sie Neuigkeiten und nehmen Kundenwünsche oder Reklamationen entgegen. DELL verteilt exklusiv über Twitter Sonderangebote und Gutscheine und setzt damit bereits über 4 Millionen Dollar um.

In Deutschland sieht das Bild ganz anders aus. Die Bahn twittert Zug-Verspätungen, auch Lufthansa und Henkel nutzen Twitter sehr erfolgreich. Doch bei den meisten DAX-Konzernen heißt es: Fehlanzeige. Wie eine Studie der Net-Federation aus dem August zeigte, haben nur 25% der 110 befragten börsennotierten Unternehmen überhaupt einen Twitter-Account. Mittlerweile sind es zwar einige mehr, doch nur die wenigsten integrieren Twitter konsequent in ihre Corporate Identity und ihre Kommunikationsstrategie. So ist oftmals nicht ersichtlich, ob es sich um den offiziellen Account des Unternehmens handelt, oder ob irgendjemand anderes unter dem Namen zwitschert. Nur ein Viertel der twitternden Konzerne weist auf der Unternehmenswebseite auf ihre Aktivitäten hin.

Was man hier bescheinigen muss, ist wohl fehlende Medienkompetenz. Das Web 2.0 ist dezentral, höchst dynamisch und lässt Kommunikation in alle Richtungen zu – es beißt sich mit den meist stark reglementierten Top-Down-Kommunikationsstrategien der Konzerne.

Es gibt also noch viel zu lernen und wie das mit dem Lernen so ist, Fehler sind vorprogrammiert. Der schlimmste Fehler, den man machen kann, wäre jedoch aus Angst gar nicht zu kommunizieren, die Meinung der Community nicht ernst zu nehmen oder Twitter als Kanal für Spamming zu benutzen.

Ich gebe zu, ich habe das neuartige Medium Twitter bisher auch nur mit großer Vorsicht von außen betrachtet. Immerhin haben wir uns schon den Account-Namen espiridon gesichert und für 2010 steht Twitter dick auf meiner Agenda. Und wie halten Sie es? Reden Sie noch oder zwitschern Sie schon? Als Privatperson oder im Namen Ihres Unternehmens?

Spätestens nach der Wahl zum Wort des Jahres 2009 können und dürfen wir Twitter nicht mehr ignorieren. Ich freue mich schon auf fröhliches und interessantes Gezwitscher mit Ihnen im nächsten Jahr 2010!

Ihr Sascha Frank

(Bild: Fotolia – DanL)

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