Schlips statt Schlabberlook

IT und stilvolle Kleidung – das passt irgendwie nicht zusammen. Doch das Klischee vom Computerfreak im Schlabberlook hat sich gewandelt. Der Dresscode für Manager – Anzug, Hemd und Krawatte – gilt auch für die IT. Die Branche ist erwachsen geworden und hat an Individualität verloren. Einzig ein paar charismatische Firmenlenker schießen gegen den Trend.

Gäbe es eine Wahl zur bestangezogenen Berufsgruppe wären die ITler nicht auf den hinteren Plätzen gelandet. Sie wären erst gar nicht eingeladen worden. Schlabber-T-Shirt mit Comicprint, ausgewaschene Jeans, Birkenstocks oder Joggingschuhe – so stellt man sich immer noch den Durchschnittstypen aus der IT vor. Am besten umgeben von leeren Pizzaschachteln, Cola-Flaschen, den Raum beinahe komplett abgedunkelt. Diese Biosphäre verlässt er nur äußerst ungern. Und wenn die Teilnahme an einem offiziellen Meeting oder gar eine Präsentation unausweichlich ist, zwängt er sich widerwillig in einen schlechten Anzug – seinen einzigen, der für solch seltene Momente im Schrank vor sich hingammelt.

Schöne, alte Welt. Doch seit IT-Unternehmen zu den größten der Welt gehören und die IT in den Konzernen strategische Bedeutung besitzt, verlieren die Computerfreaks zunehmend ihren Exotenstatus. Für sie gilt, was für alle schon lange gilt: Businesslook. Für die mittleren Etagen sind Anzug, Hemd, Krawatte und gebohnerte Schuhe Pflicht. Ganz oben, bei den CIOs, darf es durchaus auch feiner Zwirn sein. Wie überall eben. Besonders europäische Manager müssen sich dieser strengen Kleiderordnung unterwerfen. Über dem Teich, egal ob nach Ost oder West, nimmt man es etwas lockerer. So treten US- oder japanische Manager schon mal „Casual“ in der Öffentlichkeit auf. Selbst Obama hält seine Reden gerne im Karo-Hemd mit offenem Kragen. Hierzulande geht das nicht. Das müssen auch Manager lernen, die von Übersee nach Europa kommen.

Erst wer es ganz nach oben geschafft hat, darf sich wieder ein Stück seiner Individualität zurück erobern. Legendär ist natürlich Apple-Chef Jobs, der stets im schwarzen Rolli, Jeans und Turnschuhen auftritt. Man sagt sich übrigens, er habe den Pulli eigens beim japanischen Hersteller in großer Stückzahl geordert, da das Modell regulär nicht mehr hergestellt wird. Nur die wenigsten können und dürfen so viel Aufwand betreiben, um nicht der Regel zu entsprechen. Was öfter vorkommt, sind Rebellionen im Detail: Schwarze Sneakers zum Anzug – auf ein paar Meter Entfernung fast nicht von Schnürschuhen zu unterscheiden –, oder ein extravagantes Brillengestell.

Auch wenn es manchmal so scheint: Es muss kein Zeichen von fehlender Individualität sein, wenn man sich an den gängigen Businesslook hält. Der erste Eindruck ist einfach wichtig und wird unter anderem stark von unserer Kleidung beeinflusst. Wenn ein Anzug nach Landessitte Seriosität und Respekt vermittelt, warum sich dagegen wehren? Zur Situation passende Kleidung, darauf kommt es an – für ITler und für alle anderen. Im Zweifelsfall aber lieber ein bisschen overdressed. Jackett und Krawatte ablegen geht immer noch. Am besten ist, sich im Vorfeld über den jeweiligen Dresscode bei einer Veranstaltung oder einem Meeting zu informieren. Erst kürzlich habe ich mich vor einem Termin bei der Sekretärin über die Kleidung ihres Chefs erkundigt: und mich spontan entschieden, die Krawatte wegzulassen.

Ihr Sascha Frank

(Bild: fotolia – Alistair Cotton)

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