Schön macht faul

Attraktive Menschen haben es leichter im Leben. Dass wir Menschen nach ihrem Aussehen beurteilen, ist ungerecht, aber kaum zu vermeiden. Ein Forscherteam hat jedoch am Beispiel von Fußballern herausgefunden, dass sich Schönheit negativ auf die Leistungsbereitschaft auswirkt. Schöne Menschen strengen sich tendenziell weniger an als ihre weniger attraktiven Kollegen.

Schöne Menschen sind erfolgreicher, daran zweifelt niemand. Viele Studien zeigen, dass schon attraktive Babys mehr Aufmerksamkeit von ihren Eltern bekommen. Auch später im Leben werden schöne Menschen oft besser behandelt, steigen auf der Karriereleiter schneller auf. Aber: Haben die das wirklich verdient? Führt deren Selbstbewusstsein wirklich dazu, dass sie sich mehr anstrengen und mehr leisten? Ein Forscherteam der Universitäten Köln und Hannover hat das untersucht und kam zu interessanten Ergebnissen.

Die Forscher griffen sich 483 Fußballprofis heraus, die in der Saison 2007/08 in der Ersten Bundesliga gespielt hatten. Dann ließen sie die Attraktivität der Kicker von 365 männlichen Probanden bewerten. Anschließend glichen sie die Bewertungen mit den Leistungsdaten der offiziellen Bundesligadatenbank ab. Im Ergebnis zeigt sich, dass sich Attraktivität eher negativ auf die Leistung auswirkt. Schöne Spieler strengten sich tendenziell weniger an als ihre weniger attraktiven Kollegen. Dieser Effekt war allerdings nicht zu beobachten, wenn ein Verein aus lauter Schönlingen bestand. Der Schönheits-Vorteil des Einzelnen wurde dadurch aufgehoben, er musste wieder durch Leistung überzeugen.

Mit dieser Studie können wir uns also erklären, warum Ribèry bei den Bayern so gut spielt. Und warum die Topmodel-Riegen bei Real, ManU & Co trotz aller Attraktivität Spitzenfußball zeigen. Ich muss allerdings dazusagen, dass die Studie unter Fachleuten umstritten ist. Aber interessant ist sie allemal. Und mein Gefühl sagt mir, dass da was dran ist. Oder gab es in Ihrer Schulklasse nie den Schönling, dem alle Mädels hinterherliefen und der es folglich für unnötig hielt, sich mit so schnöden Dingen wie Lernen und Klassenarbeiten abzugeben? Da wir uns alle mit schönen Menschen umgeben wollen – scheinbar werden wir selbst dadurch aufgewertet – müssen sich diese auch weniger anstrengen, um etwas von uns zu bekommen. Bei der Jobsuche, der Gehaltsverhandlung, der Beförderung: überall schlägt sich das durch.

Gerecht ist das nicht. Sich der Problematik bewusst zu werden wäre ein erster Schritt, sich bei der Leistungsbewertung nicht zu sehr von Attraktivität leiten zu lassen. Dabei die Mitte zu finden und die Schönen nicht zu benachteiligen („Es soll ja bloß niemand denken, ich würde die Mitarbeiterin wegen ihres Aussehens einstellen!“) ist auch ein Drahtseilakt. Ich habe ständig mit Bewerbern zu tun und stehe immer wieder vor der Herausforderung auszuwählen. So sehr ich um Objektivität bemüht bin, die Augen verschließen kann ich während des Gesprächs nicht. Gutaussehende Menschen machen einfach von vornherein einen ganz anderen Eindruck, allein schon wenn und wie sie durch die Tür kommen. Deshalb finde ich es für mich persönlich wichtig, Menschen erst näher kennen zu lernen und sozusagen erstmal hinter die Fassade zu blicken, bevor ich mir ein Urteil bilde. Hat man einmal den Charakter eines Menschen ergründet, relativiert sich der gängige Schönheitsbegriff meist sehr schnell.

Ihr Sascha Frank

(Bild: fotolia – Sly)

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