Statt Pausen-Yoga und Gratis-Smoothie: Einfach mal mehr Gehalt zahlen

Auf den Karriereseiten listen Unternehmen gerne ihre Sonderleistungen für Mitarbeiter auf: Von A wie Altersvorsorge bis Z wie Zen-Kurse. Gerade der jungen Generation Y sagt man nach, dass sie auf solche Wohlfühlangebote Wert legt, mehr als auf Karriere oder Gehalt. Ist das die Wirklichkeit oder mehr Wunschdenken der Arbeitgeber?

Über die Generation Y, diese sagenumwobene Altersgruppe wohlfühlsüchtiger Weicheier, erzählt man sich ja viel. Karriere, Status und Gehalt seien ihnen nicht wichtig. Hauptsache, sie dürfen an MacBooks arbeiten, kostenlosen Cappuccino aus fair gehandelten Bohnen trinken und alle haben sich ganz doll lieb. Schön, wenn mal jemand die Y-ler persönlich fragt, was ihnen denn in ihrem Job wirklich wichtig ist. Die Hannoversche Versicherung hat das in einer repräsentativen Umfrage getan und nach den Anforderungen der Angestellten an ihren Traumarbeitgeber gefragt. Die Ergebnisse sind ziemlich interessant. Oder auch totlangweilig, je nachdem wie man´s sieht.

Die Befragten durften angeben, welche Leistungen oder Rahmenbedingungen sie sich von ihrem Arbeitgeber wünschen und ob der aktuelle Arbeitgeber diese auch erfüllt. Unter den 18-29-jährigen wurden folgende drei Faktoren mit weitem Abstand als die wichtigsten bewertet:

  • Flexible Arbeitszeiten wünschen sich 53%, nur 46% erhalten vom Arbeitgeber auch diese Flexibilität
  • Gute Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben finden 44% wichtig, aber nur bei 31% klappt das auch wirklich
  • Ein überdurchschnittliches Gehalt hätten gerne 41%, jedoch nur 16% freuen sich so richtig beim Blick auf den Kontoauszug

Gesundes Kantinenessen, Betriebssport, Firmenvergünstigungen und viele weitere Extras sind dagegen weniger nachgefragt. Oh, welche riesige Überraschung! Auch die Jüngeren wollen anständig bezahlt werden und neben der Arbeit noch Zeit für sich, Freunde und Familie haben? Das hätte ja niemand ahnen können!

Gerade beim Gehalt geht die Schere zwischen Wunsch und Wirklichkeit weit auseinander. Natürlich liegt das auch an der Formulierung „überdurchschnittliches Gehalt“ – wenn ein Großteil der Beschäftigten ein „überdurchschnittliches“ Gehalt bekäme, wäre das Gehalt ja wieder „durchschnittlich“. Trotzdem wird deutlich: Nach wie vor wird die Höhe des Gehalt als einzig wirklich relevanter Maßstab für die Wertschätzung des Arbeitgebers gegenüber der Leistung des Arbeitnehmers angesehen. Alle anderen Extras und Angebote nimmt man gerne mit, im Endeffekt zählen sie aber nicht so richtig. Im Gegenteil, manchmal fühlen sich Sonderleistungen eher als schlechte Entschuldigung dafür an, dass das Unternehmen niedrige Löhne zahlt. Einzig flexiblere Arbeitszeiten oder bessere Work-Life-Balance – also ein effektives „Mehr“ an Zeit – kompensieren ein nicht ganz so hohes Gehalt.

Sie kennen sicher das Konzept von Hygiene- und Motivationsfaktoren, vom Grenznutzen. Studien belegen folgendes: ab einer gewissen Höhe steigert eine weitere Gehaltserhöhung weder das Glück noch die Zufriedenheit oder Leistung eines Angestellten. Das „Wohlfühleinkommen“ liegt bei rund 60.000 Euro netto im Jahr. Heißt im Klartext: Ein Großteil der Angestellten hat dieses Gehaltslevel noch (lange) nicht erreicht; erst recht die Generation U30, die von Einstiegsgehältern wie vor 20 Jahren nur träumen können. Bei einem durchschnittlichen Generation-Y-Vertreter trägt eine Gehaltserhöhung also durchaus zu einem schöneren Leben bei und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass er dem Unternehmen noch ein paar Jahre erhalten bleibt.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Die (Ir-)Relevanz des Gehalts für die Motivation und Bindung von Mitarbeitern ist hinlänglich erforscht und diskutiert, dem kann ich nichts Weiteres hinzufügen. Personalführung ist sportlich. Aber die Ergebnisse der erwähnten Umfrage zeigen: Manchmal kann sie auch ganz einfach sein. Falls Sie diese „anspruchsvollen jungen Leute“ in Ihrem Unternehmen nicht verstehen und sich fragen, warum die Fluktuation so hoch oder die Zufriedenheit so niedrig ist: Es muss nicht am fehlenden Vegan-Menü in Ihrer Kantine oder am falschen Betriebssystem Ihrer Büro-Computer liegen. Vielleicht müssen Sie nur ein bisschen mehr Gehalt zahlen.

Ihr Sascha Frank

Bild: Fotolia – Iecic

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