Und plötzlich sitzen Sie zuhause

Obwohl die Pensionierung der langersehnte Schritt in die Freiheit ist, stellt sie vor allem Führungskräfte vor große Probleme. Von einem Tag auf den anderen brechen der Lebensinhalt, das soziale Umfeld und die gesellschaftliche Stellung weg. Wer sich nicht rechtzeitig darauf vorbereitet kann in ein tiefes Loch fallen. Gemeinsam mit dem Partner muss der Lebensabend geplant werden.

Was ist das: 40 Jahre lang fiebern Sie auf diesen Moment hin. Und wenn er da ist, wünschen Sie sich, er wäre noch ganz, ganz weit weg? Richtig: ihre Pensionierung. Im Rentenalter haben Sie genug Zeit, sind finanziell versorgt und haben die Erfahrung eines ganzen Lebens im Gepäck. Hört sich nach einer wunderbaren Zeit an. Trotzdem ist die Pensionierung ein Schnitt im Leben, der Menschen nicht selten vor große Probleme stellt. Wertvoll ist für uns nämlich immer das, was knapp ist. Im Berufsleben sind das Freizeit und Freiheit. Als Rentner hat man davon im Überfluss und so nimmt der Wert dieser Dinge rapide ab. Und wenn man feststellt, dass genau das, worauf man sich Jahrzehnte gefreut hat, plötzlich gar nicht so toll ist, dann stürzt man schnell in ein tiefes Loch.

Besonders für Führungskräfte ist der Übergang in den dritten Lebensabschnitt (nach Jugend und Berufstätigkeit) schwierig. Denn ihr Leben wird in sehr hohem Maße von ihrer Arbeit bestimmt. Sie identifizieren sich stark mit ihrem Unternehmen und sind meist auch sozial tief in ihrer Arbeitswelt verankert. Mit der Rente fällt das alles weg, ebenso wie die Anerkennung und die Wertschätzung, die mit der beruflichen Stellung verbunden waren. Gefühle der Leere, der Nutzlosigkeit und des Versagens gehören zu den Folgen.

Pensionierte Führungskräfte entdecken dann gerne das häusliche Umfeld als neuen Wirkungskreis für ihre nun brachliegenden Fähigkeiten. Loriots „Pappa ante portas“ lässt grüßen. Sie führen beim Einkauf endlich betriebswirtschaftliche Grundlagen ein, erstellen Projektpläne für die Gartenarbeit oder machen das Kochen zur Wissenschaft. Kaum vorstellbar, wie der ganze Haushalt die letzten 50 Jahre ohne ihr professionelles Zutun funktioniert hat! Dies ist nur eine der Ursachen dafür, dass auch die Partnerschaft durch die Pensionierung eines Partners auf die Probe gestellt wird. Die Scheidungsrate in diesem Lebensabschnitt ist besonders hoch.

Das Geheimnis für einen positiven Übergang in den Ruhestand ist: Vorbereitung. Wichtig ist, sich all diese Schwierigkeiten und Belastungen bewusst zu machen und rechtzeitig über Maßnahmen nachzudenken. Besprechen Sie Wünsche, Erwartungen und Befürchtungen mit Ihrem Partner. Machen Sie Pläne, wie sie in Zukunft die Rollenverteilung, Pflichten, Aktivitäten und Zeitpläne gestalten können. Auch verschiedene Freundeskreise und Hobbies müssen unter einen Hut gebracht werden. Eventuell können Sie sich auch ganz neue Aufgaben suchen. Was wollte ich/wollten wir schon mein/unser ganzes Leben machen, aber immer fehlte die Zeit dazu? Soziales Engagement, künstlerische Tätigkeiten oder sogar die Selbständigkeit (ohne finanziellen Druck)… die Möglichkeiten sind vielfältig. Auch Arbeitsmodelle wie Altersteilzeit können den Übergang erleichtern. So kann man sich langsam an den Ruhestand gewöhnen. Immer mehr Unternehmen sind solchen Modellen gegenüber aufgeschlossen.

Wie immer Sie es angehen: Der schlechteste Fall wäre, dass Sie plötzlich zuhause sitzen, die Frau ist da, das Fernsehprogramm ist langweilig und Sie suchen krampfhaft nach einer Beschäftigung …

Ihr Sascha Frank

(Bild: fotolia – Lou Oates)

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